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Proud Boys ... and girls: Unterstützer der rechten Gruppe in Portland, Oregon. Nathan Howard/Getty Images/AFP

USA

Trumps unheimliche Leibgarde

  • Karl Doemens
    VonKarl Doemens
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Rechtsextreme Milizen sind in den USA im Auftrieb – nun fühlen sich die Schlägertrupps auch vom Präsidenten geadelt.

Joe Biggs konnte sein Glück gar nicht fassen. „Im Prinzip hat Trump gesagt: Mischt die so richtig auf!“, schrieb der 36-jährige Ex-Feldwebel im rechten Online-Netzwerk Parler: „Das macht mich so froh.“ Biggs ist einer der Organisatoren der rechtsextremen Miliz „Proud Boys“. Die Bürgerwehr bot im Internet eilig für 30 Dollar ein schwarzes T-Shirt mit dem Slogan „Proud Boys Standing by“ (Die Proud Boys halten sich bereit) an.

Tatsächlich hatte dies kein Geringerer als der amerikanische Präsident gefordert. Während seines Krawallauftritts im Fernsehduell sagte Trump wörtlich: „Proud Boys – tretet weg und steht bereit!“ Dass er am Tag darauf behauptete, er kenne die rechte Schlägertruppe gar nicht, kann man als Schutzbehauptung abtun. Nicht nur erwähnte Trump den Namen aus eigenem Antrieb. Auch stellen die selbstdeklarierten „westlichen Chauvinisten“ den Personenschutz für seinen langjährigen Vertrauten Roger Stone. In jüngster Zeit freilich hat der mit Tarnuniformen, Schlagstöcken, Pfefferspray und Schusswaffen ausgerüstete Männerclub vor allem durch seine Aufmärsche in Portland für Schlagzeilen gesorgt.

Je näher der Wahltermin 3. November kommt und je offener Trump den Gedanken ausspricht, sein Amt nicht friedlich räumen zu wollen, desto mehr rücken die paramilitärischen Organisationen ins öffentliche Blickfeld, die zu den radikalsten Unterstützern des Präsidenten gehören. Rechte Milizen sind kein neues Phänomen in den USA. Nach der Wahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten Barack Obama im Jahr 2008 erlebten sie einen regelrechten Boom. Derzeit zählt die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center 181 Milizen.

Die Szene ist heterogen. Gegen alles vermeintlich Linke, gegen Migration und gegen den Islam wehren sich alle diese Bünde. Viele sind rassistisch, antisemitisch und gewalttätig. Zu den bekanntesten Bürgerwehren gehören die „Three Percenters“, die nach der Wahl Obamas gegründet wurden und ihren Namen aus der Legende ableiten, dass nur drei Prozent der Bürger der amerikanischen Kolonie im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten kämpften, und die „Oath Keepers“, die vor allem aktive und ehemalige Polizisten und Soldaten organisieren.

Ursprünglich saß der Feind dieser Radikal-Patrioten in Washington. Die „Oath Keepers“ etwa wurden von einem libertären Blogger gegründet, um sich Eingriffen der Regierung in das Waffenrecht und dem Vormarsch einer ominösen globalisierten Weltordnung entgegenzustellen. Doch seit mit Donald Trump ein Verbündeter im Weißen Haus sitzt, hat sich das Feindbild gewandelt. Der Journalist Mike Giglio hat in einer Langzeitrecherche für die November-Ausgabe des Magazins The Atlantic herauszufinden versucht, was die Mitglieder der „Oath Keeper“ umtreibt.

Neben der Verteidigung des Waffenrechts war es vor allem die Angst, dass die Weißen demographisch in die Minderheit geraten und das Gefühl, das Recht auf eigene Faust verteidigen zu müssen. Ein erster Auslöser der aktuellen Mobilisierung waren die behördlichen Corona-Beschränkungen. Im April zog ein bewaffneter Trupp der „Michigan Liberty Militia“ mit Plakaten, die die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer als „Nazi“ verunglimpften, vor das Kapitol der Hauptstadt Lansing und drang in Milizen-Uniformen mit Waffen in das Gebäude ein.

Was ist, wenn Trump die Wahl verliert und lautstark von Betrug redet? Journalist Giglio hat mit dutzenden Milizen-Anhängern gesprochen. Seine Erkenntnis ist beunruhigend: „Viele sagen, sie wollten nicht kämpfen, aber sie hätten das Gefühl, dass sie keine andere Wahl haben.“

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