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Tag der Entscheidung

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Von: Susanne Ebner

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An diesem Freitag soll das Urteil gegen Boris Becker fallen. IMago Images
An diesem Freitag soll das Urteil gegen Boris Becker fallen. IMago Images © dpa

Muss Boris Becker ins Gefängnis? Darüber urteilt Deborah Taylor. Die Richterin hat Erfahrung mit prominenten Angeklagten.

Wenn Boris Becker am heutigen Freitag wie geplant den Gerichtssaal im Southwark Crown Court nahe der Londoner Tower Bridge betritt, liegt sein Schicksal in der Hand von Richterin Deborah Taylor. Sie ist es, die in dem schmucklosen Raum mit dem ausgetretenen Teppich verkünden wird, ob der 54-jährige ehemalige Tennisprofi eine Bewährungsstrafe erhält oder aber für einige Monate, wenn nicht gar Jahre, ins Gefängnis muss.

Die Jury hatte Becker Anfang April in vier von 24 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Er soll sowohl Zahlungen an seine Ex-Frauen Lilly und Barbara Becker, eine Immobilie in Beckers Heimatstadt Leimen sowie Anteile an einer Firma für künstliche Intelligenz im Zuge seines Insolvenzverfahrens nicht offengelegt haben.

Doch wie hoch wird die Strafe für ihn ausfallen? Die meisten Fachleute vermuten mittlerweile, dass er womöglich zu mehreren Jahren Haft verurteilt werden könnte. Dabei schwanken die Schätzungen zwischen einem und fünf Jahren. Der Grund: Gerichte – in Deutschland wie in Großbritannien – nehmen Beobachter:innen zufolge Fälle von Insolvenzverschleppung sehr ernst.

Erschwerend komme hinzu, dass Becker aktiv Überweisungen getätigt haben soll, sagt Paul Vogel, Promi-Anwalt mit Büro in London. „Aufgrund dieser klaren Verstöße wird er wohl keine Bewährung mehr bekommen.“ Aber Spekulationen über den Ausgang des Prozesses seien „ein bisschen wie Kaffeesatzleserei“, sagte der Jurist gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Richterin Deborah Taylor gilt als knallhart. Sie war es, die Wikileaks-Gründer Julian Assange 2019 zu 50 Wochen Haft verurteilte. Sie blieb damit nur knapp unter der Höchststrafe von einem Jahr. Die Begründung: Er habe mit seiner Flucht in die Botschaft Ecuadors die Bewährungsauflagen missachtet. Als Assange abgeführt wurde, beschimpften seine Anhängerinnen und Anhänger die Richterin mit den Worten „Schande über sie“. Für die Unterstützer:innen war das Urteil eine politische Entscheidung.

Während des dreiwöchigen Becker-Prozesses gab sich Taylor, die stets eine schwarz-rote Robe sowie eine Pferdehaarperücke trug, betont nüchtern. Am letzten Verhandlungstag listete sie mit sonorer und geradezu einschläfernder Stimme auf, was Becker, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung im Verlauf der Verhandlung vorgebracht hatten. Sie erwähnte Beckers Jugend als Tennisprofi, in welcher er gelernt haben soll, sich auf seine Berater zu verlassen. Konten und Anwesen, von deren Existenz Becker nichts gewusst haben will. Die Scham, die er verspürt haben soll, als es 2017 zur Bankrotterklärung kam. Taylor schloss ihre Rede damit, dass die Jury nun auf der Grundlage des Gehörten entscheiden müsse, von seiner Prominenz hingegen sollte sie sich nicht beeindrucken lassen.

Behörde warnt Vermögende

Aber könnte das Urteil der Richterin davon beeinflusst werden, dass Becker eine bekannte Persönlichkeit ist? In anderen Worten: Könnte an ihm ein Exempel statuiert werden? Paul Vogel möchte Taylor dies auf keinen Fall unterstellen. Er wisse aber von Fällen, in denen er den Eindruck erhalten habe, dass in der Öffentlichkeit stehende Menschen eher härter bestraft würden. „Man denke nur an den Fall Uli Hoeneß. Das war aus meiner Sicht nahe an einem Fehlurteil.“

Seitens der Finanzbehörde hieß es nach der Verkündung des Becker-Urteils durch die Jury, dass dies eine Warnung an diejenigen sei, „die glauben, sie könnten ihr Vermögen verbergen und damit davonkommen“. Falls Becker von Richterin Taylor tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt wird, kann er laut Fachleuten gegen das Urteil und das Strafmaß Berufung einlegen. Das Problem: „Das könnte angesichts der Anwaltskosten in Großbritannien sehr teuer werden“, sagt Vogel.

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