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Von: Alisha Mendgen

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Fahrgäste gehen im Rüdesheimer Bahnhof in Richtung einer Regionalbahn nach Frankfurt.
Fahrgäste gehen im Rüdesheimer Bahnhof in Richtung einer Regionalbahn nach Frankfurt. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Debatte über das Neun-Euro-Ticket geht auch nach seinem Start weiter.

Nach dem ersten Neun-Euro-Wochenende mehren sich die Rufe nach einer Verlängerung oder Entwicklung von Anschluss-Angeboten. So plädiert der Städte- und Gemeindebund dafür, nach Auslaufen des Tickets ein bundesweites ÖPNV-Billigticket anzubieten. Ebenso verlangen die Linken weitere Billigtarife: Es wäre ein Witz, „wenn nach drei Monaten die Preise, auch wegen der hohen Energiekosten, überdurchschnittlich steigen“, sagte Linken-Verkehrspolitiker Bernd Riexinger. „Deshalb fordern wir die Verlängerung des Neun-Euro-Tickets bis Ende 2022.“

Riexinger plädiert als Anschlussangebot für ein 365-Euro-Jahresticket, ergänzt durch kostenlose Tickets für Studierende und einkommensschwache Haushalte. Einen anderen Vorschlag macht der Verkehrsverband Allianz Pro Schiene: „Deutschland sollte nach österreichischem Vorbild ein Klimaticket einführen, das deutschlandweit nicht nur im Nah-, sondern auch im Fernverkehr gilt“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege. Der Preis des Klimatickets in Österreich liegt jährlich bei 1095 Euro. Flege sagte weiter: „Parallel dazu muss das Angebot von Bus und Bahn massiv ausgebaut werden.

„Auf Dauer unbezahlbar“

Mit dem Gedanken eines langfristigen Neun-Euro-Tickets spielen nur wenige. Die Verkehrsverbünde hatten vor dem Start der Aktion betont, dass sich ein Neun-Euro-Monatsticket nicht wirtschaftlich umsetzen lasse. Sie haben Probleme, ihre Ausgaben zu decken.

Der Landkreistag lehnt eine Verlängerung des Neun-Euro-Tickets deshalb ab. „Allein die coronabedingten Einnahmeverluste und der bestehende Investitionsstau belasten die Verkehrsverbünde und damit die Landkreise und Städte stark“, so Präsident Reinhard Sager. „Für Verbesserungen des Taktes oder den Ausbau von Angeboten fehlt daher die finanzielle Kraft; mit massiv rabattierten Tickets werden die Finanzierungsgrundlagen noch weiter geschwächt.“ Das vergünstigte Ticket sei „auf Dauer schlichtweg unbezahlbar“.

Wenn die Kommunen und Verbünde Billigtarife nicht schultern können, bleibt nur eine Finanzierung seitens des Bundes. Doch die ist unrealistisch. Für drei Monate Neun-Euro-Ticket musste der Bund 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Eine Verlängerung des Tickets würde eine weitere Belastung des Bundeshaushalts bedeuten.

Bund und Länder beraten aktuell darüber, wie der ÖPNV so unkompliziert wie möglich gestaltet werden kann. Dabei wird etwa über die Vereinheitlichung der unterschiedlichen Tarife diskutiert. Erst nach Ausarbeitung solcher Qualitätsstandards will Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) über die Erhöhung der Bundesgelder für den Nahverkehr – die Regionalisierungsmittel – verhandeln.

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