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Steuersätze: „Fair ist das nicht“

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Von: Christoph Höland

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Eine Luxusyacht vor Monaco: Das Vermögen vieler Reicher hat sich zuletzt fast verdoppelt.
Eine Luxusyacht vor Monaco: Das Vermögen vieler Reicher hat sich zuletzt fast verdoppelt. © Imago

Der Millionär Peter Reese über wachsenden Reichtum, Philanthropie und warum er mehr Steuern zahlen will als bislang.

Zahlen Wohlhabende zu wenig Steuern? Ja, findet ein Zusammenschluss aus Millionärinnen und Millionären, der am Mittwoch einen offenen Brief veröffentlicht hat. Weltweit aktive Gruppen wie „Tax me now“ und „Patriotic Millionaires“ forderten darin mehr Abgaben für Reiche. Auch Peter Reese hat mitgemacht. Im Interview erklärt der einstige Verivox-Gründer und Unternehmer, warum.

Herr Reese, sind Sie zu reich?

Ich selber bin wohl an der Grenze, aber es wäre in Ordnung wenn ich mehr Steuern zahlen müsste. Wenn ich alle Einkommensklassen zusammenziehe, sind die Steuern meiner Mitarbeiter höher als meine eigenen. Denn ich habe ein relativ hohes Einkommen aus Kapitalerträgen, die werden bei uns in Deutschland nur pauschal besteuert. Und wenn man Immobilien und Anlagen nach einer Haltefrist veräußert, sind sie komplett steuerfrei, ebenso wie viele große Erbschaften. Je höher die Vermögensklassen werden, desto rapider nehmen die tatsächlich gezahlten Steuersätze ab. Fair ist das nicht.

Wohlhabende können freiwillig mehr leisten, warum geben Sie sich damit nicht zufrieden?

Sie sprechen von Philanthropie. Das Handeln Einzelner ist gut und wichtig, wir bei „Tax Me Now“ unterstützen das und spenden selber viel. Aber Staat und Gesellschaft können sich nicht davon abhängig machen, dass Wohlhabende nach Lust und Laune vielleicht gerade ein Kinderkrankenhaus spendieren. So kann man keine öffentlichen Güter finanzieren und auch keine soziale Sicherheit herstellen. Es reicht nicht, wenn einige mehr geben, weil der allergrößte Teil der Klasse der Reichen eben nicht freiwillig mitmacht. Sonst wären wir ja jetzt nicht hier.

Was genau wollen Sie ändern?

Was die Besteuerung von Vermögen und Kapitalerträgen anbelangt, wünsche ich mir – platt gesagt – die gute alte Zeit unter Helmut Kohl zurück. Es gab mal einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent, es gab eine progressive Besteuerung von Kapitalerträgen, es gab eine Erbschaftssteuer, die das Papier wert war, auf dem sie stand. Und es gab eine Vermögenssteuer, die nach Kritik an ihrer Ausgestaltung einfach ganz ausgesetzt wurde.

Oft heißt es: Höhere Steuern bremsen den Unternehmergeist aus.

Ich halte das für ein vorgeschobenes Argument. Ich werde ja nicht Unternehmer, weil Steuern ein bis zwei Prozent niedriger sind. Sondern weil ich eine spannende Idee habe, weil ich es gut finde, mich ein Stück weit selbst zu verwirklichen und Spaß daran habe, etwas aufzubauen.

Zeichnet sich unter reichen Menschen ein Umdenken ab?

Ich denke, dass wir in den nächsten zwei Jahrzehnten vor entscheidenden Fragen stehen. Es geht darum, ob wir die ökologische Krise meistern, ob wir die Krise der Ungleichheit in vielen Gesellschaften bewältigen und ob wir die Vertrauenskrise der Demokratie in den Griff bekommen. Die Welt ist reich und wir könnten die Probleme lösen – aber das Geld ist schlecht verteilt. Der Grenznutzen großer Vermögen geht gegen Null, während anderswo jeder Euro mehr einen Unterschied machen würde.

Peter Reese (51) ist ein deutscher Unternehmer und war Mitgründer des Vergleichsportals Verivox.
Peter Reese (51) ist ein deutscher Unternehmer und war Mitgründer des Vergleichsportals Verivox. © privat

Hat auch die Pandemie Ihre Sichtweise verändert?

Ich glaube, auch den Vermögenden ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Um die Krise zu bekämpfen, haben die Zentralbanken massiv Geld ausgegeben. Dadurch haben alle Sachwerte, Aktien, Immobilien und Rohstoffe deutlich an Wert gewonnen. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat sich unser Vermögen dadurch fast verdoppelt, ohne dass wir etwas tun mussten.

Macht es Ihnen keine Sorge, dass der Staat die Einnahmen verschwenden könnte?

Ein intransparenter Fiskus ist ein Problem, wir haben ja nicht ohne Grund eine Vertrauenskrise in unserer repräsentativen Demokratie. Das Thema müssen wir lösen, definitiv. Aber man kann das eine Problem nicht gegen das andere ausspielen und keine Steuern zahlen, weil der Staat nicht so effizient ist, wie man es gerne hätte. Schlussendlich belaufen sich die Steuerprivilegien für uns Millionäre und Milliardäre auf 80 Milliarden Euro pro Jahr. Würde man das ändern, könnte man die Mehrwertsteuer deutlich senken oder die Einkommenssteuer für die unteren 80 Prozent drastisch reduzieren. Selbst wenn der Fiskus keine zusätzlichen Gelder einnehmen sollte, könnte man also viel für mehr Gerechtigkeit tun.

Interview: Christoph Höland

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