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„Share Now“ parkt um

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Brigitte Courtehoux will mit Share now durchstarten.
Brigitte Courtehoux will mit Share now durchstarten. © picture alliance/dpa

Die Opel-Mutter Stellantis kauft den Mobilitätsdienst von BMW und Mercedes.

Das hatte sich angedeutet. Schon lange war klar, dass Mercedes und BMW ihre gemeinsame Tochter Share Now loswerden wollen. Nun haben sie einen Käufer gefunden: die Opel-Mutter Stellantis. Es war wohl kein Zufall, dass seit einiger Zeit immer mehr Autos des französisch-italienischen Konzerns von dem Carsharingbetreiber offeriert werden – etwa der Cinquecento von Fiat.

Insidern zufolge waren lange Verhandlungen nötig, bis sich beide Seiten einig waren. Natürlich ging es um den Preis für die Übernahme, worüber Stillschweigen vereinbart wurde. Für Branchenkenner ist aber klar, dass Stellantis nur eine relativ niedrige Summe gezahlt hat. Von maximal 250 Millionen Euro ist die Rede. Dafür gibt es eine Kundendatei mit 3,4 Millionen Namen aus 14 europäischen Städten und eine Flotte mit rund 10 000 Fahrzeugen. Wobei die eigene Carsharingsparte von Stellantis namens Free 2 Move bereits zwei Millionen Nutzer:innen hat, die 2500 Pkw mieten können. Zu dem Konzern gehören zudem insgesamt 14 Marken – neben Opel und Fiat auch Peugeot, Citroën und Jeep.

Mit der Integration von Share Now werde den Kund:innen ein besserer Zugang zu einer breiteren Palette von Diensten ermöglicht, sagte die Free2Move-Chefin Brigitte Courtehoux. Vor allem die Nutzer:innen in deutschen Städten spielen eine zentrale Rolle. Ziel sei, dass der Sharingdienst im Jahr 2030 auf 15 Millionen aktive Nutzer:innen komme und 2,8 Milliarden Euro jährlich einnehme. Die Managerin legt Wert auf die Feststellung, dass Free2Move das profitable Wachstum beschleunigen wolle. Wie hoch die Erträge aktuell sind, wird nicht verraten.

Das mit den Gewinnen hat bei Share Now zumindest zuletzt nicht geklappt. Allein in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 summierten sich die Verluste auf gut 950 Millionen Euro. Dabei setzte die Pandemie dem Geschäft mit der Kurzzeitmiete heftig zu.

Enttäuschte Hoffnungen

Einst startete das Carsharing bei den beiden Autobauern mit enormen Erwartungen. Die früheren Konzernchefs Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) gaben die Parole aus: „The sky is the limit“ – der Himmel ist die Grenze. Die Stuttgarter waren mit dem Marktstart von Car2Go 2009 die Pioniere im Freefloat-Carsharing – also der Kurzzeitmiete mit Autos, die überall im Stadtgebiet stehen. 2011 zog BMW mit Drive Now nach. 2019 wurden beide Anbieter zu Share Now fusioniert.

Die Hoffnung war, dass vor allem jüngere Großstadtbewohner:innen Autos mieten, die in ihrem Wohnquartier am Straßenrand stehen – und dafür auf den eigenen Wagen verzichten. Die Erwartungen erfüllten sich nicht. Studien haben ergeben, dass die Sharingautos nur gelegentlich gebucht werden, quasi als Ergänzung zum eigenen Pkw. Der relativ geringen Nutzungsfrequenz stand ein hoher Aufwand für Service und Logistik gegenüber. Zu Wartung und Reparaturen sowie dem Betrieb von Callcentern kommt, dass Autos, die an Stadträndern landen, immer wieder zu den Kund:innen in der City gebracht werden müssen.

Mit dem Verkauf ziehen sich Mercedes und BMW weiter aus dem Geschäft mit Mobilitätsdiensten zurück. Es bleiben eine App fürs Laden von E-Autos (Charge Now) und die Plattform Free Now, die Fahrten mit Taxis, Mietwagen, E-Bikes, E-Scootern und auch Sharingfahrzeugen vermittelt. Bei diesen Geschäftsfeldern dürfte es den Autobauern vor allem darum gehen, Mobilitätsdaten zu sammeln, die unter anderem fürs künftige autonome Fahren enorm wichtig sind.

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