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Sein härtestes Match

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Von: Susanne Ebner

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Nicht immer so entspannt: Becker im Ibiza-Urlaub 2021.
Nicht immer so entspannt: Becker im Ibiza-Urlaub 2021. © Imago Images

Ab Montag muss Boris Becker wieder vor Gericht erscheinen. Der Vorwurf: Er soll in seinem Insolvenzverfahren Vermögenswerte falsch angegeben haben. Dem Ex-Tennis-Star drohen sieben Jahre Haft.

Alles geht noch seinen gewohnten Gang im „Southwark Crown Court“, einem Gericht unweit der Themse, das sich mit Betrugsfällen beschäftigt. Normalerweise erregen Prozesse dort kaum Aufmerksamkeit. Am kommenden Montagmorgen jedoch erwarten die Richterinnen und Richter einen großen Andrang von Journalistinnen und Journalisten vor dem Ziegelstein-Gebäude im Zentrum Londons. Denn dann soll der Prozess gegen Boris Becker beginnen.

Dem ehemaligen Tennisstar wird vorgeworfen, während seines Insolvenzverfahrens Vermögenswerte nicht ordnungsgemäß angegeben zu haben, darunter Medaillen und Trophäen. Becker weist die Vorwürfe zurück. Er will sich während der Verhandlung, die drei Wochen dauern soll, selbst zu den Anschuldigungen äußern. Bei einer Verurteilung drohen dem 54-Jährigen bis zu sieben Jahre Haft.

Als sich der gebürtige Leimener kürzlich zu dem Verfahren äußerte, gab er sich zuversichtlich: Er sei froh, dass der Prozess nun endlich losgeht, sagte er. „Habe ich großen Respekt davor? Ja. Bin ich angespannt? Ja. Bin ich manchmal auch nervös? Ja. Aber ich bin nicht panisch.“ Seine Anwaltsteam und er selbst seien bestens vorbereitet. Er werde persönlich versuchen, die Vorwürfe zu widerlegen.

Bei einer vorbereitenden Anhörung zu dem Verfahren am vergangenen Freitag im „Southwark Crown Court“ wurde besprochen, dass Becker während seines Strafprozesses von einem deutschen Übersetzer unterstützt wird. Verteidiger Jonathan Laidlaw argumentierte, dass es besser sei, wenn Becker Deutsch rede und das Gesagte dann ins Englische übersetzt werde. Richterin Deborah Taylor bestätigte, dass „das eine oder andere Wort oder die eine oder andere Nuance“ übersetzt werde.

Dazu muss man wissen, dass Boris Becker bereits seit Jahren in London lebt und arbeitet, unter anderem als Kommentator für den Fernsehsender „BBC“. Die Britinnen und Briten empfingen den Deutschen mit offenen Armen und auch Boris Becker fühlt sich dort wohler als in Deutschland. „Ich lebe nicht in Deutschland, weil ich dort meine Privatheit völlig verloren habe“, sagte Becker einst und fügte hinzu: „Die Deutschen meinen, sie hätten einen Anspruch auf mich, dass ich ihnen gehören würde.“

Im Rahmen der Anhörung am vergangenen Freitag, bei der Boris Becker nicht anwesend war, gab sein Verteidiger einen Ausblick darauf, wie der Prozess verlaufen könnte. Er erklärte, dass Becker seine „Position“ und seinen „Gemütszustand“ vor Richterin Taylor darlegen möchte und das dabei „wohl auch eine ganze Menge persönlicher Dinge“ zur Sprache kommen werden.

Zu den Vorwürfen konnte sich Becker vor dem Gerichtsverfahren nicht konkret äußern. „Ich darf vor Prozessbeginn auf keinen der 24 Punkte eingehen, das müssen Sie akzeptieren“, sagte er gegenüber der „Bild“. Laut Anklage soll der frühere Tennis-Star Teile seines Vermögens an seine Ex-Partnerinnen Barbara Becker und Lilly Becker übergeben und damit dem Zugriff des Insolvenzverwalters entzogen haben. Dabei soll es auch um vermisste Pokale gehen. Becker hatte in allen Punkten auf unschuldig plädiert.

Besonders bitter für Becker ist wohl, dass sein Insolvenzverfahren, welches 2017 in London eingeleitet wurde, vermutlich schon beendet sein könnte. Ein Verwalter beschwerte sich 2018 jedoch darüber, dass Teile von Beckers Vermögen nicht auffindbar seien, darunter Erlöse aus Verkäufen sowie Pokale aus seiner aktiven Zeit als Tennisspieler.

Das Verfahren zog sich daraufhin in die Länge. Weiter verzögert wurde es außerdem durch die Behauptung Beckers, dass er als Diplomat der Zentralafrikanischen Republik, „Sonderattaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union“, Immunität vor Strafverfolgung habe. Eine aus heutiger Sicht bizarre Argumentation, auf die er später verzichtete. Hinzu kamen auch persönliche Herausforderungen für den ehemaligen Spitzensportler in dieser Zeit, insbesondere die Scheidung von seiner zweiten Frau Lilly Becker.

Vier Jahre später gibt sich der dreifache Wimbledon-Sieger angesichts des nahenden Gerichtsverfahrens am kommenden Montag jedoch kämpferisch: „Wenn alles gegen mich läuft, habe ich ein Problem. Aber ich bin ein Mensch, der niemals aufgibt und immer bis zum Ende kämpft.“

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