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Schutz vor Fälschungen

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Von: Johanna Apel

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Ganz sicher gefälscht: Waren, die auf dem Bo van Wyk Fake Market in Hong Kong angeboten werden.
Ganz sicher gefälscht: Waren, die auf dem Bo van Wyk Fake Market in Hong Kong angeboten werden. © imago images / Bo van Wyk

Immer mehr Menschen kaufen kopierte Markenware – und das gar nicht mal unfreiwillig. In der Ferienzeit hat die Branche Hochsaison aber auch der Onlinehandel gewinnt an Bedeutung.

Eine gefälschte Uhr, ein Fake-Trikot oder ein Technikplagiat: Mehr als jeder dritte Befragte, so die EY-Studie, habe schon einmal eine Fälschung erworben. Interessant dabei: Fast die Hälfte war sich darüber bewusst oder hatte zumindest den Verdacht, dass es sich um eine Fälschung handelt. Für die repräsentative Umfrage hat das Unternehmen rund 1000 Menschen befragt. Hauptmotiv für den Kauf gefälschter Ware ist demnach der Preis: 72 Prozent der Befragten gaben das als Grund an.

Wer sich gefälschte Produkte zugelegt hat, tat das zumeist direkt im Ausland: auf einem Markt etwa oder bei „fliegenden Händlern“. Das gaben 68 Prozent derer an, die schon einmal eine Fälschung kauften. Der Onlinehandel gewinnt allerdings zunehmend an Bedeutung: Mittlerweile werden dort 28 Prozent der Fake-Einkäufe getätigt, 2015 waren es noch zwölf Prozent. Laut Studie sind es Männer, die öfter gefälschte Produkte kaufen. 44 Prozent der befragten Männer gaben an, schon einmal ein Produktplagiat erstanden zu haben, bei den Frauen waren es 32 Prozent. Der Kauf von Plagiaten ist am weitesten unter 26- bis 35-Jährigen verbreitet.

Gefälschte Produkte können nicht nur wegen ihrer Gesundheitsgefahren oder des Sicherheitsrisikos zum Problem werden. „Es sind Milliarden, die die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden jedes Jahr durch Produktfälschungen verlieren“, sagt Michael Renz, Leiter des Bereichs Konsumgüter und Handel bei EY Deutschland und Autor der Studie. Der vermeintlich niedrigere Preis komme andere teuer zu stehen. Renz verweist auch darauf, dass der Kauf gefälschter Ware kein Kavaliersdelikt sei. „Wer erwischt wird, dem drohen ernste Konsequenzen. Nicht nur durch den Zoll.“

Allerdings ist es bei einem Kauf im Internet schwierig, ein Fake-Produkt zu erkennen. „Fast unmöglich“, sagt Julia Zeller, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Schließlich sei man beim Onlinehandel auf die Beschreibung und die Fotos des Anbieters angewiesen. Dennoch gebe es ein paar nützliche Kniffe.

„Bewertungen lesen“, rät Zeller. So könne man sehen, ob Produkte oder Anbieter schon einmal auffällig wurden. Bewertungen könnten zwar auch gefälscht werden, dennoch könnten sie ein Indikator sein. Auch ein Blick ins Impressum der Internetseite kann helfen. „Manchmal fehlt es ganz oder ist unvollständig“, sagt Zeller. Außerdem kann verglichen werden, ob die Adressen voneinander abweichen. Ist sie beispielsweise in Deutschland, aber für eine Retoure müsste das Produkt nach China gehen, sollte man stutzig werden. „Es sind oft die kleinen Unstimmigkeiten“, so die Verbraucherschützerin. Aber auch hier können Profis am Werk sein: Teilweise sei das Impressum derart gefälscht, dass potenzielle Kundinnen und Kunden „chancenlos“ seien.

Weniger bekannt sein dürfte, dass sich auch anhand der URL-Adresse ein Fake-Shop erkennen lässt. Hier kommt es nämlich auf das kleine „s“ an, wie Zeller ausführt. Beginnt eine URL-Adresse mit „https“ statt nur mit „http“, ist die Website sicherer. Bei der URL sollte man auch auf Tippfehler achten: Manche Betrüger nutzen die Adresse bekannter Onlineshops, indem sie in der URL-Zeile zwei Buchstaben ändern. Fiktives Beispiel: Statt „hugendubel“ stünde dort dann „hugenbudel“ oder ähnliches.

So verführerisch ein niedriger Preis sein mag: „Es gibt nicht das Schnäppchen schlechthin“, sagt Zeller. Keine Firma habe Interesse daran, etwas zu verschenken. „Der Preis muss realistisch sein“, sagt sie. Wer ein Handy, das eigentlich 900 Euro kostet, für 500 Euro erwerben kann, sollte stutzig werden. Und wer am Ende nicht mit leeren Händen dastehen möchte, sollte auf keinen Fall per Vorkasse zahlen.

Doch was, wenn man einem Fake aufgesessen ist? „Auf alle Fälle das Unternehmen kontaktieren“, sagt die Verbraucherschützerin. Das sei zwar selten von Erfolg gekrönt, dennoch der erste Schritt. Außerdem solle der Betrug gemeldet werden – der Verbraucherzentrale und der Polizei.

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