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Scharfer Ton in Pretoria

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Von: Kristina Dunz

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Nicht nur gute Stimmung: Scholz (l.) und Ramaphosa. Kappeler/dpa
Nicht nur gute Stimmung: Scholz (l.) und Ramaphosa. Kappeler/dpa © dpa

Der Bundeskanzler geht in Sachen Russland auf Distanz zu Südafrikas Präsident Ramaphosa.

Es sind fröhliche Gesänge, die vom Fuße des offiziellen Sitzes der südafrikanischen Regierung in Pretoria herüberklingen. Menschen treffen sich dort in dem Park an der Bronzestatute von Nelson Mandela und singen. Neun Meter ragt das Monument in die Höhe und vermittelt auf einen Blick, wie der Freiheitskämpfer war: großartig. Erinnerung, Hoffnung, Mahnung.

Oben donnern Kanonenschüsse. Präsident Cyril Ramaphosa empfängt Kanzler Olaf Scholz (SPD). Es geht um Russlands Krieg in der Ukraine, die Demokratie im Land und Wirtschaftsbeziehungen. Zu Mandela sagt Scholz auch noch etwas.

Zwischendurch noch eine Schrecksekunde, weil der wirtschaftspolitische Berater von Scholz, Jörg Kukies, bei der Begrüßungszeremonie zusammenklappt. Er wird versorgt und twittert schnell: „Alles gut. Ich bin schon wieder in action beim bilateralen Treffen @cyrilramaphosa und @OlafScholz!“

So sehr beide Regierungschefs anschließend ihre guten Beziehungen betonen, so sehr wird eine gewaltige Unstimmigkeit deutlich: über den Umgang mit Russland. Bei der Abstimmung in der UN-Vollversammlung über die Verurteilung des russischen Angriffskriegs im März stimmten 141 der 193 UN-Mitgliedstaaten dafür, fünf dagegen. Unter den 35 Enthaltungen war auch Südafrika. Ob er seine Sicht der Dinge nach dem Gespräch mit dem Kanzler revidiere, wird Ramaphosa anschließend von Journalist:innen gefragt. Und warum Südafrika nicht alle Sanktionen gegen Moskau unterstütze, wo es doch einst selbst davon profitierte, dass andere Länder gegen das Apartheid-Regime Strafen verhängt haben. Ramaphosa erläutert, Südafrikas Werte seien: Verhandlungen, Dialog und Engagement. Damit habe man auch die Rassentrennung in Südafrika überwunden und den Alptraum beendet. Man setze auf einen Waffenstillstand in der Ukraine. Scholz habe im übrigen Verständnis für alle Positionen geäußert.

Scholz widerspricht. Nicht für alle Positionen, betont er. Es sei wichtig, über die unterschiedlichen Sichtweisen – wie die Enthaltung in der UN-Vollversammlung – zu sprechen. Aber das Nein von fünf Ländern akzeptiere er überhaupt nicht. Und er ergänzt in recht scharfem Ton, dass Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führe und Territorium beanspruche, das nicht zu Russland gehöre. „Das muss jedem klar sein“, sagt er in Richtung Ramaphosa.

Bevor es zurück nach Deutschland geht, besichtigt Scholz noch das berüchtigte ehemalige Gefängnis „Number Four“, heute Nationale Gedenkstätte und Teil des Gebäudekomplexes des obersten Verfassungsgerichts. Während der schlimmsten Zeiten des Apartheid-Regimes wurden hier Tausende schwarze Gefangene gequält. Zu ihnen gehörten auch Mandela und – in dem angrenzenden Frauengefängnis – seine Frau Winnie. Insgesamt 27 Jahre war Mandela als politischer Gefangener in Haft. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident seines Landes (bis 1999). Er starb 2013. Ein wirklich großartiger Mann, sagt Scholz.

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