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Scharfe Kritik an Habeck

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Von: Fabian Wenck, Johanna Apel

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Das Kernkraftwerk Isar 2 in Bayern soll als Notfallreserve dienen.
Das Kernkraftwerk Isar 2 in Bayern soll als Notfallreserve dienen. © dpa

AKW-Betreiber Preussen Elektra zerpflückt den Plan des Wirtschaftsministeriums, Anlagen in die Kaltreserve zu schicken. Dies sei technisch nicht machbar.

In einem Brief an das Bundeswirtschaftsministerium hat der Betreiber des Atomkraftwerks Isar 2 gewarnt, die Anlage ab dem Jahreswechsel in eine Reserve zu überführen. Der Vorschlag, zwei der drei laufenden Anlagen in die Kaltreserve zu schicken, um sie bei Bedarf hochzufahren, sei technisch nicht machbar, heißt es darin von Seiten des Betreibers Preussen Elektra.

Guido Knott, Chef von Preussen Elektra, schreibt in dem Brief, dass ein Überführen der Anlage in eine Kaltreserve, die nur bei Bedarf hochgefahren werde, „technisch nicht machbar und daher ungeeignet“ sei, „um den Versorgungsbeitrag der Anlagen abzusichern“. Das bestätigt auch ein Eon-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir haben am Montagabend kommuniziert, dass Kernkraftwerke aus technischen Gründen nicht für einen Reservekraftwerksbetrieb geeignet sind.“

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warf dem Konzern daraufhin vor, das Konzept der Notfallreserve nicht verstanden zu haben. Denn ein Hoch- und Herunterfahren der Anlagen sei nicht geplant. Vorgesehen sei vielmehr „einmal zu entscheiden, ob man die Kraftwerke braucht oder nicht“. Das könne im Dezember, Januar oder Februar geschehen. „Das ist offensichtlich an den Technikern von Preussen Elektra vorbeigegangen“, sagte er. Zudem verwies Habeck auf einen früheren Brief des Energiekonzerns von August, in dem dieser mitgeteilt habe, dass es auch im Fall eines längeren Streckbetriebs einen kurzfristigen Stillstand brauche. Nach Habecks Darstellung widersprechen sich diese Angaben des Konzerns. Nun solle in Gesprächen geklärt werden, was gelte, sagte Habeck.

Habeck will zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke noch bis Mitte April als Notfallreserve einsatzbereit halten – das Kernkraftwerk Isar 2 in Bayern sowie das vom Energiekonzern EnBW betriebene Kraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg.

Knott verweist auf die Risiken, die Habecks Plan mit sich bringe. Man habe schon am 25. August das Wirtschaftsministerium darüber informiert, dass im Streckbetrieb „ein flexibles Anheben oder Drosseln der Leistung nicht mehr möglich ist“. Der Plan des Ministeriums sieht allerdings ein komplettes Herunterfahren der Anlage vor. Laut dem Chef von Preussen Elektra sei dann das „Wiederanfahren im fortgeschrittenen Streckbetrieb nicht und schon gar nicht kurzfristig innerhalb einer Woche machbar“.

Das Bundeswirtschaftsministerium reagierte am Mittwoch äußerst verärgert. „Mit Verwunderung“ habe man das Schreiben Knotts zur Kenntnis genommen, schreibt Staatssekretär Patrick Graichen in einem Antwort-Brief. Die Kraftwerke würden nicht flexibel an- und abgefahren werden, wie im Schreiben suggeriert werde. Ziel sei es, dass es für einen Abruf der Reserven ausreichend Vorlauf gebe – und ein solcher Abruf dann auch durchgehend in Betrieb bleibe, bis längstens Mitte April.

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