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Sarrazin sieht sich auf Seite der Vernunft

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Von: Steven Geyer

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Der Mann, das Buch, die Vernunft: Thilo Sarrazin.
Der Mann, das Buch, die Vernunft: Thilo Sarrazin. © dpa

Der Autor Uwe Tellkamp wirbt für das neue Buch des umstrittenen Populisten und Ex-SPD-Mannes Thilo Sarrazin. Der schlägt darin Töne an, die nicht allen seinen Fans gefallen wird.

Es dürfte selten vorkommen, dass bei der Vorstellung eines Buchs das Personal aus dem Personenregister gleich mit im Saal sitzt. Als der erfolgreichste deutsche Sachbuchautor der Nachkriegszeit – so sind die Fakten – an diesem Montag in Berlin jedoch sein neues Werk vorstellte, war es so: Thilo Sarrazin thematisierte „Die Vernunft und ihre Feinde“ (so der Titel), und zugegen waren neben der übrigen Presse und einigen Sarrazin-Fans auch der preisgekrönte Romancier Uwe Tellkamp als glühender Laudator, der frühere CDU-Bundestagsrechtsaußen Arnold Vaatz als interessierter Zuhörer und der vom Berliner „Tagesspiegel“ wegen eines umstrittenen Textes über Impfgegner zur „Welt“ gewechselte Harald Martenstein als Journalist.

Sie alle tauchen in Sarrazins neuem Buch auf, weil sie in Debatten geraten waren, die der Autor als ideologisch empfindet.

Nicht alle Beispiele, die Sarrazin dann anführt, dürften die Zustimmung der Registerpersonals gefunden haben. So sieht der 77-Jährige die ideologische Verbohrtheit als die Wurzel von Übeln wie der Anti-Corona-Bewegung, die zuletzt „die Expertise der Virologen und Ärzte beiseite wischte und keine rationale Einsicht mehr zuließ“, so Sarrazin. Auch Wladimir Putin und die AfD sind für ihn gefährliche Ideologen, wobei er ihnen „völkische Ideologien“ vorwirft.

Fähig zur Revision?

Das war insofern überraschend, als Sarrazin doch wegen seines Debüts „Deutschland schafft sich ab“ von 2010, das vor allem Thesen zu muslimischen Einwanderer:innen ausbreitet und als rassistisch kritisiert wurde, nicht nur millionenfach verkaufter Bestsellerwurde – sondern vor zwei Jahren nach viel Hin und Her auch aus der SPD flog, gegen seinen Willen.

Die derzeit fähigsten Politiker Deutschlands sehe er derzeit bei den Grünen, erklärte Sarrazin. Das habe allerdings den Nachteil, dass deren Ideologien – allen voran die vom Atomausstieg – nun umgesetzt würden und Deutschland in die Energiekrise stürzten.

Als ähnlich problematisch habe sich die Ideologie des Pazifismus herausgestellt, die Kriegsbeginn vor einem halben Jahr neben den Grünen auch SPD und Union erfasst hatte. Dass die Ampel dann auch noch dachte, sie könne sich mit der Lieferung von 5000 Helmen an die Ukraine aus dem Krieg heraushalten, sei der Gipfel der pazifistischen Verwirrung gewesen.

Auch diese Ausführungen dürfte bei zahlreichen Sarrazin-Fans nicht auf Begeisterung stoßen. Doch der Autor wähnt sich auf der Seite der Vernunft: Sicher sei auch er von Denkschulen und Ideologien geprägt, wie er im Buch ausführlich beschreibe. Er aber sei in der Lage, sie kritisch zu überprüfen und gebenenfalls zu revidieren.

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