1. Startseite
  2. Hintergrund

Reedereien schlagen Alarm

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christoph Höland

Kommentare

Einreisebeschränkungen für Seeleute könnten die Lieferketten beeinträchtigen.

Den globalen Lieferketten droht Ungemach. Die Corona-Krise in Indien beschäftigt Reedereien weltweit, weil Staaten und Häfen für indische Seeleute und aus Indien kommende Schiffe dicht machen. „Wenn es nicht gelingt, die Situation in Indien nachhaltig zu verbessern, drohen mit Blick auf die Schifffahrt Auswirkungen, die weit über den Subkontinent hinaus reichen – etwa, indem die globalen Lieferketten ähnlich wie beim Zwischenfall im Suezkanal vor Kurzem beeinträchtigt werden“, warnte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR).

Zuvor hatten am Donnerstag zahlreiche Reedereien in der „Financial Times“ Alarm geschlagen: In Indien steigen die Fallzahlen seit einiger Zeit rasant – und rund 240 000 der 1,6 Millionen Seeleute weltweit stammen vom Subkontinent. Nun haben sie vermehrt Probleme bei internationalen Reisen zu den Starthäfen ihrer Einsätze. „Die geltenden Reisebeschränkungen für indische Staatsbürger erschweren es uns als Shipmanager aktuell massiv, Schiffe zu bemannen und notwendige Crewwechsel durchzuführen“, berichtete Ian Beveridge, CEO von Bernhard Schulte Shipmanagement aus Hamburg.

In der „Financial Times“ hatten sich auch Branchengrößen wie Maersk aus Dänemark und der internationale Verband InterManager zu Wort gemeldet. Die Blockade des Suez-Kanal im März sei „nichts im Vergleich zu dem, was die Störung der Lieferketten durch die ausbleibenden Crewwechsel mit sich bringt“, sagte dessen Präsident Mark O’Neil der „Financial Times“.

Seeleute und Reedereien ringen seit Ausbruch der Pandemie mit Reisebeschränkungen: Die Crews dürfen und sollen nicht zu lange an Bord bleiben, doch die Einreise in Staaten mit Häfen gestaltete sich zuletzt genauso kompliziert wie die Rückkehr zu den Familien im Herkunftsland. „Wir warnen davor, dass sich die Crew-Wechsel-Problematik für die Seeleute weltweit erneut erheblich verschärfen könnte“, sagte Nagel.

Er betonte, dass es auch der „unermüdlichen Arbeit der Männer und Frauen an Bord“ zu verdanken sei, dass es bisher nicht zu größeren Lieferengpässen in Deutschland kam. „Als Beschäftigte in einer systemrelevanten Infrastruktur sollten sie deshalb einen bevorzugten Zugang zu einem Covid-19-Impfstoff erhalten,“ so Nagel. Die Herkunftsländer vieler Seeleute, etwa Indien oder die Philippinen, schwimmen allerdings nicht gerade in Impfstoff.

Der VDR fordert deshalb eine weltweite Priorisierung der Seeleute. Denn eigentlich wollte die Internationale Seefahrtsorganisation (IMO) der UN eine Lösung auf den Weg bringen, kommt aber kaum voran – was unter Reedern und Seeleuten für zunehmenden Frust sorgt.

Auch interessant

Kommentare