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Putins Rubelstrategie löst Unsicherheit aus

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Von: Stefan Winter, Frank-Thomas Wenzel

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Russland will die Aufwertung des Rubel erreichen.
Russland will die Aufwertung des Rubel erreichen. © Bai Xueqi/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin will nur noch Rubel für die Gaslieferungen erhalten – was er mit seiner Ankündigung bezweckt und wie der Westen darauf reagiert.

Der Dachverband der Energiewirtschaft (BDEW) fordert von der Bundesregierung, Notfallpläne für die Gasversorgung zu entwickeln. „Es liegen konkrete und ernstzunehmende Hinweise vor, dass wir in eine Verschlechterung der Gasversorgung kommen“, sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae am Donnerstag.

Mit der Ankündigung von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin, Lieferungen des flüchtigen Brennstoffs künftig nur noch in Rubel bezahlen zu können, seien Auswirkungen auf die Versorgung mit Gas nicht mehr auszuschließen. Putin hatte die neuen Zahlungsmodalitäten am Mittwoch angekündigt.

Sie sollen für „unfreundliche Staaten“ wie Deutschland und die übrigen EU-Mitglieder gelten. Zugleich erhöhten sich die Preise für Erdgas an den europäischen Rohstoffmärkten massiv. Eine Megawattstunde kostete am Donnerstagnachmittag rund 120 Euro. Am Dienstag waren es noch 98 Euro gewesen.

Die Abkehr von Fremdwährungen soll offenbar den Rubel stärken, dessen Kurs nach Russlands Einmarsch in die Ukraine abgestürzt war. Tatsächlich legte die russische Landeswährung unmittelbar nach Putins Anweisung im Verhältnis zu Dollar und Euro kräftig zu.

Schätzungen der Brüsseler Denkfabrik Bruegel zufolge geben die EU-Staaten derzeit täglich rund 420 Millionen Dollar (380 Millionen Euro) für russisches Gas aus und knapp 400 Millionen Dollar (362 Millionen Euro) für Öl aus Russland. Dreistellige Millionenbeträge in Euro oder Dollar müssten also allein für Gasimporte in Rubel getauscht werden, um Lieferungen zu bezahlen.

Große Unternehmen wollen sich dazu nicht äußern. Anders reagiert der österreichische Energiekonzern OMV. Er will seine Zahlungen für russisches Gas vorerst nicht von Euro auf Rubel umstellen. Fachleute bezweifeln indes, ob die Umstellung der Gasrechnungen überhaupt zu bewerkstelligen ist. Kerstin Hottner, Rohstoffexpertin bei der Schweizer Bank Vontobel, verwies darauf, dass etwa 60 Prozent der russischen Gaslieferungen in Euro und 40 Prozent in Dollar bezahlt würden. Die Frage sei, inwiefern es überhaupt möglich wäre, für die teils langfristigen Lieferverträge kurzfristig die Währung zu ändern. Und ob Gasimporteure ihre Währungen tauschen könnten, denn viele russische Banken und die Zentralbank sind sanktioniert.

Ob die Liquidität am Rubelmarkt reiche, um alle Gasrechnungen in der russischen Währung zu begleichen, sei schwer zu sagen, betonte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Jedoch könne die russische Notenbank theoretisch unbegrenzt Rubel drucken und an Gas-Käuferländer gegen Devisen geben, allerdings sei der Umtauschkurs fraglich.

Andreae verlangt, dass die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde nun festlege, „welche Industrien und Sektoren weiterhin mit Gas auch im Rahmen einer Gasmangellage versorgt werden“. Sie betont, dass Haushaltskunden geschützt seien.

Suche nach Alternativen

„Die neueste Forderung von Russlands Präsident Putin, Gaslieferungen in Rubel zu bezahlen, macht noch einmal deutlich, dass sich die Bundesrepublik schnellstens von der russischen Gasversorgung lösen muss, um den blutigen Krieg Putins zu beenden“, sagte der stellvertretende FDP-Chef Kubicki dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Das heiße nicht nur, dass Deutschland den Aufbau der LNG-Infrastruktur rasant vorantreiben müsse. „Im Sinne einer energetischen Diversifizierungsstrategie bedeutet das selbstverständlich auch, dass die Braunkohle als Energieträger wieder stärker in den Fokus genommen werden muss“, sagte er und forderte auch, die noch aktiven Kernkraftwerke länger am Netz zu lassen sowie die drei stillgelegten zu reaktivieren.

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