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Omikron-Welle in Deutschland: Bald im Blindflug

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Von: Alisha Mendgen

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Die Testkapazitäten könnten bald nicht mehr ausreichen.
Die Testkapazitäten könnten bald nicht mehr ausreichen. © Sebastian Kahnert/dpa

Die Omikron-Welle macht sich noch nicht auf den Intensivstationen bemerkbar. Doch die Lage in den Testlaboren ist angespannt.

Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen nimmt die Belastung auf den Normalstationen massiv zu. Die Belastung auf der Normalstation bleibe hoch oder steigere sich sogar deutlich, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Das machen die ersten Zahlen aus den besonders von Omikron betroffenen Bundesländern deutlich.“

Die Deutsche Interdisziplinär Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) spürt die Omikron-Welle bisher noch nicht auf den Intensivstationen. „Wir sehen die neuen Intensivpatienten, die wir sonst nach etwa zehn bis 14 Tagen auf unseren Stationen behandeln mussten, noch nicht“, erklärte Divi-Präsident Gernot Marx. Insgesamt liegen den Angaben zufolge mindestens 100 Patient:innen mit einer Omikron-Infektion auf den Stationen. Allerdings werden nicht alle Personen auf die Virusvariante getestet. Allgemein sinke die Auslastung täglich etwa um 70 bis 80 Personen, sagte Marx.

Divi-Präsident Marx und DKG-Chef Gaß drängten erneut auf eine schnelle Entscheidung bezüglich der allgemeinen Impfpflicht. „Wir brauchen Klarheit beim Thema Impfpflicht und das sowohl bezogen auf die allgemeine als auch auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht“, forderte Gaß. Für Marx ist die Impfpflicht für Erwachsene „alternativlos, um die Pandemie langfristig hinter sich zu lassen“.

Derweil ist die Lage in den Laboren angespannt. Laut aktuellem Wochenbericht der Akkreditierten Labore in der Medizin liegt die Auslastung momentan bei 86 Prozent. In drei Bundesländern liegt sie jedoch bereits deutlich über 100 Prozent, was unter anderem eine längere Wartezeit für die PCR-Ergebnisse nach sich zieht. Die hohe Auslastung der Labore könnte schon zeitnah dafür sorgen, dass die Dunkelziffer der Infektionen weiter steigt. Das rechnete der Mathematiker und Physiker von der RWTH Aachen, Andreas Schuppert, dem RND vor. „Wir sind heute bei einer Inzidenz von 640. Bei gleichbleibenden Größenordnungen und der Restkapazität von 15 Prozent können wir die Inzidenz nur bis 700 halbwegs zuverlässig melden“, sagte Schuppert. Nach seinen Berechnungen könnte Deutschland bei der Beurteilung der Infektionsdynamik somit bereits nächste Woche im Blindflug sein. „Es sei denn, es wird weniger getestet, oder die Politik schafft es, weitere Testkapazitäten zu schaffen.“ Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant deswegen Beschäftigte in sensiblen Gesundheitseinrichtungen bei der Laborauswertung bei PCR-Testungen vorzuziehen. „Wir werden tatsächlich so hohe Fallzahlen bekommen, dass wir die PCR verteilen müssen, priorisieren müssen, dazu werde ich am Wochenende einen Vorschlag vorlegen, wie das passieren soll“, kündigte Lauterbach an. Die Beschlussvorlage soll am Montag bei erneuten Beratungen von Bund und Länder beschlossen werden.

Trotz der rasanten Omikron-Verbreitung sind die Krankenstände in der wichtigen Infrastruktur auf normalem Niveau. Vereinzelt kommt es zu leicht erhöhten Zahlen, wie eine Umfrage des RND bei den Entsorgern, Logistikanbietern und Polizeistellen ergab. Weder beim Bund noch in den Ländern fallen wegen Corona jeweils mehr als drei Prozent der Polizist:innen aus. Ähnlich ist es bei der Deutschen Bahn. So sind die Krankenstände meist stabil – mit seltenen regionalen Erhöhungen. Das geht aus einen Brief an den Aufsichtsrat hervor, der dem RND vorliegt. In der Sparte Regio Schiene liegt die Krankmeldequote bei den Lokführer:innen demnach bei 6,9 Prozent. Auch in der Logistikbranche sind derzeit keine hohen Krankenstände zu verzeichnen. Laut DSLV Bundesverband Spedition und Logistik sind die Unternehmen inzwischen routiniert, so dass keine versorgungsrelevanten Ausfälle zu befürchten sind.

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