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Omikron unter Kontrolle?

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Von: Tim Szent-Ivanyi

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RKI-Chef Wieler (links) und Gesundheitsminister Lauterbach rechnen mit dem Höhepunkt der Omikron-Welle für Mitte Februar.
RKI-Chef Wieler (links) und Gesundheitsminister Lauterbach rechnen mit dem Höhepunkt der Omikron-Welle für Mitte Februar. © dpa

Trotz vieler Infektionen sieht Lauterbach Deutschland auf einem guten Weg.

Die Infektionszahlen steigen auf Rekordhöhen, die Gesundheitsämter haben weitgehend die Kontaktverfolgung aufgegeben, PCR-Tests müssen priorisiert werden – es drängt sich der Eindruck auf, dass der Bundesregierung die Pandemie entglitten ist. Doch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht das anders. „Wir haben die Omikron-Welle in Deutschland gut in der Kontrolle“, sagte der Minister am Freitag bei der wöchentlichen Pressekonferenz zur Corona-Lage. So sei es bisher gut gelungen, ältere Menschen zu schützen. In der Gruppe der über 60-Jährigen liege die Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen bei 200 bis 300, also deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von gegenwärtig 1073, argumentierte Lauterbach.

Er und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, betonten erneut, der Höhepunkt der Omikron-Welle mit täglich bis zu 400 000 Neuinfektionen – das wären mehr als doppelt so viele wie aktuell – werde für Mitte Februar erwartet.

Genesenenstatus entzweit

Der Leiter des DIVI-Registers, der Kölner Intensivmediziner, Christian Karagiannidis, erklärte, die Lage auf den Intensivstationen habe sich im Vergleich zum Höhepunkt der Delta-Welle zwar entspannt. Doch sei seit einer Woche ein Anstieg der Neuaufnahmen zu beobachten. Auf den Normalstationen gebe es wegen der Masse der Infektionen den stärksten Anstieg der Neuaufnahmen seit Pandemiebeginn.

Lockerungen lehnt Lauterbach daher ab. Er bleibe bei einem „konservativen Kurs“. Wenn etwa ein Gericht eine Regel kassiere oder ein Land sich mit Öffnungen profiliere, müsse er zwar damit leben. Der Minister betonte aber: „Ich begrüße die Lockerungen nicht“ – auch wenn Nachbarländer wie Dänemark anders vorgingen: „Aber das sind nicht wir.“

Er verwies jedoch zugleich auf die Vereinbarung in der jüngsten Bund-Länder-Konferenz, Öffnungen in Aussicht zu stellen, wenn die Welle gebrochen sei. Es könne also eine „Lockerungsperspektive“ für Ende Februar oder Anfang März geben. Zur Situation an Schulen sagte Lauterbach: „Je besser wir die Welle in der Gänze begrenzen, desto schneller und besser kommen wir auch für die Kinder durch.“ Es werde an vielen Stellen in Schulen noch getestet, versicherte der Minister. Hierfür seien Antigen-Schnelltests gut geeignet, weil man die Ergebnisse im Gegensatz zu PCR-Tests sofort habe.

Lauterbach verteidigte am Freitag die umstrittene, kurzfristig angekündigte Verkürzung des Genesenen-Status nach einer Infektion. Wer sich mit der Delta-Variante angesteckt habe, könne sich schon nach drei Monaten mit Omikron infizieren, argumentierte der Minister. In der Sache habe es hier auch keinen Dissens zwischen seinem Ministerium und dem RKI gegeben, wohl aber ein „Kommunikationsproblem“. Er sei in die neue Festlegung des RKI zum Genesenen-Status nicht einbezogen gewesen, erklärte Lauterbach. „Wir haben die Kommunikationswege jetzt einvernehmlich verbessert“, betonte er.

Die Union warf Lauterbach vor, die Probleme kleinzureden. Der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge sagte, wenn der Minister den Genesenenstatus als bloße „Unterfrage“ bezeichne, sei das eine „bemerkenswerte Untertreibung für Millionen Menschen, die von der Verkürzung in ihrem täglichen Leben betroffen seien“.

In anderen EU-Staaten gelten Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, sechs Monate als genesen. In Deutschland war der Genesenen-Status Mitte Januar auf Basis neuer RKI-Vorgaben auf eine Zeitspanne von 28 bis 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test verkürzt worden. Zuvor hatten sechs Monate gegolten.

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