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„Nicht zu erreichen“

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Von: Johanna Apel

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Fachkräfte fehlen, Baustoffe sind teuer. Die Baubranche leidet.
Fachkräfte fehlen, Baustoffe sind teuer. Die Baubranche leidet. © dpa

Regierung stellt Pläne am Mittwoch die Ergebnisse des Bündnis für bezahlbarem Wohnraum vor

Das Ziel ist ehrgeizig: 400 000 Wohnungen will die Bundesregierung jährlich schaffen, ein Viertel davon sollen Sozialwohnungen sein. Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesbauministerin Klara Geywitz (beide SPD) an diesem Mittwoch vor die Presse treten, um die Ergebnisse des „Bündnis-Tags zum bezahlbaren Wohnraum“ zu verkünden, werden sie sich daran messen lassen müssen.

Das von der Bundesregierung initiierte „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ tagte erstmals im April und besteht unter anderem aus Vertretern aus Politik, Wirtschaft sowie Mieter- und Sozialverbänden. Unter einem gemeinsamen Schirm sollen Pläne vorgelegt werden, wie der Wohnungsbau angekurbelt und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden können. Am Mittwoch wollen Scholz und Geywitz erste Ergebnisse verkünden.

Die Zeit drängt: Mittlerweile rückt das Ziel, 400 000 Wohnungen jährlich zu schaffen, in immer weitere Ferne. Als Olaf Scholz 2021 mit diesem Versprechen in den Wahlkampf zog, war die Situation noch eine andere. Der Krieg in der Ukraine, unterbrochene Lieferketten, galoppierende Energiepreise und eine hohe Inflationsrate setzen der Baubranche zu. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und fehlende Baustoffe. Inzwischen gibt es immer mehr Stornierungen. Nach einer Analyse des Münchner IFO-Instituts waren im September 16,7 Prozent der befragten Unternehmen aus der Baubranche davon betroffen, nach 11,6 Prozent im August.

Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, glaubt nicht daran, dass jährlich 400 000 Wohnungen geschaffen werden können. Es sei gut, dass die Bundesregierung alle an einen Tisch bringe, sagt er. Allerdings hätten sich die Bedingungen seit Formulierung der Pläne so stark verändert, dass vor allem die Ziele für bezahlbaren Wohnraum „auf absehbare Zeit nicht zu erreichen“ seien.

Siebenkotten liegen besonders die 100 000 Sozialwohnungen am Herzen, die für Menschen mit geringem Einkommen gedacht sind. Um die zu schaffen, müssten allerdings noch mehr Mittel in die Hand genommen werden, so der Mieterbund-Präsident. Zudem müsse das Bündnis stärker das Mietrecht in den Fokus nehmen: „Wir müssen es schaffen, bezahlbaren Wohnraum auch bezahlbar zu halten.“ Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands, sieht im bezahlbaren Wohnraum „eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit“, wie er dem RND sagte. „Wir brauchen eine zügige Umsetzung der Neuen Wohngemeinnützigkeit und endlich eine gesetzliche Regelung, die Mietenexplosionen wirkungsvoller begrenzt“, so Rosenbrock.

Auch in der Politik kommen immer mehr Zweifel an den Zielen der Bundesregierung auf. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Ampel-Regierung ihr Versprechen einlösen kann, jährlich 100 000 neue Sozialwohnungen und damit in der gesamten Wahlperiode 400 000 neue Sozialwohnungen zu bauen“, sagte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Weder im vergangenen noch in diesem Jahr seien so viele Wohnungen entstanden. „Die Regierung wird weiter hinter ihren Zielen zurückbleiben.“

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