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Das Gedenken an den Völkermord ist in Namibia lebendig: Hier stehen Schülerinnen vor einem Denkmal in Windhoek.
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Das Gedenken an den Völkermord ist in Namibia lebendig: Hier stehen Schülerinnen vor einem Denkmal in Windhoek.

Völkermord in Namibia

Namibia hätte lieber Reparationen

  • VonFelix Huesmann
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Deutschlands Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama in Namibia und die zugesagte Milliardenhilfe stoßen auf ein geteiltes Echo - viele hätten lieber Reparationen

Die Gräueltaten der deutschen Kolonialmacht gegen die Herero und Nama liegen mehr als 100 Jahre zurück. Nach fast sechsjähriger Verhandlung haben sich Delegationen der Bundesregierung und Namibias nun auf ein Abkommen geeinigt. Deutschland erkennt die Kolonialverbrechen erstmals offiziell als Völkermord an und bittet um Vergebung. Außerdem sollen über einen Zeitraum von 30 Jahren insgesamt 1,1 Milliarden Euro an Namibia gezahlt werden, mit denen vor allem Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama finanziert werden sollen.

„Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag in Berlin.

Das Deutsche Kaiserreich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia. Die brutale Niederschlagung von Aufständen der Herero und Nama gipfelte von 1904 bis 1908 in einem Massenmord, der als erster Genozid des 20. Jahrhunderts gilt. Historiker:innen zufolge wurden etwa 65 000 von 80 000 Herero und mindestens die Hälfte der 20 000 Nama getötet.

Trotz der Anerkennung des Völkermords sieht die Bundesregierung keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung für die Nachfahren der Genozidopfer. Die nun vereinbarte Milliardenzahlung versteht sie lediglich als politisch-moralische Verpflichtung. Maas sprach von einer „Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde“.

„Die Anerkennung vonseiten Deutschlands, dass ein Völkermord begangen wurde, ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, sagte ein Sprecher von Namibias Präsident Hage Geingob in Windhoek. „Er ist die Grundlage für den zweiten Schritt – eine Entschuldigung –, der Reparationen folgen müssen.“

Der in Berlin lebende Herero-Aktivist Israel Kaunatjike kritisierte die Einigung am Freitag. „Deutschland hat vor allem mit der namibischen Regierung verhandelt, aber nicht mit den authentischen Vertretern der Herero und Nama“, sagte Kaunatjike dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Dabei ist die namibische Regierung nicht legitimiert, für die Herero und Nama zu sprechen.“

An den Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia nahmen zwar auch Vertreterinnen und Vertreter der Volksgruppen teil, jedoch waren nicht alle der Herero- und Nama-Organisationen eingebunden. Zwei dieser Organisationen bezeichneten das erwartete Abkommen bereits Mitte Mai als „Verrat durch die namibische Regierung“.

Kaunatjike forderte wie auch Vertreter:innen der Herero und Nama in Namibia Reparationszahlungen Deutschlands. Er befürchte außerdem, dass die versprochenen Gelder aus Deutschland nicht bei den Herero und Nama ankämen, sondern von der namibischen Regierung missbraucht würden, erklärte er.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Amira Mohamed Ali, äußerte ebenfalls deutliche Kritik an der Bundesregierung. „Es ist beschämend, dass es mehr als 100 Jahre gedauert hat, bis Deutschland den vom deutschen Kolonialreich an den Herero und Nama verübten Massenmord als Völkermord einstuft, und sich erst jetzt offiziell bei den Nachkommen der Ermordeten entschuldigt“, sagte sie. „Doch auch bei ihrem überfälligen Schuldanerkenntnis hat die Bundesregierung peinlich genau darauf geachtet, die Frage nach Entschädigung für die fast vollständige Auslöschung der Volksgruppen auszuklammern.“

Auch der Verein Berlin Postkolonial kritisierte „die fortdauernde Verweigerung von Reparationsleistungen“ durch Deutschland. Mit der Aussage, dass das Verbrechen „aus heutiger Sicht als Völkermord anzuerkennen“ ist, falle die Bundesregierung „noch hinter die Position“ der damaligen Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im Jahr 2004 zurück. mit afp

Leitartikel Seite 13

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