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Mit Panther auf dem Sprung

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Die Unternehmenszentrale von Rheinmetall in Düsseldorf:  Wenn die Rüstungsindustrie mehr Nato-Aufträge bekommt, kann sie auch mit noch strikteren Exportkontrollen leben.
Die Unternehmenszentrale von Rheinmetall in Düsseldorf. © Marius Becker/dpa

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall präsentiert im Alleingang einen neuen Kampfpanzer. In der Bundesregierung dürfte das einiges Stirnrunzeln ausgelöst haben.

Die Raubtier-Familie bei der Bundeswehr soll ein neues Mitglied bekommen. Zumindest wenn es nach den Vorstellungen von Armin Papperger, Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, ginge. Er stellte am Montag überraschend einen neuen Kampfpanzer vor, der den Namen Panther tragen und Nachfolger des Leopard 2 werden soll. In der Bundesregierung dürfte das einiges Stirnrunzeln ausgelöst haben.

Der Panther wurde am Montag auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentiert. Rheinmetall hatte den Kampfpanzer zuvor bereits unter der Bezeichnung „Future Tanknology“ angekündigt. Das Kettenfahrzeug 51 (KF 51) biete „duellfähige Dominanz“ und setze in allen Bereichen – Wirkung, Schutz, Mobilität, Vernetzung und Aufklärungsfähigkeit – neue Maßstäbe. Mit der Hauptbewaffnung, einer 130-Millimeter-Kanone, biete das neue Kettenfahrzeug „überlegene Feuerkraft“. Zugleich soll es leichter sein als der Leopard 2, der zudem über ein Geschütz mit einem Kaliber von nur 120 Millimetern verfügt.

Das heißt, die Geschosse des KF 51 verfügen über eine größere Reichweite und eine deutlich höhere Wirkung als die des Leoparden, dessen zweite Version mittlerweile auch schon 40 Jahre alt ist. Gleichwohl gilt er noch immer als einer der technisch avancierten Kampfpanzer. Der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) macht auf die kommerziellen Erfolge des Panzers aufmerksam: Mehr als 3500 Exemplare sind derzeit im Einsatz, sie wurden in 16 Länder exportiert. Doch die Ausmusterung ist für die Zeit nach dem Jahr 2030 vorgesehen.

Der designierte Nachfolger soll in einem deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt entwickelt werden. Partner sind einerseits die Holding KNDS, die wiederum KMW und dem französischen Rüstungskonzern Nexter gehört. Hinzu kommt ausgerechnet: Rheinmetall.

Das Vorhaben soll auch eine Art Vorbildfunktion für künftige gemeinsame Rüstungsprojekte haben. Es wurde von Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen forciert, die heute EU-Kommissionspräsidentin ist. Zur Königsdisziplin bei Fragen der strategischen Souveränität der EU gehöre, Synergien in der Rüstungsindustrie zu erzeugen, sagte auch Franziska Brantner (Grüne), parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, dem RND. Sie fügte hinzu: „Wir müssen Klein-Klein vermeiden. Wir gehen unter, wenn wir uns in nationale Egoismen verlieren.“

Doch der deutsch-französischen Panzer kommt seit geraumer Zeit nicht von der Stelle. Selbst technische Eckdaten oder sein Name sind nicht bekannt. Zudem soll sich Rheinmetall ob der Dominanz von KNDS im Konsortium an den Rand gedrängt fühlen. Insider vermuten, dass dies der Grund für den Alleingang mit dem Panther ist, was aber bei der Regierung nicht gut ankommen wird. Zumal es schon öfter Reibereien mit Rheinmetall gegeben haben soll.

Die Aktie von Rheinmetall schoss am Montagmorgen um zeitweise fast sieben Prozent in die Höhe. Neben dem Panther spielt dabei auch eine Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs eine Rolle . Sie spricht von einem neuen „Superzyklus der Verteidigungsinvestitionen in Europa“. Der Düsseldorfer Konzern sei einer der größten Profiteure dieser Entwicklung.

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