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Mal eben nach Schottland

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Von: Susanne Ebner

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Zeigt sich seltener: die Queen, hier bei einer Parade im Juni. dpa
Zeigt sich seltener: die Queen, hier bei einer Parade im Juni. © dpa

Wer am Dienstag Boris Johnsons Nachfolge antritt, braucht vorab grünes Licht von der Queen. Die kann aber nicht nach London reisen, was – mal wieder – Spekulationen um ihre Gesundheit auslöst

In Großbritannien, jener Insel, auf der alles etwas anders ist, legt man bekanntlich Wert auf Traditionen. Eine davon ist, dass die Queen den neu gewählten Parteichef – oder die Parteichefin – im Buckingham-Palast empfängt. Dort ersucht er oder sie dann die Erlaubnis, eine neue Regierung bilden zu dürfen. Im Fall von Noch-Premierminister Boris Johnson war dies 2019 schnell erledigt, liegt doch das königliche Anwesen nur 15 Gehminuten vom Sitz des Premiers entfernt. Der damals frisch gebackene Sieger kam vorbei, erwies ihr die Ehre und machte sich schnell zurück auf den Weg in die Downing Street Nummer 10, um seine Antrittsrede zu halten.

Seine Nachfolgerin, Umfragen zufolge wohl die derzeitige Außenministerin Liz Truss, hat es nicht so leicht. Denn die Queen befindet sich auf Schloss Balmoral, einem Anwesen in Schottland, wo sie üblicherweise die Sommermonate verbringt. Da sie aufgrund ihres Alters und gesundheitlicher Beschwerden nicht nach London reisen kann, muss der oder die zukünftige Premierminister:in am Dienstag knapp 800 Kilometer reisen, die Queen treffen, um dann direkt wieder in die Hauptstadt zu fliegen. Ein höchst ungewöhnlicher Schritt.

Viele Besuche von Charles

Der Palast begründete die Entscheidung wie so häufig in den vergangenen Monaten mit den „episodischen Mobilitätsproblemen“ der 96-Jährigen. Man wolle Sicherheit schaffen und vermeiden, dass in letzter Minute Pläne geändert werden müssen, falls die Queen Schwierigkeiten mit einer längeren Reise haben sollte, hieß es.

Insgesamt mehren sich nun erneut die Spekulationen zum Gesundheitszustand der Monarchin. Dabei betonen Beobachter:innen, dass ihr Sohn Prinz Charles ihr ungewöhnlich häufig morgendliche Besuche auf Balmoral abstatte. Königliche Fachleute deuten dies als Ausdruck seiner Sorge um das Wohlergehen seiner „Mummy“, wie er sie im Juni im Rahmen eines BBC-Konzerts vor dem Buckingham-Palast anlässlich ihres 70. Thronjubiläums nannte. Wie es ihr wirklich geht, wissen aber wohl nur sie selbst und ihre Familie. Konkrete Informationen gibt es nicht.

Tatsächlich war der Auftritt der Queen auf dem Balkon des Palastes beim „Jubilee“ einer der letzten Anlässe, bei denen sie sich öffentlich zeigte. Die 96-Jährige, sonst stets pflichtbewusst, musste auf medizinischen Rat seit vergangenem Herbst viele Termine absagen. Im Mai konnte sie das erste Mal seit 59 Jahren nicht am „State Opening of Parliament“ teilnehmen. Sie wurde von Charles vertreten, der in ihrem Namen das Programm der Regierung im Parlament verlas. Die Monarchin überträgt immer mehr Aufgaben ihrem Sohn.

Dass Charles nun den oder die zukünftige Premierminister:in empfangen könnte, davon ist bislang keine Rede. Tatsächlich wird die Queen auch Boris Johnson nochmals auf Balmoral treffen, um seinen Rücktritt zu akzeptieren. Dieser wird wohl am Dienstagmorgen nach Schottland fliegen, nachdem er vor der Downing Street Nummer 10 eine letzte Ansprache gehalten hat. Gegenüber der Presse sagte er, dass er der Queen das Leben gerne so einfach wie möglich machen wolle: „Ich kann versichern, dass wir die Übergabe ihren Bedürfnissen und Wünschen anpassen werden.“

ebne

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