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London will Flüchtlingen aus der Ukraine helfen

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Von: Susanne Ebner

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Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, beantwortet eine Frage der ukrainischen Journalistin Daria Kaleniuk bei einer Pressekonferenz in der britischen Botschaft in Warschau nach seinem Treffen mit dem polnischen Premierminister Morawiecki.
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, beantwortet eine Frage der ukrainischen Journalistin Daria Kaleniuk bei einer Pressekonferenz in der britischen Botschaft in Warschau nach seinem Treffen mit dem polnischen Premierminister Morawiecki. © Leon Neal/dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson will angesichts des Kriegs in der Ukraine „so großzügig wie möglich“ sein: Ukrainische Staatsangehörige in Großbritannien dürfen Verwandte holen.

Damit hatte am vergangenen Sonntag niemand gerechnet: Premierminister Boris Johnson besuchte eine ukrainisch-katholische Kirche im Zentrum Londons während des Gottesdienstes. Viele Gläubige zückten ihre Smartphones, um den unerwarteten Besuch zu dokumentieren.

Was der 57-Jährige hinter dem Altar stehend sagte, stimmte viele hoffnungsvoll. „Wenn Unschuldige Opfer einer Attacke werden“, sagte er, „können wir in Großbritannien nicht die Augen davor verschließen“. Denn die Ukraine sei ein Nachbar. Deshalb wolle man „so großzügig wie möglich“ sein. Menschen, die Verwandte in der Ukraine haben, sollen diese so schnell wie möglich nachholen können, versprach Johnson.

„Es war ein sehr spiritueller Moment“ und „er hat eine tolle Rede gehalten“, sagte der Bischof der Kirche, Kenneth Nowakowski einen Tag später bei einer Pressekonferenz. Der Premier habe dargelegt, was er plant und uns ermutigt, in Kontakt zu bleiben.

Nach aktuellen Ankündigungen aus der britischen Regierung sollen Ukrainer:innen, die die britische Staatsangehörigkeit oder ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht haben, ihre Ehepartner, Kinder auch über 18 Jahren sowie Großeltern nachholen können.

Die Menschen müssen vor der Einreise Sicherheitskontrollen bestehen. Kriegsflüchtlingen ohne Asylverfahren Schutz garantieren, wie es die Europäische Union angekündigt hat, wolle man in Großbritannien aber nicht. Innenministerin Priti Patel begründete dies damit, dass sie „strengste Sicherheitshinweise“ befolge.

Es sind diese strengen Regeln, die viele verzweifeln lassen, darunter auch Alan Mills. Der 50-jährige britische Staatsbürger versucht aktuell ein Visum für seine Schwiegermutter zu besorgen, um sie aus dem Kriegsgebiet zu holen. Doch dies gestaltet sich schwierig, wie er dem britischen Sky News berichtete. Sie käme nicht aus der Ukraine raus, weil die britische Regierung zusätzliche Dokumente verlange, auf die sie keinen Zugriff habe.

Die 67-Jährige habe ihre Wohnung in der Großstadt Schytomyr, etwa 130 Kilometer westlich von Kiew, verlassen müssen, um einem Angriff zu entkommen. Derzeit, so berichtet die Familie, lebt sie bei einer Freundin in einem Dorf in der Nähe. Aufgrund des andauernden Beschusses könne sie nicht in ihren Heimatort zurückkehren, um die Dokumente zu holen, „also steckt sie fest“, sagte Mills. Denn „das Letzte, woran Flüchtlinge denken, ist Papierkram.“

Mills forderte die britische Regierung auf, die Bestimmungen weiter zu lockern, damit mehr Familienmitglieder aus dem Kriegsgebiet herausgeholt werden können. „Bitte, bitte, bitte lockern Sie Ihr Visumsverfahren, bitte helfen Sie einfach.“

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