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„Lesbos gehört zu Griechenland“

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Von: Daniela Vates

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Annalena Baerbock trifft ihren griechischen Amtskollegen Nikos Dendias
Annalena Baerbock trifft ihren griechischen Amtskollegen Nikos Dendias © dpa

Außenministerin Baerbock sichert Athen im Streit mit der Türkei Solidarität zu

Wie schwierig alles ist, zeigt sich schon in der Eingangshalle des griechischen Außenministeriums. Auf der rechten Seite hängt ein düsteres Gemälde in einem breiten goldenen Rahmen: Kriegsschiffe in einem aufgepeitschten dunklen Meer, am Himmel ballen sich graue Wolken. Die Schiffe tragen türkische und griechische Flaggen. Es ist ein Szene aus der Seeschlacht von Elli aus dem Jahr 1912 – Griechenland siegte über das Osmanische Reich. Die Inseln Lesbos, Chios, Samos und Lemnos gehörten in Folge zu Griechenland. Ein blauer Läufer führt Außenministerin Annalena Baerbock ins obere Stockwerk. Dort über ihrem Amtskollegen, Nikos Dendias, zeigt ein weiteres Gemälde die Akropolis. Eine friedlichere Aussicht, immerhin.

Und Dendias ist in durchaus freundlicher Stimmung, zumindest bei der Pressekonferenz im Anschluss. Die frühere Kanzlerin Angela Merkel ist hier vor zehn Jahren von wütenden Demonstrant:innen empfangen worden. Auch vor drei Jahren gab es noch heftige Proteste. Merkel galt als Verantwortliche für den Sparkurs, den die EU Griechenland in deren Schuldenkrise auferlegt hatte und der viele Griech:innen in existenzielle Probleme stürzte. Die deutsch-griechischen Beziehungen galten über Jahre als angespannt.

Dendrias strahlt seine Kollegin an, erwähnt begeistert den Bayern Otto I, den ersten griechischen König. Und den Otto mit Nachnamen Rehhagel, mit dem Griechenland Fußball-Europameister wurde. „Das ist ein Grund, warum wir ihn immer noch sehr innig lieben“, sagt Dendias und wünscht der deutschen Frauen-Fußballmannschaft viel Glück für ihr EM-Endspiel.

Und er ist noch nicht fertig: Ausdrücklich würdigt der griechische Minister Baerbocks Besuch am Holocaust-Mahnmal und in einem ehemaligen NS-Foltergefängnis in Athen. „Du übernimmst historische Verantwortung“, sagt er. Gut wäre jetzt noch, wenn Deutschland endlich die griechischen Reparationsforderungen akzeptiere. Baerbock wird das später freundlich aber bestimmt zurückweisen. Deutschland sehe die rechtlichen Fragen als abgeschlossen hat, sagt sie. Aber man wolle Überlebende der Besatzung bei der Gesundheitsversorgung unterstützen und zusammen Geschichtsprojekte aufnehmen.

An einem anderen Punkt ist sie ganz auf griechischer Linie – bei den Inseln. Die Türkei hat Griechenland bei den UN Völkerrechtsbruch vorgeworfen, weil auf den Inseln Militär stationiert ist und unter vielen Verträgen auch solche sind, die das ausschließen. „Lesbos, Chios und andere sind griechisches Territorium“, sagt sie. „Niemand hat das Recht, das infrage zu stellen.“ Und sie zieht eine Linie zum Krieg gegen die Ukraine: Die nationale Souveränität und die territoriale Integrität jedes Landes müsse geachtet werden.

Auch ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu werde sie das am Nachmittag so mitteilen. Am Nachmittag noch reist sie weiter ins Nachbarland. „Das wird auch meine Botschaft in Istanbul sein“, sagt Baerbock. Und dann wird sie kurz flapsig: Sie könne ja schlecht in verschiedenen Hauptstädten unterschiedliche Botschaften verkünden. „Das wäre ja schön blöd.“

Dendrias hat zuvor seine Freundlichkeit verloren: Revisionismus und illegale Aktionen hat er dem Nachbarland vorgeworfen. Nun lächelt er. So klar habe er das bisher nicht gehört in der EU, stellt er fest. Und nebenbei kommt die Botschaft, dass es demnächst etwas werden könne mit Panzerlieferungen aus Griechenland an die Ukraine – im Tausch für deutsche Panzer an Griechenland. Ein Ringtausch, der vielleicht funktioniert. „Wir sind gerade beim Abschluss dieses Verfahrens“, sagt Dendrias.

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