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Leitzins bleibt bei null

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Von: Stefan Winter

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde steht unter Druck.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde steht unter Druck. © dpa

Die EZB deutet aber eine mögliche Kurskorrektur im März an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich von der hohen Inflation vorerst nicht beeindrucken. Der Leitzins bleibt bei null, Anleihen werden weiter wie geplant gekauft. Nach der Sitzung des EZB-Rats schlug Präsidentin Christine Lagarde allerdings einen etwas anderen Ton an als bisher: Man habe die Inflation unterschätzt, die Risiken seien gewachsen, im EZB-Rat sei man besorgt darüber. Es habe eine „sehr ernsthafte und tiefe Diskussion“ über die Inflation gegeben, sagte Lagarde.

Für eine Abkehr von der jahrelangen Krisenpolitik fehlten allerdings noch verlässliche Daten, etwa über die weitere Entwicklung der Löhne und der Energiepreise. Lagarde deutete eine Kurskorrektur in der März-Sitzung des EZB-Rats an. Dann werde man die nötigen Entscheidungsgrundlagen haben. Schon diese Andeutung zeigte an den Finanzmärkten Wirkung: Aktien gerieten wegen der Aussicht auf steigende Zinsen am Nachmittag unter Druck, die Renditen von Bundesanleihen stiegen. Der Trend bei den langfristigen Zinsen zeigt also bereits nach oben.

Verbraucher spüren das nach Angaben des Hypothekenvermittlers Interhyp schon seit einiger Zeit: Der Zins für zehnjährige Baudarlehen sei bereits auf rund 1,2 Prozent gestiegen und könne in diesem Jahr noch 1,5 Prozent erreichen. „Auch wenn die Konditionen im historischen Vergleich noch immer niedrig sind, bedeutet die sich manifestierende Zinswende beim Baugeld für viele Immobilienkäufer einen höheren finanziellen Aufwand“, sagte Interhyp-Vorstandsmitglied Mirjam Mohr.

Die EZB gehört bei dieser Entwicklung aber weiter zu den Bremsern. So ignorierte der EZB-Rat die lauter werdenden Forderungen, mit strafferer Geldpolitik gegen die Inflation anzugehen. In der Eurozone hat sich der Preisanstieg zuletzt sogar überraschend auf 5,1 Prozent beschleunigt. In den USA bereitet die Notenbank Fed mehrere Zinserhöhungen in diesem Jahr vor, in Großbritannien erhöhte die Bank of England ihren Leitzins kurz vor Lagardes Auftritt von 0,25 auf 0,5 Prozent.

In Europa seien die Bedingungen immer noch anders, betonte die EZB-Präsidentin. Hier sei die Nachfrage deutlich schwächer als in den USA, und der Lohndruck sei geringer als in Großbritannien. Entsprechend sei auch der Inflationsdruck geringer.

Bei deutschen Fachleuten stieß die Entscheidung auf Kritik und auf Verständnis. Das Zögern sei „nachvollziehbar und richtig“, sagte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wichtig sei aber „das klare Signal, dass die EZB eine Zinserhöhung für dieses Jahr nicht mehr explizit ausschließt, wenn sich die Inflationsrisiken erhärten“.

Kritiker sind der Ansicht, die Notenbank müsse schon weiter sein. „Die EZB läuft der Zeit hinterher und zögert mit den notwendigen Vorbereitungen für eine Zinswende“, sagte Andreas Martin, Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Finanzmärkte und Tarifparteien bräuchten klarere Signale der Inflationsbekämpfung. Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW sagte: „Die Zinspolitik und Wertpapierkäufe der EZB wirken inzwischen wie aus der Zeit gefallen.“

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