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„Keine Grundlage“ für mehr Tierwohl

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Von: Johanna Apel

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Das neue Label soll 2023 eingeführt werden. Es soll zunächst nur für frisches Schweinefleisch gelten und dann schrittweise ausgeweitet werden.
Wie geht‘s den Schweinen, bevor sie auf dem Teller landen? Das neue Label soll 2023 eingeführt werden und zunächst nur für frisches Schweinefleisch gelten. © Marijan Murat/dpa

Agrarminister Özdemir legt Gesetzentwurf und neues Logo vor – und erntet harsche Kritik.

Die Pläne für ein neues staatliches Tierwohl-Label werden konkreter. Nachdem Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) im Juni die Eckpunkte für die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung vorstellte, liegt nun ein Gesetzesentwurf inklusive Logo vor.

Das neue Label soll 2023 eingeführt werden. Es soll zunächst nur für frisches Schweinefleisch gelten und dann schrittweise ausgeweitet werden. Geplant ist ein fünfstufiges Modell. Die niedrigste Stufe (Haltungsform Stall) entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen. Über die Stufen „Stall plus Platz“, „Frischluftstall“ und „Auslauf/Freiland“ geht es bis zur höchsten Stufe, „Bio“. Die Kategorien beziehen sich auf die Tierhaltung während der Mast.

Anders als das vierstufige „Haltungsform“-Siegel wäre das neue Tierwohl-Label verpflichtend. Die Lebensmittelbranche will es nun zunächst prüfen.

So soll das neue Label aussehen.
So soll das neue Label aussehen. © dpa

Allerdings hat die neue Kennzeichnung schon zahlreiche Kritiker:innen. Der vorgestellte Gesetzentwurf sei eine „herbe Enttäuschung“, kritisierte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Er scheitere an der zentralen Aufgabe, transparent zu informieren und eine „Lenkungswirkung Richtung Konsum tierischer Produkte aus besserer Haltung zu entfalten“. Bemängelt wird etwa, dass abgesehen von der Stufe „Bio“ nur die Mast berücksichtigt werde, nicht aber das ganze Schweineleben. Die Umweltschutzorganisation BUND begrüßt den Vorstoß zwar grundsätzlich. „Wir sind total froh, dass da etwas kommt“, sagte Katrin Wenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Für die BUND-Agrarexpertin ist es ein gutes Signal, dass die neue Kennzeichnung verpflichtend sein soll. Allerdings sei bei dem neuen Tierwohl-Label noch „Luft nach oben“.

Auch aus der Landwirtschaft hagelt es Kritik. „Wir Bäuerinnen und Bauern wollen Tierwohl verbessern. Aber mit diesem Gesetzentwurf bekommen wir keine Grundlage dafür“, heißt es aus der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL). Die ABL bemängelt, dass Kriterien wie etwa das Kupieren der Schweineschwänze keine Rolle spielten. Zudem sei nur die Mast berücksichtigt, die Sauenhaltung aber nicht. „Damit ist fast die Hälfte des Schweinelebens von der Kennzeichnung ausgenommen.“ Verbraucher:innen würde suggeriert, dass das Tier von Geburt bis zur Schlachtung entsprechend gehalten wurde.

Offen ist auch ein weiteres wichtiges Detail: die Finanzierung eines verbesserten Tierwohls. Damit Landwirt:innen nicht allein auf den Mehrkosten sitzen bleiben, will die FDP jetzt eine Abgabe auf Fleisch mittragen – jedoch mit der Erwartung, dass der Handel die Mehrkosten komplett trägt, um zusätzliche Belastungen für die Kunden in Zeiten steigender Lebensmittelpreise zu vermeiden. Özdemir plant für die Startphase eine Milliarde Euro im Bundeshaushalt ein. Das reiche allerdings nicht, so der Grünen-Politiker. mit dpa

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