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Kein Vertrauen in den Bitcoin

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Von: Christoph Höland

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Die Mehrheit der Deutschen sieht Kryptowährungen skeptisch. Die Zukunft könnte ihnen dennoch gehören.

Der Absturz der Kryptowährung Bitcoin ist gebremst: Der Wert unterschritt am Dienstag nur kurzfristig die psychologisch wichtige Marke von 30 000 Dollar – und stieg bis Mittwochmittag wieder auf 33 971 Dollar (28 393 Euro). Damit hat der Bitcoin womöglich eine Offensive chinesischer Regulierer aufs Erste überstanden – auch wenn weiterhin Zweifel an Kryptowährungen bleiben, wie eine neue Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zeigt.

Demnach haben lediglich drei Prozent der Deutschen bislang Bitcoin und Co. direkt gekauft. Immerhin vier Prozent halten Fonds und ETFs, die auf Kryptowährungen spezialisiert sind. Denen misstrauen laut Bitcom allerdings 69 Prozent der Deutschen – trotz des wachsenden Interesses namhafter Investoren und trotz neuer Regulierungsmaßnahmen. „Bei der Mehrheit der Privatinvestoren in Deutschland hat das bisher nicht zu einem Vertrauensschub geführt“, sagt Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim Bitkom.

Kryptowährungen produzieren derzeit viele Negativschlagzeilen. Am vergangenen Wochenende etwa schalteten chinesische Behörden mehrere sogenannte Bitcoin-Minen ab. Die chinesischen Behörden begründeten die Entscheidung mit dem hohen Energieverbrauch der Anlagen. Der stand schon beim letzten Rückschlag für die Digitalwährung Mitte Mai diesen Jahres im Raum, als Tesla beschloss, deswegen künftig doch lieber keine Bitcoins als Zahlungsmittel anzunehmen – wenige Monate zuvor hatte Tesla-Chef Elon Musk noch das Gegenteil verkündet und dem Bitcoin zu einem Höhenflug verholfen.

Der ist mittlerweile vorbei, die im April erklommenen 64 000 Dollar pro Bitcoin sind in weite Ferne gerückt. Es stellt sich die Frage, was die Kryptowährungen überhaupt können, wenn sie schon nicht zum Bezahlen genutzt werden können. „Diejenigen, die investieren, tun das insbesondere zur langfristigen Geldanlage und nicht in erster Linie um Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu nutzen“, sagt Bitkom-Experte Hansen – und betont die Risiken, die für unerfahrene Anleger:innen mit Investments in Kryptowährungen einhergehen.

Hoffnung macht ihm indes, dass sich auf Basis von Kryptowährungen derzeit etwas neues entwickelt: Die dezentrale Finanzwirtschaft, kurz Defi, soll Kryptowährungen endlich zu einem echten Nutzen verhelfen. Sie verspricht, auf Basis digitaler Währungen nicht weniger als ein neues Finanzsystem zu ermöglichen – in dem Banken im Grunde überflüssig werden

Mithilfe der sogenannten Blockchain könnten Kredite, Derivate und allerlei andere Finanzprodukte abgewickelt werden - ganz ohne Banken als Finanzintermediäre. Immerhin etwa 50 Milliarden Euro Marktvolumen hat die dezentralisierte Finanzwirtschaft laut Hansen derzeit bereits weltweit. Für die traditionellen Banken könnte diese Konkurrenz naturgemäß zu einem gewaltigen Problem werden.

Kryptowährungen werden also praktisch nutzbar – auch wenn das ganze noch in den Kinderschuhen steckt. „Man kann schon heute DeFi-Anwendungen nutzen, aber vom Massenmarkt ist es noch weit entfernt“, sagt Hanssen.

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