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Kaum Hilfskräfte im Einsatz

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Von: Johanna Apel

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Vor der Arbeit auf dem Rollfeld warten bürokratische Hürden.
Vor der Arbeit auf dem Rollfeld warten bürokratische Hürden. © imago images/Arnulf Hettrich

Beschäftigte aus dem Ausland sollten an den Flughäfen arbeiten und so die Urlaubssaison der Deutschen retten. Bislang hält sich die Nachfrage der Unternehmen aber in Grenzen.

Es sollte eine schnelle Lösung sein: Um die Lage an den deutschen Flughäfen in den Griff zu kriegen, kündigte die Bundesregierung Ende Juni an, auf ausländische Hilfskräfte zu setzen. Beschäftigte, die beispielsweise an türkischen Flughäfen nicht gebraucht würden, sollten unter erleichterten Bedingungen für ein paar Monate in Deutschland arbeiten können. Knapp fünf Wochen ist der Vorstoß alt. Doch wo bleiben die Hilfskräfte?

Damit die Hilfskräfte an deutschen Flughäfen arbeiten können, müssen die Unternehmen Bedarf anmelden und den Bewerbungsprozess in die Wege leiten. Allerdings scheint das gar nicht überall der Fall zu sein: So teilte der Boden- und Sicherheitsdienstleister Wisag auf Anfrage mit, keinen Bedarf zu haben. Wisag ist unter anderem an den Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf und dem BER in Berlin tätig. Auch das Unternehmen Aeroground – am BER für die Abfertigung zuständig – sieht „aktuell keinen weiteren Personalbedarf“.

Fraport, die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, räumte ein, noch mehrere Hundert neue Beschäftigte zu brauchen. Ob man bei der Neueinstellung allerdings auf die türkischen Beschäftigten zurückgreife, hänge „maßgeblich“ von ihrer Qualifikation ab. Das prüfe man natürlich, so ein Fraport-Sprecher, gleichzeitig würden aber die „Rekrutierungsbemühungen“ in anderen Ländern nicht nachlassen.

In einem nächsten Schritt folgt die Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP). Hier wiederum sind die Länder zuständig. Doch liegt beispielsweise der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg derzeit kein Antrag auf eine solche Zuverlässigkeitsüberprüfung für ausländische Hilfskräfte an Flughäfen vor, wie eine Sprecherin bestätigt. Auch bei der Bezirksregierung Düsseldorf waren vor wenigen Tagen noch keine Anträge eingegangen.

Was bleibt also von dem Versprechen, mit mehreren Tausend ausländischen Beschäftigten den Urlaub der Deutschen zu retten? Thomas Richter, Vorstandsvorsitzender vom Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) ist zumindest mit Blick auf den Süden optimistisch. „Es ist realistisch, dass bis Mitte August 250 ausländische Hilfskräfte da sind“ sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). In der südlicheren Hälfte Deutschlands könnten sie dann wirklich Abhilfe verschaffen.

Richter bemängelt allerdings die bürokratischen Hürden. Für die Zuverlässigkeitsüberprüfung, sagt er, müssten drei Dinge gegeben sein. Ein polizeiliches Führungszeugnis, eine Wohnsitzbestätigung der vergangenen zehn Jahre und Nachweis der beruflichen Tätigkeiten in den vergangenen fünf Jahren. Gerade letztere Nachweise können in Ländern, die kein Melderegister wie in Deutschland haben, eine schwierige Hürde sein. „Wir legen unsere inländischen Maßstäbe im Ausland an“, kritisiert er.

Auch Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, übt Kritik: „Generell stellt die lange ZÜP-Bearbeitungsdauer eine hohe Einstellungshürde dar, die es in keiner Branche außer dem Luftverkehr gibt“, sagte Beisel. Auch er plädiert für eine andere Vorgehensweise. Die Rekrutierung könne durch eine effizientere Zuverlässigkeitsüberprüfung deutlich erleichtert werden, „ohne dass auf Sicherheitsstandards verzichtet wird“.

So oder so: Sollten in den nächsten Tagen wirklich 250 Menschen eintreffen, um an deutschen Flughäfen zu arbeiten, wären das deutlich weniger, als vor wenigen Wochen angekündigt. Für den südlichen Teil Deutschlands mag das etwas Abhilfe verschaffen. Für den Norden kommt das mit Blick auf den baldigen Schulanfang allerdings zu spät. „Da hat uns der Kalender eingeholt“, sagt Richter.

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