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Bahnfahren: Jetzt wird’s wieder teurer

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Von: Johanna Apel

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Vor allem Menschen mit geringen Einkommen wurden entlastet.
Vor allem Menschen mit geringen Einkommen wurden entlastet. © epd

Das Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt sind Geschichte. Die Preise an Fahrkartenautomaten und Zapfsäulen steigen. Aber zumindest das günstige Billett könnte eine Zukunft haben.

Nach drei Monaten ist Schluss: Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket laufen aus. Autofahrerinnen und Autofahrer konnten bereits in den vergangenen Tagen beobachten, wie die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe kletterten. Mit dem 1. September endet die temporäre Senkung auf die Energiesteuer. Auch das Neun-Euro-Ticket ist Geschichte: Wer mit Bus und Bahn fährt, muss wieder tiefer in die Tasche greifen.

Der ADAC zieht eine weitgehend positive Bilanz des Neun-Euro-Tickets. Es habe viele Menschen – auch Autofahrerinnen und Autofahrer – wieder in den ÖPNV gebracht, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Das ist nach den Zurückhaltungen im Zuge der Corona-Pandemie ein großer Erfolg“, so Hillebrand. Viele hätten dabei positive Erfahrungen gesammelt und wollten den ÖPNV weiterhin mehr als vorher nutzen, außerdem habe es zur sozialen Teilhabe beigetragen. Wichtiger als die reine Preisdiskussion sei bei einer Nachfolge allerdings die Verbesserung des Angebots, besonders im ländlichen Raum. „Dabei sind ein bundesweit gültiger und einfacher Tarif sowie die Ausweitung der Zugkapazitäten und der Taktung besonders wichtig, um die Attraktivität des ÖPNV für Autofahrer zu erhöhen. Öffentliche Gelder müssen hier vorrangig zum Einsatz kommen. Das ist aus unserer Sicht deutlich wichtiger als die Ticketsubventionierung“, so Hillebrand. Er bezog sich bei der Bilanz auf eine Umfrage des ADAC unter Autofahrerinnen und Autofahrern.

Der Tankrabatt habe zwar dazu geführt, dass die Preise gesunken seien, so der ADAC-Verkehrspräsident. Allerdings sei die Steuersenkung insgesamt nicht vollständig an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden, kritisierte er. Er sprach sich gegen eine Neuauflage des Tankrabatts aus. Das wäre angesichts der knappen Kraftstoffe und der allgemeinen Erfordernis zum Spritsparen ein „falsches Signal“. Vielmehr müsse es andere Entlastungsschritte geben.

Deutschlands zweitgrößter Automobilclub, der AVD, sieht das anders. Bereits in den vergangenen Wochen hatte er für eine Fortsetzung plädiert – auch am Mittwoch. „Der Tankrabatt hat zu einer spürbaren Entlastung der Menschen geführt. Die vorliegenden Daten zeigen, dass er eine wirksame Maßnahme war, den Kostendruck auf die allermeisten privaten Haushalte abzumildern“, sagte Generalsekretär Lutz Leif Linden. 35 Millionen Menschen aus allen sozialen Schichten würden täglich ihr Auto nutzen. „Mobilität muss für alle weiter bezahlbar bleiben“, sagte Linden. Der AVD fordere deshalb die Bundesregierung auf, „schnellstmöglich die Fortführung des Tankrabatts zu beschließen“.

Dass der Tankrabatt fortgeführt wird, steht derzeit allerdings nicht zur Diskussion. Anders sieht es beim Neun-Euro-Ticket aus. Bereits in den vergangenen Wochen sprachen sich Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen für eine Verlängerung aus. Der BUND erneuerte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) seine Forderung: Das Neun-Euro-Ticket habe Pendlerinnen und Pendler im ÖPNV finanziell entlastet und die Mobilität gerade für Menschen mit wenig Geld „deutlich verbessert“, sagte Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND.

„Jetzt muss das Ziel der Bundesregierung sein, mit mehr Bus- und Bahnlinien, engeren Takten und einem Nachfolgeangebot zum Neun-Euro-Ticket den aktuellen Schwung zu nutzen“, so Hilgenberg. „Herr Wissing ist in der Verantwortung, jetzt sicherzustellen, dass eine schnelle Nachfolgeregelung wie ein 365-Euro-Ticket und ein gleichzeitiger massiver Ausbau im ÖPNV durch Bundesmittel mitfinanziert werden.“

Neuen Wind bekam die Debatte am Mittwoch, als Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) twitterte, dass sein Parteikollege, Verkehrsminister Volker Wissing, ihn überzeugt habe: Mit einem Bruchteil der Finanzmittel des Neun-Euro-Tickets könne ein „bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket“ realisiert werden, so Lindner. „Jetzt sind die Länder dran. Wenn die Finanzierungsfrage klar ist, kann der Preis festgelegt werden.“

Aus der Opposition kam Kritik: Die Klärung der Finanzierung solle auf die Länder abgewälzt werden, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Union, Thomas Bareiß. Die bisher für das Neun-Euro-Ticket „rausgeworfenen“ 2,5 Milliarden Euro fehlten laut Bareiß nun beim dringend notwendigen Ausbau des ÖPNV-Angebots. Ziel müsse ein bundesweites und anwenderfreundliches Ticket sein – und für Pendlerinnen und Pendler ein „preislich attraktives Dauerticket“ als Alternative zum Auto.

Schlüssel zu einem attraktiveren ÖPNV seien demnach eine „höhere Taktung, Sicherheit bei Anschlussverbindungen, Pünktlichkeit und generell der weitere Ausbau vor allen in ländlichen Regionen“, sagte der CDU-Politiker und warnte: „Es darf in den kommenden Monaten nicht noch zu einer Verschlechterung des Angebots kommen.“

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