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Krankenpflegerin mit Maske und Schutzkleidung.
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Krankenpflegerin mit Maske und Schutzkleidung.

Arbeitsschutz

Im Vollstress unter der Atemmaske

Wer im Job einen Mund-Nasen-Schutz trägt, braucht Pausen - die Realität sieht aber anders aus.

Für Menschen, die in der Pflege und in Kliniken arbeiten, gehören Atemschutzmasken schon lange zum Alltag. Doch wie einige von ihnen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichten, erschwert das permanente Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in der Pandemie die Arbeit erheblich. „Der Job war vorher schon anstrengend – und jetzt ist es noch schlimmer“, berichtet eine Krankenschwester aus Hannover.

Das Universitätsklinikum Leipzig hat im Sommer 2020 eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes die körperliche Belastbarkeit von Gesunden mindert. Die Untersuchungen wurden an zwölf Männern durchgeführt, die im Durchschnitt 38,1 Jahre alt waren. „Die Ergebnisse unserer Untersuchung bestätigen das subjektive Gefühl vieler Menschen“, erklärte Kardiologie-Klinikdirektor Ulrich Laufs.

Es sei nun auch wissenschaftlich belegt, dass Masken die Leistungsfähigkeit senken. „Übertragen auf die Arbeitswelt stellt sich schon die Frage, ob Menschen, die mit Maske körperlich anstrengende Arbeit leisten, öfter Pausen machen müssten als bisher“, sagte er. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es notwendig sei, „angemessene Schutzausrüstung und angemessene Ruhezeiten“ miteinander zu vereinbaren und somit psychologische und physischen Folgen für Beschäftigte zu vermeiden.

Entsprechend fordert auch die Gewerkschaft Verdi: Arbeitgeber im Gesundheitswesen sollten „ausreichende Erholungspausen sicherstellen“. Verdi empfiehlt, nach zwei Stunden Tragedauer eine 30-minütige Pause einzulegen. Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungen sehen das noch strenger: Wird eine FFP2-Masken ohne Ausatemventil genutzt, soll nach ihrer Empfehlung schon nach 75 Minuten eine halbstündige Pause folgen.

Und wie sieht es im Alltag aus? Tatsächlich schildern einige Beschäftigte aus medizinischen Einrichtungen anonym dem RND, dass den Tragepauseempfehlungen nicht nachgekommen wird. Die Pausen würden schlicht vom Arbeitgeber nicht angeordnet.

„Wir hören aus unseren Einrichtungen von den Beschäftigten, dass das ein unhaltbarer Zustand ist“, sagt Dietmar Erdmeier. Er ist Referent im Bereich Gesundheitspolitik beim Verdi-Bundesvorstand und Vorsitzender der Vertreterversammlung Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. „Die Beschäftigten laufen teilweise zwölf Kilometer pro Tag auf einer Station, und das mit einer Maske im geschlossenen Raum – das sind gefühlte 20 Kilometer. Da redet niemand drüber, da werden die Beschäftigten allein gelassen.“ Es gehe um Arbeitsschutz und darum, das Gefühl zu vermitteln, dass sich um die Beschäftigten gekümmert wird, sagt Erdmeier.

Für Kristin Zuber hatte das weitreichende Folgen. Sie ist Krankenpflegerin auf der Intensivstation des Prosper-Hospitals in Recklinghausen. Nachdem sie auf die Mitarbeitervertretung zuging, um zu erklären, dass die Tragepausen nicht einzurichten seien, sei sie vertröstet worden. „Wir müssen das selbst organisieren, hieß es.“ Daraufhin habe sie die Krankenhausleitung in einem Gespräch konfrontiert und erklärt, dass sie im Zweifelsfall zur Gewerkschaft gehen würde, um ihre Ansprüche durchzusetzen. Zehn Minuten später wurde ihre Versetzung in die Onkologie bekanntgemacht.

Dagegen klagte Zuber nun vor dem Arbeitsgericht in Herne. Im Gespräch mit dem RND verweist sie darauf, mit dem Problem nicht allein zu sein. „Viele berichten von Kopfschmerzen. Man bekommt genug Sauerstoff, doch durch den Widerstand beim Ausatmen bleibt mehr CO2 im Körper – und das führt zu Konzentrationsstörung und dazu, dass man Dinge leichter vergisst. Die Beschwerden sind diffus“, sagt Zuber.

Doch wie könnte dem ermüdeten Personal geholfen werden? Verdi-Experte Erdmeier schlägt eine Betriebsvereinbarung vor, die klare Tragepausen festschreibt. Alternativ könnte man auch für mehr Personal sorgen: „Möglicherweise wäre die Forderung zu bewerkstelligen, wenn wir Teilzeitstellen in der Pandemiezeit aufstocken würden“, so Erdmeier. Gerade in der Pflege sei der Anteil von Teilzeitkräften überdurchschnittlich hoch.

Das effektivste Mittel wäre aber schlicht, mehr Pflegepersonal auszubilden und einzustellen. Doch das scheint derzeit schwerer denn je. Denn auch für das große Belastungen gewöhnte Pflegepersonal scheint das Maß voll zu sein: Eine Datenabfrage der Linken-Bundestagsfraktion ergab kürzlich, dass zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 mehr als 9000 Pflegekräfte ihr Berufsverhältnis aufgelöst haben.

MARVIN BEHRENS

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