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Im Paradies gibt’s einen Plan

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Ein Teil Vanuatus aus dem Flugzeug betrachtet: Die Insel Efate, früher Sandwich-Island genannt.
Ein Teil Vanuatus aus dem Flugzeug betrachtet: Die Insel Efate, früher Sandwich-Island genannt. © imago images/Sami Sarkis

Vanuatu zeigt der Welt wie es geht: Der vom Untergang bedrohte Inselstaat stellt die Stromerzeugung bis 2030 auf Erneuerbare um.

Vanuatu ist laut Weltrisikoindex das am stärksten von Naturkatastrophen bedrohte Land der Welt. Zusätzlich zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen belastet nun auch noch der Klimawandel den kleinen Inselstaat.

Um ein Zeichen für die Welt zu setzen, wird das zwischen Australien und Fidschi gelegene paradiesische Land, das ansonsten für seine weißen Sandstrände, tropischen Temperaturen und herrlichen Tauchgründe bekannt ist, nun zum Musterschüler der Klimapolitik: Es hat einen der ehrgeizigsten Klimapläne der Welt auf den Weg gebracht.

Der Inselstaat verpflichtet sich, die Stromerzeugung bereits bis 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen abzudecken. „Sie setzen wirklich ein Beispiel für den Rest der Welt“, wurde Tagaloa Cooper-Halo vom Sekretariat des pazifischen regionalen Umweltprogramms (SPREP) im britischen „Guardian“ zitiert.

Auf dem UN-Klimagipfel in Glasgow im vergangenen Jahr wurden eigentlich alle Länder der Erde aufgefordert, ihre Beiträge zum Klimaschutz bis Ende 2022 nochmals „zu überdenken und zu verstärken“. Vanuatu ist laut des „Guardian“ eines von nur zwölf Ländern, die dies bisher tatsächlich getan haben.

Vanuatu ist schon heute ein CO2-negatives Land. Dies bedeutet, dass es mehr Emissionen absorbiert als es produziert. Doch mit dem neuen Klimaplan geht der Inselstaat noch weiter und verpflichtet sich, fossile Brennstoffe fast vollständig abzuschaffen. Bei der Stromerzeugung will man bis 2030 zu 100 Prozent auf erneuerbare Quellen setzen. Außerdem soll es eine Einrichtung geben, die im Falle von Schäden und Verlusten in Folge des Klimawandels gefährdete Gemeinden unterstützt.

Vanuatu hat derzeit aber auch noch andere ambitionierte Ziele. So will das Land vom höchsten Gericht der Welt klären lassen, ob die menschengemachte Erderwärmung ein Verstoß gegen die Menschenrechte ist. Der Internationale Gerichtshof (IGH) soll ein Gutachten zu den klimabedingten Schäden abgeben. Um dies in Gang zu setzen, braucht es die mehrheitliche Unterstützung der UN-Generalversammlung. Die Abstimmung darüber steht auf der bevorstehenden Sitzung im September an.

Vanuatu ist international eines der anfälligsten Länder für die Auswirkungen des Klimawandels. Der Großteil der Industrien des pazifischen Inselstaates ist wetterabhängig: Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus sind durch den Klimawandel gefährdet. Der Wirbelsturm Pam, der Vanuatu 2015 traf, hat das Land über 60 Prozent seines Bruttoinlandproduktes oder fast 450 Millionen US-Dollar gekostet.

Neben der Gefahr intensiverer Stürme bedroht wärmeres Meerwasser die Korallenriffe des Inselstaates. Außerdem ragen viele der über 80 Inseln nur etwa einen Meter aus dem Ozean. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels könnten etliche der rund 300 000 Bewohner:innen ihre Heimat verlieren.

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