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Menschen in Idar-Oberstein zeigen ihre Anteilnahme.
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Menschen in Idar-Oberstein zeigen ihre Anteilnahme.

Mord an der Tankstelle

Idar-Oberstein: Folge der Radikalisierung in der Querdenken-Szene

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  • Markus Decker
    Markus Decker
  • Felix Huesmann
  • Jan Sternberg
    Jan Sternberg

Nach dem Mord von Idar-Oberstein sind Fachleute erschüttert – aber nicht überrascht

Ein Mord, motiviert offenbar durch die fanatische Feindschaft gegen die Maskenpflicht und andere Corona-Schutzmaßnahmen: Die grausame Tat im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein ist die bislang schwerste Gewalttat in Deutschland, die mit der Szene der Corona-Leugner:innen, Impf- und Maskengegner:innen zusammenzuhängen scheint. Ein 49-Jähriger erschoss einen 20-jährigen Tankstellen-Kassierer, nachdem dieser ihn auf die Maskenpflicht aufmerksam machte.

Schon seit dem Beginn der Corona-Demonstrationen im vergangenen Jahr warnen Expertinnen und Experten vor Gewalttaten von Maßnahmengegnern. Der Präsident des thüringischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Stephan Kramer, sieht den Mord als eine Konsequenz rechtsextremistischer Verschwörungsfantasien. „Der kaltblütige Mord an dem Studenten ist furchtbar, aber für mich keine Überraschung angesichts der steten Eskalation der letzten Wochen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Als Verfassungsschützer habe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen vor der Eskalation und dem Aggressivitätspotenzial gewarnt. Bedauerlich ist, dass es immer erst Tote geben muss, bevor die Gefahr ernst genommen wird.“

Kramer betonte: „Die Eskalation der rechten Verschwörungsfantasien von aggressiven und gewaltbereiten Bürgerinnen und Bürgern ist seit Monaten zu beobachten. Bisher nicht gewaltgeneigte Bürger rasten immer öfter aus, pöbeln und randalieren. Die steigende Aggressivität ist im Alltag überall spürbar.“

Die Expertin für Verschwörungsideologien, Pia Lamberty, unterstreicht ebenfalls, das die Tat nicht überraschend kam: „Die zunehmende Radikalisierung dieser Szene ist schon lange sichtbar“, sagte Lamberty dem RND. Die Psychologin ist Geschäftsführerin des unabhängigen Centers für Monitoring, Analyse und Strategie. Nicht nur die prominenten Mitglieder der „Querdenken“-Szene radikalisierten sich, sagt Lamberty, sondern auch deren Anhänger. „Dadurch ist ein Klima entstanden, in dem Gewalt immer stärker legitimiert und befürwortet wird.“ Seit anderthalb Jahren gebe es Aufrufe zu „Tribunalen“ oder zu einer Neuauflage der Nürnberger Prozesse – diesmal mit Mitgliedern der Bundesregierung und Virologinnen und Virologen auf der Anklagebank. „Dabei geht es auch um Selbstjustiz“, erklärt Pia Lamberty. „Dass es dann zu solchen Taten kommt, ist leider nicht überraschend.“

Die Liste der Angriffe durch Maskengegner ist lang. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn beklagen etwa vermehrte körperliche Angriffe durch Fahrgäste, die sich der Maskenpflicht verweigern.

Grünen-Parteichef Robert Habeck zeigt sich erschüttert von dem gewaltsamen Tod eines 20-jährigen Tankstellen-Kassierers. „Der blanke Hass, der hinter der Tat steht, ist erschreckend. Hier bricht sich etwas Bahn, mit schlimmen Konsequenzen – für die Betroffenen und ihre Angehörigen, aber auch für unser gesellschaftliches Zusammenleben und für unsere Demokratie.“

In mehreren Chatgruppen und Kanälen der Szene wird die Tat nicht nur entschuldigt, sondern sogar befürwortet. „Eine Zecke weniger“, kommentiert etwa ein Mitglied des Telegram-Kanals des rechtsextremen Aktivisten Sven Liebich aus Halle an der Saale die Tat.

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