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„Ich liebe Twitter“

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Von: Christoph Höland

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Jack Dorsey leitete bislang zwei Unternehmen.
Jack Dorsey leitete bislang zwei Unternehmen. © afp / Prakash Singh

Mitgründer Jack Dorsey gibt den Chefposten unter dem Druck von Investoren auf.

Üppiger Bart, knallbunte Shirts, eine Vorliebe für Yoga und Schauspielunterricht – der bisherige Twitter-Chef Jack Dorsey ist ein schillernder Unternehmer. Zweifelhaft fanden ihn hingegen Investoren, die sich nun offenbar durchgesetzt haben: Dorsey gibt seinen Spitzenjob bei Twitter auf, wie das Unternehmen am Montagabend bekanntgab. Einen Tag nach der Ankündigung ist die Euphorie an den Finanzmärkten der Ernüchterung gewichen.

Dabei sehen die nackten Zahlen bei Twitter schon länger nicht gut aus: Knapp 400 Millionen angemeldete Nutzer:innen soll das soziale Netzwerk haben. Konkurrent Facebook kommt auf 2,9 Milliarden, Tiktok immerhin auf eine Milliarde. Und während Facebook im vergangenen Quartal über neun Milliarden Dollar Gewinn verbuchte, wies Twitter 536 Millionen Dollar Verlust aus.

Das Minus war zwar Folge einer älteren Investorenklage, doch Wehklagen von Investoren waren für Dorsey schon länger Alltag: Seit Anfang 2020 saß dem Co-Gründer von Twitter der aktivistische Fonds Elliott Management im Nacken. Twitter habe zwar viele aktive Nutzer:innen, „aber sie haben das nie so gut monetarisiert wie andere Social-Media-Plattformen“, brauchte Bloomberg-Analyst Mandeep Singh am Montag die Kritik auf den Punkt.

Dass das Dorsey gestört hat, bezweifelten viele: In der Vergangenheit hatte er immer wieder betont, wie wichtig es ihm sei, dass Menschen auf Twitter eine gute Zeit verbringen. Anders als Facebook blieb Twitter von einzelnen Anzeigen abhängig. Jüngst kündigte das Unternehmen kostenpflichtige Premiumzugänge und eine Überweisungsfunktion per Bitcoin an – eine etwas planlos wirkende Monetarisierungsstrategie, unkten Beobachter.

Dorsey hat das Unternehmen 2006 mitgegründet. 2008 musste er als Unternehmenschef gehen, wohl auch, weil er Medienberichten zufolge viel Zeit mit Yogakursen und Schauspielunterricht verbrachte. Dorsey blieb im Aufsichtsrat und kehrte 2015 an die Spitze des Unternehmens zurück. Seitdem liefen die Geschäfte etwas besser, 2018 erwirtschaftete Twitter sogar Gewinn.

Mehr Schlagzeilen als die nackten Zahlen machten da allerdings Hass und Hetze. Der Umgang damit war für Dorsey stets eine Gratwanderung.

Einerseits sei es entscheidend, niemandem die Meinungsäußerung zu verbieten. „Aber wir können keine Diskussionsplattform sein, wenn sich die Menschen bei uns nicht sicher fühlen“, sagte Dorsey einst. Dem reichweitenstärksten Hetzer zog er Anfang 2021 den Stecker: Donald Trumps Account wurde nach den Attacken auf das Kapitol in Washington gesperrt.

Künftig wird solche Entscheidungen Parag Agrawal treffen müssen. Er war bislang Technikchef bei Twitter und beerbt Dorsey. „Mein Vertrauen in Parag als CEO von Twitter ist groß. Seine Arbeit in den letzten zehn Jahren hat das Unternehmen sehr vorangebracht“, lobte Dorsey seinen designierten Nachfolger.

Dorsey, längst Multimilliardär, will sich auf seinen Job als CEO bei Square konzentrieren. Der Bezahldienst, mit dem sich Menschen gegenseitig kleine Summen überweisen können, wurde 2009 ebenfalls von Dorsey gegründet. Mittlerweile ist Square mit knapp 100 Milliarden Dollar Börsenwert drei Mal so wertvoll wie Twitter. Manch einer kritisierte deshalb, dass Twitters mangelnder Geschäftserfolg auch der Tatsache geschuldet war, dass Dorsey zwei milliardenschwere Unternehmen gleichzeitig geleitet hat.

An den Finanzmärkten wurde die Nachricht von Dorseys Abgang zunächst euphorisch aufgenommen, im Laufe des Montags drehte die Twitter-Aktie aber deutlich ins Minus und blieb dort auch am Dienstag.

Und was der Wechsel an der Spitze für Twitter-Nutzer:innen bedeutet, ist ebenfalls offen. Dorsey jedenfalls hatte noch am Samstag betont, dass der Kurznachrichtendienst für ihn eine Herzensangelegenheit ist: „Ich liebe Twitter“, twitterte er zwei Tage vor seinem Abgang.

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