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Habeck will CO2 speichern

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Von: Andreas Niesmann

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Klimaschutzminister hält Ziele nur auf diesem Weg für erreichbar

Das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium von Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) hält den Einsatz der bislang umstrittenen CCS-Technologie für notwendig, damit Deutschland das im vergangenen Jahr gesteckte Klimaziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 erreichen kann. „Während die vorherige Zielsetzung von 80 bis 95 Prozent Emissionsminderung auch Entwicklungspfade ohne den Einsatz von CCS zuließe, ist die Erfordernis von CCS mit der Zielsetzung von Netto-Null-Emissionen in den aktuellen Studien gemeinsamer Konsens“, heißt es im Evaluierungsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz. Der ist am Freitag in die Ressortabstimmung gegangen und liegt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor.

„Die Studien gehen davon aus, dass trotz der zahlreichen Klimaschutzmaßnahmen bereits ab 2030 zusätzlich eine CO2-Abscheidung im Rahmen von CCU und CCS im Megatonnen-Maßstab notwendig sein wird, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen“, heißt es weiter. Zwar müsse die Reduktion von Klimagasen durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien sowie die Erhöhung der Effizienz grundsätzlich Vorrang haben; allerdings gebe es unvermeidliche „Restemissionen“ etwa in der Zementindustrie, die nur durch den Einsatz von CCS oder CCU neutralisiert werden könnten.

CCS steht für „Carbon Capture and Storage“ und meint das Auffangen, Abscheiden und unterirdische Speichern von CO2, das bei industriellen Prozessen entsteht. Als Speicher kommen entweder ausgebeutete Gasfelder oder salzwasserführende Gesteinsschichten im Meeresuntergrund infrage. CCU steht für „Carbon Capture and Utilization“ und meint die Verwertung des aufgefangenen Kohlendioxids in chemischen Prozessen wie zum Beispiel der Produktion von Harnstoff.

„Der Transport von CO2 auf verschiedenen Wegen und die konventionellen geologischen Speicheroptionen sind technisch ausgereift“, heißt es in dem Bericht. In den vergangenen vier Jahren seien keinerlei Unfälle oder Umweltbeeinträchtigungen durch den Betrieb von CCS-Anlagen bekanntgeworden.

Die Techniken waren in Deutschland lange umstritten, da Umweltschützer:innen fürchteten, dass diese zur Verlängerung der Kohleverstromung dienen könnten. Durch den per Gesetz beschlossenen Kohleausstieg ist dieses Argument weggefallen. Offen ist allerdings, ob aufgefangenes CO2 auch in Deutschland eingelagert werden soll. Gegen Pilotanlagen hatte es massive Proteste von Bürger:innen gegeben. Andere Länder, etwa Norwegen, planen dagegen, massiv in die Technik zu investieren.

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