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Grüne ringen um Nachfolge von Spiegel

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Von: Markus Decker

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Fraktionschefinnen mit Potenzial zum Mehr: Britta Haßelmann (Mitte) und Katharina Dröge (rechts) im Dezember 2021. Links: Irene Mihalic. Foto: Kay Nietfeld/dpa.
Fraktionschefinnen mit Potenzial zum Mehr: Britta Haßelmann (Mitte) und Katharina Dröge (rechts) im Dezember 2021. Links: Irene Mihalic. © picture alliance/dpa

Nach dem Rücktritt von Anne Spiegel soll es schnell gehen: Noch vor Ostern wollen die Grünen das Familienministerium neu besetzen. Erste Namen kursieren - klar ist, dass es eine Frau wird.

Am Tag nach dem Rücktritt der bisherigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel suchen die Grünen nach einer Nachfolgerin. Die Parteivorsitzende Ricarda Lang sagte am Dienstag: „Es wird eine Frau.“ Sie erteilte damit Überlegungen eine Absage, wonach es der ehemalige Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter oder Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir werden könnte. Aus der Bundestagsfraktion verlautete, der linke Parteiflügel werde es sich nicht nehmen lassen, erneut eine eigene Vertreterin durchzusetzen. Das bejahte Lang nicht. Unter allen Umständen soll die Entscheidung möglichst bis Ostern fallen.

Chancen hat die ehemalige Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Mit der Berufung der 55-jährigen Thüringerin ins Kabinett war bereits im Dezember gerechnet worden; sie scheiterte dann aber an den Ansprüchen des linken Flügels auf Kabinettsposten. Göring-Eckardt hat auch in der Parteispitze nicht den größten Rückhalt. Als Konsequenz rückte sie auf den Platz von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die Kulturstaatsministerin geworden war.

Fehlerfreiheit ist gefragt

Der große Vorteil Göring-Eckardts wäre ihre Erfahrung. Sie sitzt seit 1998 im Bundestag, wurde zweimal Fraktionsvorsitzende und ist jetzt auch zum zweiten Mal Bundestagsvizepräsidentin. Familienpolitisch bewandert ist die Mutter von zwei Söhnen ebenfalls. Die Grünen könnten sicher sein, dass sie das Amt von Beginn an voll und fehlerfrei ausfüllen würde.

Ähnliches lässt sich von der Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann sagen. Die gebürtige Niederrheinerin, die seit langem in Bielefeld lebt, hat sowohl Erfahrung in der nordrhein-westfälischen Landespolitik als auch in der Bundespolitik. Überdies gilt die 60-Jährige als uneigennützig und beliebt. Zwar ist die Mutter eines Sohnes familienpolitisch eher nicht in Erscheinung getreten. Doch als langjährige Fraktionsgeschäftsführerin hat sie auch dieses Thema im Prinzip drauf. Haßelmanns Problem: Sie zählt wie Göring-Eckardt nicht zum linken Flügel. Auch wäre sie an der Fraktionsspitze nicht so ohne weiteres zu ersetzen.

Links ist ein Plus

Ebenfalls genannt wird Co-Fraktionschefin Katharina Dröge. Die 37-Jährige aus Köln gilt als fähig und zählt zum linken Flügel. Allerdings ist unklar, ob die Mutter von zwei kleinen Kindern das Amt anstrebt. Außerdem ist sie erst nach der Regierungsbildung Fraktionsvorsitzende geworden. Der Eintritt ins Bundeskabinett wäre der zweite Karriereschritt binnen kurzer Zeit – und insofern mit einem Risiko behaftet, für sie und die Partei. Ein Insider sagt: „Katharina Dröge macht einen sehr guten Job als Fraktionsvorsitzende. Aber in der Familienpolitik ist sie mir nicht aufgefallen.“

Außenseiterchancen hat Ekin Deligöz aus Bayern. Sie ist Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium und steht nicht zuletzt deshalb gut im Stoff. Freilich ist Deligöz eher unbekannt und ohnehin keine, die zwingend die Öffentlichkeit sucht. Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Aminata Touré, hat unterdessen bereits abgesagt. „Ich bleibe in Schleswig-Holstein“, sagte sie am Dienstag.

Nachdem es im Dezember wegen der Besetzung der grünen Ministerämter parteiintern das erste Mal seit Monaten Streit gegeben hatte, hielten sich Spitzenleute am Dienstag bedeckt. Denn die Spiegel-Nachfolge muss sitzen.

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