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Großes Fressen

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Von: Johanna Apel

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55 Kilo Fleisch isst man in Deutschland pro Kopf.
55 Kilo Fleisch isst man in Deutschland pro Kopf. © dpa

Studie: Der Fleischkonsum nimmt zu – und belastet die Umwelt immer stärker.

Der Hunger nach Fleisch wird zu einem globalen Problem. Laut einer Studie der Unternehmensberatung „PWC Strategy&“ wird die Produktion tierischer Nahrungsmittel zunehmend zu einer Gefahr für die Welternährung. Die Nahrungsmittelindustrie sei mittlerweile für zwei Drittel des globalen Frischwasserverbrauchs verantwortlich, heißt es in der Studie „The Coming Sustainable Food Revolution“. Nicht nur das: Auch drei Viertel der Nährstoffbelastung in Gewässern und ein Viertel aller Treibhausgasemissionen schreiben die Studienmacher:innen der Produktion von Nahrungsmitteln zu.

Hinzu kommt, dass die Weltbevölkerung wächst. Lebten 1960 noch drei Milliarden Menschen auf der Erde, sind es mittlerweile acht Milliarden. Da mehr Menschen auch mehr essen, halten die PWC-Fachleute ein Umsteuern in der Nahrungsmittelproduktion für dringend notwendig. Das aktuelle System sei nicht belastbar, heißt es. Das habe auch der Krieg in der Ukraine gezeigt: Der habe ausgereicht, um einen dramatischen Anstieg der weltweiten Nahrungsmittelpreise auszulösen.

Der Studie zufolge spielt der Fleischkonsum eine zentrale Rolle. Aktuell benötigt die Produktion von Steaks, Schnitzel und Co. enorme Flächen. Rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen würden derzeit direkt oder indirekt für die Fleischproduktion verwendet, heißt es. Gleichzeitig werde dabei jedoch nur elf Prozent des weltweiten Kalorienverbrauchs gedeckt.

Auch Umwelt- und Tierschützer:innen verweisen regelmäßig auf den zunehmenden Fleischkonsum und seine Auswirkungen. Laut der Naturschutzorganisation Nabu hat sich die globale Fleischproduktion in den vergangenen Jahrzehnten vervierfacht. Neben Folgen für das Klima oder dem Artensterben sei das auch alleine schon aus gesundheitlicher Perspektive ein Problem, so der Nabu.

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft lag der geschätzte Fleischverzehr 2021 in Deutschland bei 55 Kilo pro Kopf. Das ist weniger als noch 2020 und tendenziell geht der Fleischkonsum in Deutschland zurück – allerdings war er ab den 1960ern deutlich gestiegen. Und er ist nach wie vor hoch: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurst pro Woche zu essen – was aufs Jahr gerechnet höchstens um die 30 Kilo bedeuten würde. Eine vollwertige Ernährung beruhe auf pflanzlichen Lebensmitteln, so die DGE. Tierische Lebensmittel seien die Ergänzung.

Gleichzeitig setzen immer mehr Deutsche auf vegetarische oder vegane Alternativen. Laut der Ernährungsorganisation Pro Veg International stieg der Konsum von Fleisch- und Wurstalternativen im vergangenen Jahr um 17 Prozent. Das Angebot an fleischlosen Produkten in den Supermarktregalen wächst. Der Marktführer Rügenwalder Mühle verkaufte zuletzt sogar mehr vegetarische Alternativen als Produkte aus Fleisch.

Um die Ernährung der Weltbevölkerung auch in Zukunft sicherzustellen, müssten sich die Essgewohnheiten ändern, schlussfolgert die PWC-Studie. Dabei gehe es nicht unbedingt um den Verzicht auf Fleisch: Schon der Umstieg von Rind- auf Hühnerfleisch könne CO2-Emissionen und Wasserverbrauch eindämmen. Noch größer sei der Effekt allerdings bei einer Umstellung auf vegetarische oder vegane Ernährung.

Daneben gibt es laut der PWC-Studie noch andere Stellschrauben: Ernte und Lieferketten müssten effizienter gemacht werden. Diese Punkte könnten wesentlich dazu beitragen, den wachsenden Bedarf nach Lebensmitteln auf nachhaltige Weise und auch ohne deutliche Preissteigerungen zu sichern, so das Fazit der Studie.

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