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Grenzen der Trauer

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Von: Susanne Ebner

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Der in die königliche Standarte gehüllte Sarg von Königin Elizabeth II. mit der kaiserlichen Staatskrone wird auf einer von Pferden gezogenen Lafette der Royal Horse Artillery vom Buckingham Palace zur Westminster Hall in London getragen.
Der in die königliche Standarte gehüllte Sarg von Königin Elizabeth II. mit der kaiserlichen Staatskrone wird auf einer von Pferden gezogenen Lafette der Royal Horse Artillery vom Buckingham Palace zur Westminster Hall in London getragen. © Daniel Leal/dpa

Die Anteilnahme am Tod von Königin Elizabeth II. ist in Großbritannien riesig. Für die allermeisten Menschen war sie die einzige Monarchin, die sie erlebt hatten. Die 96-Jährige war für viele Britinnen und Briten eine Art Familienmitglied – auch wenn die wenigstens von ihnen sie persönlich getroffen haben. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass die Menschen nach London kommen können, um sich von ihr zu verabschieden.

Die Zeremonien und Prozessionen, die auf den ersten Blick altertümlich oder gar überholt wirken, sind ein entscheidender Schritt, um den Übergang von einem Monarchen zum anderen zu gestalten. Wer denkt, hier gehe es nur um eine berühmte Persönlichkeit, die gestorben ist, irrt: Die Monarchie in Großbritannien stabilisiert die Gesellschaft in unruhigen Zeiten. Während Premierminister und Premierministerinnen kommen und gehen, dazu Wirtschaftskrisen und Kriege die Welt erschüttern, steht sie für Konstanz. Sie gab und gibt Halt.

Anschaulich wurde das zuletzt während der Pandemie im Jahr 2020. Damals hielt die Queen eine Rede, die wohl unvergessen bleiben wird. „Wir bekämpfen diese Krankheit gemeinsam“ und „wir werden uns wiedersehen“, sagte sie damals. Es waren unter anderem diese Worte, die vielen in dieser düsteren Zeit Zuversicht gaben. Elizabeth II. vermittelte, dass wieder bessere Zeiten kommen werden. Das konnte sie auch aufgrund ihrer langen Amtszeit wie keine Zweite. Viele hoffen nun, dass König Charles III. dazu ebenso imstande sein wird. Um das Vertrauen in ihn zu stärken, sind Zeremonien wichtig.

Aber: Bei allem Respekt im Ringen um Kontinuität muss es auch Grenzen der Trauer geben. Wenn einzelne, weil sie sich dieser Tage kritisch zur Monarchie äußern, festgenommen werden, geht das zu weit. Was sie getan haben, mag pietätlos sein, illegal ist es nicht. Dass während der offiziellen Staatstrauer in den Supermärkten die Pieps-Töne der Kassen runtergeregelt werden, kann man kurios finden; aber dass das Parlament nicht tagen kann, sorgt für Verunsicherung in einem Land, das nach einem zähen Wahlkampf endlich wissen will, wie es angesichts explodierender Energiepreise über den Winter kommen soll. Gerade kleine Unternehmen bangen um ihre Zukunft. Zwar hatte Premierministerin Liz Truss ein Hilfspaket ab Oktober in Aussicht gestellt, doch das Datum wird wohl nicht eingehalten werden können. Es ist fraglich, ob die Queen das gewollt hätte.

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