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Geputzt wird schwarz

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Von: Christoph Höland

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Etwa vier Millionen Haushalte in Deutschland haben Schätzungen zufolge eine Haushaltshilfe.
Etwa vier Millionen Haushalte in Deutschland haben Schätzungen zufolge eine Haushaltshilfe. © Leopold Nekula/Imago

Die meisten Haushaltshilfen in Deutschland sind nicht angemeldet. Die Koalition will bald ein Gutscheinsystem einführen, um das zu ändern.

In Deutschland arbeiten neun von zehn Haushaltshilfen schwarz. Das zeigen neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegen. „Rund 3,6 Millionen Haushalte in Deutschland beschäftigen jemanden, ohne die Tätigkeit offiziell anzumelden“, schreibt das IW-Team um Christina Anger und Dominik Ernste.

Die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler haben Licht ins Dunkel der Schwarzarbeit gebracht, indem sie Umfrageergebnisse mit der Zahl gemeldeter Arbeitsverhältnisse abgeglichen haben. Rechnerisch dürften demnach vier Millionen Haushalte Hilfe in Anspruch nehmen – den Behörden bekannt seien aber nur 400 000 entsprechende Arbeitsverhältnisse, 330 000 davon Minijobs.

Laut Anger und Ernste greifen vor allem Besserverdienerinnen und Besserverdiener auf Haushaltshilfen zurück. Das monatliche Durchschnittseinkommen in Haushalten mit Hilfskraft betrage 4800 Euro – und liege damit deutlicher höher als bei Haushalten ohne Aushilfe. Auch kämen in Haushalten mit pflegebedürftigen Personen wesentlich mehr Haushaltshilfen als andernorts zum Einsatz.

Die Schwarzarbeit birgt Risiken, wie Ernste und Anger warnen: Neben dem Entdeckungsrisiko müssten unter der Hand Beschäftigte mit einem fehlenden Versicherungsschutz und ohne soziale Absicherung leben, betonen die Forscherin und der Forscher vom arbeitgebernahen IW.

Abhilfe soll ein Gutscheinsystem schaffen: Bei diesem würde der Staat das Gehalt der Haushaltshilfen quasi aufstocken. So würde ein Anreiz zur Anmeldung entstehen – „womöglich ohne nennenswerte fiskalische Effekte“, wie Anger und Ernste betonen. Denn die Kosten der Gutscheine könnten ihnen zufolge durch die Verminderung der Schwarzarbeit und eine Steigerung der Erwerbstätigkeit bei den Auftraggebern der Haushaltshilfen ausgeglichen werden.

Die Einführung des Gutscheinmodells haben sich SPD, Grüne und FDP ausweislich des Koalitionsvertrags vorgenommen. Bis 2000 Euro pro Haushalt könnte der Staat jährlich beisteuern, hatte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Januar erklärt. Abrechnung und Anmeldung bei der Sozialversicherung sollen mit Hilfe einer App erleichtert werden. Dem RND bestätigte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums, dass das Gutscheinsystem bereits 2023 starten soll.

Anger und Ernste betonten zugleich, dass der Einsatz von Haushaltshilfen zahlreiche Vorzüge birgt: Weil Frauen weiterhin in den meisten Paarhaushalten mehr als die Hälfte der anfallenden Sorgearbeit erledigten, sei die Lebenszufriedenheit bei Paaren mit Haushaltshilfe höher. Auch hätten frühere Untersuchungen gezeigt, dass die Erwerbstätigkeit besonders von Frauen höher sei, wenn sie im Haushalt Hilfe bekämen.

Eine private Haushaltshilfe können Auftraggeberinnen und Auftraggeber schon jetzt vergleichsweise unkompliziert über das Internet anmelden, möglich ist das bei der Minijobzentrale.

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