1. Startseite
  2. Hintergrund

Geliebtes Grünzeug

Erstellt:

Von: Susanne Ebner

Kommentare

Gäste denken auch an den eigenen Garten.
Gäste denken auch an den eigenen Garten. © Imago Images

Chelsea Flower Show: die Gartenschau in London ist ein Highlight für viele Britinnen und Briten.

Liebevoll bepflanzte Blumentöpfe stehen vor Hauseingängen. In verträumt anmutenden Hinterhof-Gärten blühen Rosen und in fast jedem Lebensmittel-Laden kann man auch Blumenerde kaufen. Wer durch Londons Straßen spaziert, erkennt, dass für die Brit:innen ihre liebste Zeit im Jahr begonnen hat: die Gartensaison.

Neue Anregungen können sich diese ab heute bei der Chelsea Flower Show im Zentrum Londons holen, eine der größten Gartenmessen weltweit. Pandemiebedingt findet sie zum ersten Mal seit drei Jahren wieder im Frühjahr statt. Bis zum 28. Mai werden Tausende Gäste auf dem Gelände des Royal Hospitals Chelsea erwartet. Die Messe zeigt 39 Gärten, davon 13 Schaugärten, deren Erstellung teils bis zu einer halben Million Pfund (590 000 Euro) gekostet haben soll.

Porträt zu Ehren der Queen

Ein wichtiges Thema der Schau ist laut den Veranstaltern, welche Rolle der Garten für die psychische Gesundheit spielt. Ein Aspekt, dem man sich in Großbritannien wegen Corona bewusster wurde. Galten die Menschen im Land schon vor der Pandemie als begeistert vom Pflanzen und Trimmen, haben sie 2021 in Folge strenger Lockdowns noch mehr Geld in private Grünflächen investiert: 2021 durchschnittlich umgerechnet knapp 790 Euro pro Person. Ein Höhepunkt der Schau ist zudem ein in purpur gehaltenes florales Porträt der Queen, zu Ehren ihres 70. Thronjubiläums.

Obwohl die Queen viele historische Ereignisse erleben durfte, die Anfänge der Chelsea Flower Show zählen nicht dazu. Die erste Garten- und Landschaftsmesse der Royal Horticultural Society (RHS / „Königliche Gartenbaugesellschaft“), fand 1862 im Stadtteil Kensington statt. Es war eine Zeit, als sogenannte Pflanzenjäger exotische Gewächse aus allen Teilen der Welt nach London brachten. Das Sammeln und Ausstellen von Orchideen wurde zum Hobby, das Mitglieder des Adels und reicher Schichten mit großem Ehrgeiz verfolgten. Damit die Tropenpflanzen gedeihen konnten, gaben sie ein Vermögen für aufwändige Gewächshäuser aus, die mit Kohle beheizt wurden.

Angesichts des Klimawandels haben sich die Prioritäten der Chelsea Flower Show mittlerweile verschoben. Dieses Jahr setzt man auf Nachhaltigkeit und die Frage, wie man Landschaften wieder wilder gestalten kann. Um natürliche Gärten also, in denen Bienen und andere Insekten Nahrung finden. Ideen, die sich mit dem im 18. Jahrhundert entstandenen berühmten englischen Gärten verbinden lassen, mit ihren an der Natur orientierten, geschwungenen Wegen.

Damals wie heute gedeihen in Großbritannien, bedingt durch den Golfstrom, Pflanzen, die man sonst in Nordeuropa nur schwerlich am Leben halten kann. Wohl ein weiterer Grund, warum Britinnen und Briten ihre Gärten so lieben. Wie weit die Liebe geht, zeigt das Angebot einer Hotline der RHS. Dort kann man sich nicht nur Tipps zur Gartenpflege holen. Fachleute spenden auch Trost, falls eine Pflanze bei bester Pflege doch einmal eingegangen ist.

Auch interessant

Kommentare