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Gelber Riese in der Krise

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Von: Johanna Apel

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DHL-Zustellbasis in Köln.
DHL-Zustellbasis in Köln. © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Deutschen Post fehlt Personal, viele Briefe kommen deshalb verspätet an. Der Konzern sollte sich Gedanken machen, wie er attraktiver wird. Ein Kommentar.

Jetzt also auch noch die Post. Nach dem Chaos an den Flughäfen und den Dauerproblemen bei der Bahn sorgt eine weitere Branche der Daseinsvorsorge für Frust. Die Zustellung von Briefen und teilweise auch Paketen ruckelt, Empfängerinnen und Empfänger müssen sich in Geduld üben, die Beschwerden bei der Post und ihrer Tochter DHL nehmen zu.

Die Gründe dafür sind vielfältig, vor allem fehlt das nötige Personal. Das Management verweist auf die Corona-Pandemie, die noch immer höhere Krankenstände verursache. Aber auch sonst scheint es dem Bonner Konzern schwerzufallen, Leute für den Job zu begeistern. Post und DHL suchen händeringend Personal – und haben außerdem Probleme, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu halten.

Der gelbe Riese muss sich Gedanken machen, wie er als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden kann, beispielsweise durch mehr entfristete Verträge. Zwar haben Post- und DHL-Beschäftigte innerhalb der Logistikbranche mit die besten Arbeitsbedingungen – aber neben Amazon & Co. lässt es sich eben leicht glänzen.

Kundinnen und Kunden werden wohl auch im nahenden Weihnachtsgeschäft Geduld brauchen. Früh zu bestellen, könnte eine Lösung sein. Oder das eigene Einkaufs- und Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Dürfen wir wirklich erwarten, nahezu jeden Artikel der Welt binnen 24 Stunden an die eigene Haustür geliefert zu bekommen – nur um die Hälfte davon wieder zurückzuschicken? Oder sollten wir nicht endlich über die Kehrseite dieser „Amazonisierung“ nachdenken? So groß der Ärger über verspätet ankommende Päckchen und Pakete im Einzelfall auch sein mag – die Umweltbelastung durch das Onlineshopping und das Sterben der Innenstädte sind weitaus größere Ärgernisse.

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