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Gefährliche Rohstoffbranche

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Von: Stefan Scholl

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Auffällig viele Topmanager, die für oder mit dem russischen Ölkonzern Gazprom arbeiteten, sind tot.
Auffällig viele Topmanager, die für oder mit dem russischen Ölkonzern Gazprom arbeiteten, sind tot. © Maksim Konstantinov/dpa

Unfälle und plötzliche Krankheiten: Derzeit sterben auffallend viele Topmanager russischer Energiefirmen

Rawil Maganow, 67, fiel am 1. September aus dem Fenster der sechsten Etage eines Moskauer Krankenhauses. Der Aufsichtsratschef des Ölkonzerns Lukoil war herzkrank, die Polizei vermutet Suizid. Aber der Moskauer Energieexperte Michail Krutichin zitiert die Krimi-Heldin Miss Marple: „An einen Zufall glaube ich, aber nicht an zwei hintereinander“. Und seit Anfang des Jahres kamen sieben Topmanager der russischen Rohstoffbranche auf sonderbare Weise um.

Das Sterben begann im Januar mit Leonid Schulman, 60. Der Chef der Transportfirma „Gazprom Invest“ wurde tot in der Badewanne eines Landhauses bei Wyborg gefunden, mit Messer und Abschiedsbrief. Dann entdeckte man in einer Garage in derselben Gegend die Leiche Alexander Tjuljakows, 61, Sicherheitschef der Gazprom-Abrechnungszentrale, ebenfalls mit Abschiedsbrief. Er war vorher verprügelt worden. Wladislaw Awajew, 51, lag mit Frau und Tochter tot in seiner Moskauer Wohnung; der Exvizepräsident der Gazprombank soll erst seine Familie und dann sich ermordet haben.

Sergei Protossenja, 43, ehemaliger stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des mit Gazprom konkurrierenden Privatkonzerns Nowatek, starb in seiner spanischen Villa – ebenfalls ein Suizid, doch vorher soll er seine Frau und Tochter mit Messer und Axt getötet haben. Alexander Subbotin, 43, früher Verwaltungsratsmitglied von Lukoil, erlitt laut Polizei einen tödlichen Herzinfarkt – im Haus eines Wunderheilers bei Moskau. Und am 5. Juli schwamm Juri Woronow, 61, Chef der Logistikfirma Astra-Schilling, die mit Gazprom kooperierte, tot im Swimmingpool eines Landhauses bei Petersburg: Kopfschuss.

Russlands Medien ignorieren das große Sterben um Gazprom, unabhängige Experten aber verdächtigen Putins Geheimdienste. Krutichin sagt, die Toten seien in ihren Jobs über die Geldströme informiert gewesen, die in die Taschen politischer Entscheidungsträger:innen flossen. „Solche Leute laufen Gefahr, sozusagen Opfer von Selbstmord zu werden.“ Dass auch Frauen und Kinder umkamen, soll wohl abschrecken. Der Ex-Geheimdienstler Gennadi Gudkow glaubt, die Staatsorgane wollten so eine Massenflucht gut informierter Insider verhindern. (Stefan Scholl)

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