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Proteste auf den Philippinen

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Von: Silvia Bielert

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Auf den Philippinen wurden die Menschen Jahrzehnte von einem Diktator regiert, den sie 1986 stürzten. Es folgte eine Phase der Demokratie, bis im Jahr 2016 eine neue Schreckensherrschaft entstand. Präsident Duterte hielt willkürliche Erschießungen auf offener Straße für ein probates Mittel im Kampf gegen Drogenkriminalität. Nach seinem Abdanken übernimmt nun der Sohn des früheren Diktators Marcos die Macht.

Präsident Ferdinand Marcos und seine Frau Imelda – hier bei einer Veranstaltung am 15. November 1985 in Manila – sind die Eltern von Ferdinand Marcos Jr., der 2022 zum Präsidenten der Philippinen gewählt wird. Marcos Senior war ein Diktator, der seit 1972 unter Kriegsrecht regierte.
1 / 12Präsident Ferdinand Marcos und seine Frau Imelda – hier bei einer Veranstaltung am 15. November 1985 in Manila – sind die Eltern von Ferdinand Marcos Jr., der 2022 zum Präsidenten der Philippinen gewählt wird. Marcos Senior war ein Diktator, der seit 1972 unter Kriegsrecht regierte. © Romeo Gacad/afp
Im Januar 1986 tragen Anhänger der oppositionellen Präsidentschaftskandidatin Corazon Aquino bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Manila T-Shirts, auf denen sie ein Ende der 20-jährigen Herrschaft des Präsidenten Ferdinand Marcos fordern. Ihr Wunsch wird erfüllt. Im Februar 1986 wird Marcos Senior aus dem Amt gejagt. Die neue Präsidentin heißt Maria Corazon Sumulong Cojuangco Aquino.
2 / 12Im Januar 1986 tragen Anhänger der oppositionellen Präsidentschaftskandidatin Corazon Aquino bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Manila T-Shirts, auf denen sie ein Ende der 20-jährigen Herrschaft des Präsidenten Ferdinand Marcos fordern. Ihr Wunsch wird erfüllt. Im Februar 1986 wird Marcos Senior vom Volk aus dem Amt gejagt. Marcos setzten sich daraufhin samt Familie und möglicherweise einem Milliardenvermögen nach Hawaii ab. Möglich machte das der amerikanische Präsident Ronald Reagan. Die neue Präsidentin heißt Maria Corazon Sumulong Cojuangco Aquino. © Romeo Gacad/afp
Doch mit dem Diktatorenpaar verschwinden nicht automatisch auch diejenigen, die in der Gunst des Diktators Marcos standen. So verbindet etwa den ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte (links) und seinen Nachfolger im Präsidentenamt, Ferdinand „Bongbong“ Marcos (rechts), Sohn des ehemaligen Diktators Ferdinand Marcos, eine alte familiäre Freundschaft. Duterte war, als das Bild im Juni 2016 in Davao City im Süden der Philippinen entstand, gerade neu zum Präsidenten gewählt.
3 / 12Doch mit dem Diktatorenpaar verschwinden nicht automatisch auch diejenigen, die in der Gunst des Diktators Marcos standen. So verbindet etwa den ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte (links) und seinen Nachfolger im Präsidentenamt, Ferdinand „Bongbong“ Marcos (rechts), Sohn des ehemaligen Diktators Ferdinand Marcos, eine alte familiäre Freundschaft. Duterte war, als das Bild im Juni 2016 in Davao City im Süden der Philippinen entstand, gerade neu zum Präsidenten gewählt. © Kiwi Bulaclac/Davao City Mayor/afp
Und auch die ehemaligen First Lady Imelda Marcos kehrt nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1989 zurück auf die Philippinen und startet eine neue politische Karriere. Das fanden nicht alle Filipinos gut. Hier tragen Demonstranten im September 1999 die wenig schmeichelhaften Abbilder der Marcos (links) und des damaligen Präsidenten Joseph Estrada (rechts) auf Bambusstäben. Mit ihrem Marsch zum Präsidentenpalast in Malacanang gedachten etwa 10.000 Demonstranten des 27. Jahrestages der Verhängung des Kriegsrechts durch den verstorbenen Diktator Ferdinand Marcos am 21. September 1972.  Sie vergleichen Präsident Estrada mit dem Diktator Marcos. Auch Estrada plante, die Verfassung zu ändern, um sich an der Macht zu halten.
4 / 12Und auch die ehemaligen First Lady Imelda Marcos kehrt nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1989 zurück auf die Philippinen und startet eine neue politische Karriere. Das fanden nicht alle Filipinos gut. Hier tragen Demonstranten im September 1999 die wenig schmeichelhaften Abbilder der Marcos (links) und des damaligen Präsidenten Joseph Estrada (rechts) auf Bambusstäben. Mit ihrem Marsch zum Präsidentenpalast in Malacanang gedenken etwa 10.000 Demonstranten des 27. Jahrestages der Verhängung des Kriegsrechts durch den verstorbenen Diktator Ferdinand Marcos am 21. September 1972. Sie vergleichen Präsident Estrada mit dem Diktator Marcos. Auch Estrada plante, die Verfassung zu ändern, um sich an der Macht zu halten. © Romeo Gacad/afp
Nicht lange nach Beginn seiner Amtszeit, im November 2016, lässt Präsident Rodrigo Duterte den 1986 aus dem Amt gejagten und 1989 in Hawaii gestorbenen Diktator Ferdinand Marcos mit allen Ehren auf dem Heldenfriedhof in Manila beerdigen. Das kommt einer Reinwaschung gleich. Diese Studenten finden das skandalös. Mit Anti-Marcos-Slogans demonstrieren sie in der Nähe des Malacanang-Palastes. Sie fordern Präsident Rodrigo Duterte und den Obersten Gerichtshof auf, den Leichnam des ehemaligen Präsidenten vom Heldenfriedhof zu entfernen.
5 / 12Nicht lange nach Beginn seiner Amtszeit, im November 2016, lässt Präsident Rodrigo Duterte den 1986 aus dem Amt gejagten und 1989 in Hawaii gestorbenen Diktator Ferdinand Marcos mit allen Ehren auf dem Heldenfriedhof in Manila beerdigen. Das kommt einer Reinwaschung gleich. Diese Studenten finden das skandalös. Mit Anti-Marcos-Slogans demonstrieren sie in der Nähe des Malacanang-Palastes. Sie fordern Präsident Rodrigo Duterte und den Obersten Gerichtshof auf, den Leichnam des ehemaligen Präsidenten vom Heldenfriedhof zu entfernen. © Ted Aljibe/afp
Und es kommt schlimmer: Präsident Rodrigo Duterte führt einen blutigen Anti-Drogen-Krieg, lässt angebliche Drogenhändler und -konsumenten einfach von der Polizei erschießen, oft auf offener Straße. Ein ordentliches Gerichtsverfahren bekommen die Beschuldigten nicht. Viele Tausend Opfer fordern Dutertes „extra-judicial killings“. Dagegen protestieren die Filipinos immer wieder – wie hier am Internationalen Tag der Menschenrechte in Manila Ende 2019. Die Hinrichtungen angeblicher Drogenkonsumenten durch die Polizei sowie durch unbekannte Verdächtige sind auch Gegenstand einer Voruntersuchung des Staatsanwaltes des Internationalen Strafgerichtshofs.
6 / 12Und es kommt schlimmer: Präsident Rodrigo Duterte führt einen blutigen Anti-Drogen-Krieg, lässt angebliche Drogenhändler und -konsumenten einfach von der Polizei erschießen, oft auf offener Straße. Ein ordentliches Gerichtsverfahren bekommen die Beschuldigten nicht. Viele Tausend Opfer fordern Dutertes „extra-judicial killings“. Dagegen protestieren die Filipinos immer wieder – wie hier am Internationalen Tag der Menschenrechte in Manila Ende 2019. Die Hinrichtungen angeblicher Drogenkonsumenten durch die Polizei sowie durch unbekannte Verdächtige sind auch Gegenstand einer Voruntersuchung des Staatsanwaltes des Internationalen Strafgerichtshofs. © Maria Tan/afp
Im Februar 2018 feiert die „People Power“-Revolution ihren 32. Jahrestag. Mit ihr hatten die Bürger 1986 den Diktator und Kleptokraten Ferdinand Marcos nach 20-jähriger Herrschaft aus dem Amt gejagt. Marcos setzten sich daraufhin samt Familie und einem Milliardenvermögen nach .... ab. 2018 hängen Demonstranten Plakate und Blumen an die mit Stacheldraht gesicherte Absperrung an der Zufahrt zum Präsidentenpalast. Sie werfen Marcos‘ Nachfolger, Rodrigo Duterte, „schleichende Diktatur vor“ und fordern seine Absetzung. Erreicht haben sie das nicht. Duterte führt sein blutiges Regiment bis Ende Juni 2022 fort.
7 / 12Im Februar 2018 feiert die „People Power“-Revolution ihren 32. Jahrestag. Mit ihr hatten die Bürger 1986 den Diktator und Kleptokraten Ferdinand Marcos nach 20-jähriger Herrschaft aus dem Amt gejagt. 2018 hängen Demonstranten in Erinnerung daran Plakate und Blumen an die mit Stacheldraht gesicherte Absperrung an der Zufahrt zum Präsidentenpalast. Sie werfen Marcos‘ Nachfolger, Rodrigo Duterte, „schleichende Diktatur vor“ und fordern seine Absetzung. Erreicht haben sie das nicht. Duterte führt sein blutiges Regiment bis Ende Juni 2022 fort. © Bullit Marquez/afp
Dutertes Schreckensregime nähert sich nach sechs Jahren dem Ende. Doch für die Angehörigen der Opfer des blutigen Drogenkrieges ist es noch lange nicht vorbei. Offizielle Daten zeigen, dass in dieser Zeit mehr als 6.200 Menschen bei Polizeieinsätzen zur „Drogenbekämpfung“ gestorben sind. Am 10. Juni 2022 werden Leichen auf dem Bagbag-Friedhof in Novaliches (Metropole Manila) exhumiert. Angehörigen von Drogenkriegsopfern beten. Mit dabei: Pater Flavie Villanueva (Mitte), der wegen seiner Kritik an Präsident Rodrigo Duterte Morddrohungen erhalten hat und wegen Volksverhetzung angeklagt wurde.
8 / 12Dutertes Schreckensregime nähert sich nach sechs Jahren dem Ende. Doch für die Angehörigen der Opfer seines blutigen Drogenkrieges ist es noch lange nicht vorbei. Offizielle Daten zeigen, dass in dieser Zeit mehr als 6.200 Menschen bei Polizeieinsätzen zur „Drogenbekämpfung“ gestorben sind. Am 10. Juni 2022 werden Leichen auf dem Bagbag-Friedhof in Novaliches (Metropole Manila) exhumiert. Angehörigen von Drogenkriegsopfern beten. Mit dabei: Pater Flavie Villanueva (Mitte), der wegen seiner Kritik an Präsident Rodrigo Duterte Morddrohungen erhalten hat und wegen Volksverhetzung angeklagt wurde. © Jam Sta Rosa/afp
Exhumiert wurde in Manila etwa Rodzon Enriquez, der vor fünf Jahren getötet wurde. Seine sterblichen Überreste werden in einem Leichensack transportiert. Viele der im Drogenkrieg der Regierung Getöteten wurden in so genannten „Apartment“-Gräbern beigesetzt. Die stapeln sich auf den überfüllten Friedhöfen der Hauptstadt meterhoch. Für fünf Jahre zahlen die Hinterbliebenen 5000 Pesos, etwa 100 US-Dollar, Miete.
9 / 12Exhumiert wurde in Manila etwa Rodzon Enriquez, der vor fünf Jahren getötet wurde. Seine sterblichen Überreste werden in einem Leichensack abtransportiert. Viele der im Drogenkrieg der Regierung Getöteten wurden in so genannten „Apartment“-Gräbern (Hintergrund) beigesetzt. Die stapeln sich auf den überfüllten Friedhöfen der Hauptstadt meterhoch. Für fünf Jahre zahlen die Hinterbliebenen 5000 Pesos, etwa 100 US-Dollar, Miete. © Jam Sta Rosa/afp
Maria Ressa ist philippinische Journalistin und wurde 2021 mit dem Friedensnobelpreises für ihren Einsatz zum Schutz der freien Meinungsäußerung in ihrem Heimatland ausgezeichnet. Sie ist die Mitgründerin der Nachrichten-Website „Rappler“ in der Stadt Pasig im Großraum Manila. Im Juli dieses Jahres kämpft Ressa darum, nicht ins Gefängnis zu müssen, während ihre 2012 gegründete Nachrichten-Website Rappler vor der Schließung steht.
10 / 12Maria Ressa ist philippinische Journalistin und wurde 2021 mit dem Friedensnobelpreises für ihren Einsatz zum Schutz der freien Meinungsäußerung in ihrem Heimatland ausgezeichnet. Sie ist die Mitgründerin der Nachrichten-Website „Rappler“ in der Stadt Pasig im Großraum Manila. Im Juli dieses Jahres kämpft Ressa darum, nicht ins Gefängnis zu müssen, während ihre 2012 gegründete Nachrichten-Website Rappler vor der Schließung steht. © Jam Sta Rosa/afp
Angehörige von Opfern außergerichtlicher Tötungen („extra-judicial killings“) nehmen am 29. Oktober 2021 in der Menschenrechtskommission in Manila an einem Gedenkgottesdienst vor Allerseelen teil, um ihrer Angehörigen zu gedenken, die im Krieg der Regierung gegen die eigenen Bürger getötet wurden.
11 / 12Angehörige von Opfern außergerichtlicher Tötungen („extra-judicial killings“) nehmen am 29. Oktober 2021 in der Menschenrechtskommission in Manila an einem Gedenkgottesdienst vor Allerseelen teil, um ihrer Angehörigen zu gedenken, die im Krieg der Regierung gegen die eigenen Bürger getötet wurden. © Jam Sta Rosa/afp
Die Menschen der Philippinen kommen nicht zur Ruhe. Sie glauben nicht an eine positive Veränderung für ihr Land durch den neu gewählten Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. Anlässlich seiner ersten Rede demonstrieren sie im Juli 2022 in Quezon City, einem Vorort von Manila.
12 / 12Die Menschen der Philippinen kommen nicht zur Ruhe. Sie glauben nicht an eine positive Veränderung für ihr Land durch den neu gewählten Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. Anlässlich seiner ersten Rede demonstrieren sie im Juli 2022 in Quezon City, einem Vorort von Manila. © Ted Aljibe/afp

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