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Flitzer raus aus der Hitze

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Von: Johanna Apel

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Oh, es ist so warm. Kühl und gemütlich wirkt dieser Rückzugsort allerdings nicht.
Oh, es ist so warm. Kühl und gemütlich wirkt dieser Rückzugsort allerdings nicht. © picture-alliance/ ZB

Die Akkus von E-Autos reagieren auf hohe Temperaturen. Wer kann, gönnt dem Wagen Schatten.

Keine Frage, es wird heiß: In den kommenden Tagen erwartet Deutschland Temperaturen weit über 30 Grad. Wer mit dem Auto unterwegs ist, weiß, was das bedeutet: Steht der Wagen auch nur für eine Weile in der Sonne, kann es darin unerträglich heiß werden. Der ADAC warnt deshalb regelmäßig davor, Kinder oder Tiere im Auto zurückzulassen.

Wer elektrisch unterwegs ist, muss bei den hohen Temperaturen auch etwas ganz anderes bedenken: Der Akku eines E-Autos reagiert auf Temperaturen. Nach ADAC-Angaben liegt seine „Wohlfühltemperatur“ nämlich zwischen 20 und 40 Grad. In diesem Bereich könne er seine volle Energie-Kapazität entfalten, heißt es. Das kann zunächst im Winter problematisch sein, da das Aufwärmen des Akkus mehr Strom frisst. Messungen des ADAC zeigen, dass viele E-Autos dann an Reichweite einbüßen.

Dass warme Temperaturen für die Reichweite von E-Autos deshalb besser sind, bestätigt auch Sören Ziems, der gemeinsam mit Wilfried Röper und Gowry Sivaganeshamoorthy das Start-Up Elvah gegründet hat, das eine Ladesäulen-App anbietet. „Im Sommer laden die Akkus also schneller und E-Autos kommen sogar noch weiter“, sagt er.

Allerdings können zu hohe Temperaturen auch Tücken haben: „Der Akku verträgt extreme Hitze nicht so gut und kann zur Schwachstelle werden“, so Ziems. Bis 50 Grad bestehe zwar keine Gefahr, dass der Akku Schaden nehmen könne. Allerdings leide die Speicherkapazität: „Bei manchen E-Autos verkürzt sich die Reichweite schon bei 35 Grad Außentemperatur, aber nur um etwa vier Prozent“, so der Elvah-Chef.

Er verweist zudem auf die Klimaanlage, die an heißen Sommertagen oft zum Einsatz kommt. Ist sie angeschaltet, verbrauche ein E-Auto zehn bis 15 Prozent mehr Leistung, sagt Ziems. Deshalb sei es sinnvoll, an anderer Stelle Energie zu sparen – etwa, indem weniger häufig beschleunigt und die Kühlung nicht so oft schnell aktiviert wird. Was er ebenfalls rät: Das E-Auto absichtlich langsamer zu laden, da so die Temperatur stabiler bleibe und die Reichweite sich erhöhe. Auch sei es sinnvoll, den Akku nicht ganz vollzuladen.

Was viele Autofahrerinnen und Autofahrer im Sommer sowieso schon aufsuchen, tut auch dem E-Auto gut: Schattige Parkplätze. Dort kann die Akku-Temperatur abgekühlt werden. Das ist nicht nur wegen der vermiedenen Sonneneinstrahlung sinnvoll, sondern auch, weil sich Asphalt ziemlich aufheizen kann.

Für die Kühlung sorgt übrigens auch die Klimaanlage. „Fast jedes moderne E-Auto hat den Akku an die Klimaanlage angeschlossen“, so Ziems. Beim Laden im Hochsommer werde der Akku also dadurch gekühlt. Wenn es nicht anders geht, regele das Fahrzeug dann sogar die Ladegeschwindigkeit herunter. Ein Wechselspiel zwischen Akku und Klimaanlage also, das in Sachen Stromverbrauch und Reichweite zu bedenken ist. Damit der Akku nicht zu heiß wird, steuern Hersteller sowieso schon gegen: So kühlen Tesla-Modelle automatisch den Akku herunter, wenn die Temperaturen zu sehr steigen.

Dass man wegen einer verminderten Reichweite im Hochsommer mit dem E-Auto irgendwo strandet, ist nach Einschätzung von Ziems nicht zu befürchten. „Das Ladenetz in Deutschland ist soweit ausgebaut, dass man egal bei welcher Witterung oder Reichweite gut durchkommt“, sagt er. Nach Elvah-Auswertungen sind beispielsweise auch die Niederlande sehr gut ausgebaut.

Vor einer Urlaubsreise, womöglich noch in heißere Länder wie Spanien oder Griechenland, sollte also gelten: Vorher informieren, wie es um die Ladesäulen im Urlaubsland steht. Und dabei bedenken, dass höhere Temperaturen auch für mehr Stromverbrauch sorgen können.

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