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Endlich Schluss mit Vorkasse?

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Von: Johanna Apel

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Ein entspannter Sommer war es für viele Reisende nicht.
Ein entspannter Sommer war es für viele Reisende nicht. © imago images/Hans Blossey

Angesichts des Flugchaos werden Stimmen aus dem Verbraucherschutz lauter, Vorauszahlungen bei Buchungen abzuschaffen. Die Luftverkehrslobby warnt vor teureren Tickets.

Mit dem Flugzeug in den Urlaub: Was der Beginn einer entspannenden Reise sein sollte, hat diesen Sommer vielen Reisenden Nerven gekostet. Flüge wurden gestrichen, Streiks legten den Flugverkehr lahm, Koffer blieben liegen. Der erste Urlaubstag wurde vielerorts zum Stresstest.

Nun werden Stimmen lauter, der Vorkassenzahlung bei Flugbuchungen ein Ende zu setzen. Das Prinzip Vorkasse müsse abgeschafft werden, sagte die oberste Verbraucherschützerin des Landes, Ramona Pop, kürzlich. „Dieser Sommer hat wieder einmal gezeigt, dass die Luftfahrtbranche keinen Vertrauensvorschuss verdient hat“, so Pop.

Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) will die Praxis auf den Prüfstand stellen. Das Vorkassenprinzip, bei dem der Preis des Flugtickets im Voraus gezahlt wird, sei ein Vertrauensvorschuss der Kund:innen. „Wenn die Fluggesellschaften dem Vertrauen nicht mehr gerecht werden, muss man dieses Prinzip ändern“, so die Ministerin. Zwar setzt sie aktuell darauf, dass die Unternehmen ihren Verpflichtungen auch nachkämen. Aber: „Wir werden das genau kontrollieren.“

Besonders in den vergangenen Wochen, als Airlines Tausende Flüge strichen, hat das Thema Aufwind bekommen. Viele gefrustete Passagiere wollten ihr Geld zurück, was sich auch beim Fluggastrechteportal „Flightright“ bemerkbar macht. In diesem Sommer sei eine „besonders hohe Nachfrage“ verzeichnet worden, sagte ein Sprecher. Flightright informiert über Rückerstattungen und Entschädigungen. Während bei einer Rückerstattung „nur“ der Ticketpreis fällig wird, geht es bei einer Entschädigung um eine zusätzliche Zahlung von bis zu 600 Euro, die Verbraucher:innen beispielsweise bekommen können, wenn der Flug weniger als 14 Tage vor Abreise storniert wird.

Zwar klappt es mit der Rückerstattung deutlich besser, so der Flightright-Sprecher, jedoch selten innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von sieben Tagen. „Entschädigungen werden hingegen nur sehr selten gezahlt“, heißt es. Für Passagiere seien die Rückforderungen ein hoher Aufwand und sie könnten sich gegen die übermächtigen Airlines kaum durchsetzen.

Flightright würde deshalb ein Ende der Vorkasse begrüßen – was die Rückerstattungen angeht. „Wir kritisieren diese Praxis schon seit Jahren, auch weil sie das Insolvenzrisiko der Airlines auf die Passagiere abwälzt“, heißt es.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sieht das jedoch naturgemäß anders. „Vorkasse ist kein Sonderfall im Wirtschaftsleben“, sagte Präsident Matthias von Randow. Auch die Luftfahrt müsse in Vorleistung gehen, beispielsweise mit Blick auf den Sprit. Airlines würden somit Planungssicherheit bekommen.

Bei flexiblen Tickets müssten Airlines einkalkulieren, dass der Platz unter Umständen frei bleibt. „Ohne Vorkasse würden die Tickets also teurer“, so von Randow. „Zudem führt eine große Planungssicherheit zu einer hohen Auslastung der Flugzeuge.“ Damit verbessere sich auch die Klimabilanz eines Fluges. Für ihn steht deshalb fest: „Eine Abschaffung der Vorauskasse würde dem Verbraucher nicht nutzen, sondern schaden.“

Von Randow betont die „umfassende Rechtssicherheit“ für Passagiere. Die Fluggesellschaften des BDL würden bei der Erstattung des Ticketpreises „in aller Regel“ noch unter den gesetzlich vorgeschriebenen sieben Tagen liegen. Zwar habe es 2020 im Zuge der Pandemie vorübergehend Engpässe im Luftverkehr gegeben, was für viele Kund:innen unerfreulich war. „Es ist aber unredlich, diese einzigartige Krise zu einem Anlass zu machen, das System komplett in Frage zu stellen.“

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