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Gestern auf der Museumsinsel: Besucher stehen vor dem Neuen Museum.
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Gestern auf der Museumsinsel: Besucher stehen vor dem Neuen Museum.

Anschlag

Eklatante Sicherheitsmängel

Auf der Berliner Museumsinsel wurden rund 60 Objekte beschädigt. Bisher gibt es keine Hinweise auf die Kriminellen und deren Motive.

Auf der Berliner Museumsinsel sind Dutzende Kunstwerke augenscheinlich mutwillig beschädigt worden. Unter den betroffenen Objekten sind zum Beispiel die Sarkophagwanne des Nehi (18. Dynastie, um 1390-1330 v. Chr) und der Sarkophag des Propheten Ahmose (332-330 v. Chr.). Auf ihnen sind Spritzer einer Flüssigkeit zu erkennen.

Die Beschädigungen ereigneten sich am 3. Oktober. Damit sind staatliche Berliner Museen erneut zum Opfer von Kriminellen geworden und müssen sich bohrende Fragen zur Sicherheit gefallen lassen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) forderte am Mittwoch Aufklärung zur Frage der Sicherheit. Bereits vor drei Jahren wurde die Museumsinsel zum Tatort. Damals wurde eine riesige Goldmünze gestohlen.

Nun ist von dem bisher umfangreichsten Schaden für die Häuser der Museumsinsel die Rede. Insgesamt sind nach Angaben von Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin Museen, 63 Objekte betroffen, darunter drei oder vier Leihgaben. Ein Gesamtschaden könne erst nach Ende der Restaurationsarbeiten benannt werden, sagte Haak gestern während einer Pressekonferenz von Museen und Polizei.

Betroffen sind das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie. Für das Landeskriminalamt sprach der zuständige Kriminaldirektor Carsten Pfohl von rund 3000 Besuchern am 3. Oktober. 650 wurden laut Pfohl angeschrieben und nach Beobachtungen gefragt. Nach Auswertung der Videokameras gibt es keine Hinweise auf Täter. Das bisher befragte Personal hat demnach keine Beobachtungen machen können. Unklar ist auch, ob es mehrere Beteiligte gibt.

Einen Zusammenhang der Objekte oder ein Motiv konnten die Ermittler bisher nicht ausmachen. Bislang gingen die Ermittler eher von einem Einzeltäter oder einer Einzeltäterin aus, könnten aber nicht ausschließen, dass es auch mehrere Täter waren. Kulturstaatsministerin Grütters klang in einer Mitteilung verärgert. Sie betonte, die Staatlichen Museen zu Berlin müssten sich erneut Fragen nach ihren Sicherheitsvorkehrungen stellen lassen. „Ich habe daher den Präsidenten umgehend gebeten, dem Stiftungsrat dazu einen umfassenden Bericht vorzulegen. Es ist zu klären, wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstattengehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen.“

Die vorsätzliche Beschädigung der Kunstwerke verurteile sie aufs Schärfste. Neben der reinen Sachbeschädigung zeige sich bei solchen Angriffen immer auch eine tiefe Verachtung gegenüber Kunstwerken und kulturellen Leistungen insgesamt. „Es gibt berechtigte Hoffnung, dass die entstandenen Schäden beseitigt werden können.“

Vandalismus im Sommer

Grütters wurde nach eigenen Angaben am 6. Oktober vom Stiftungspräsidenten Hermann Parzinger über die Anschläge informiert. „Aus ermittlungstaktischen Gründen und in Abstimmung mit der Polizei hat die Stiftung jedoch zunächst von einer Information der Öffentlichkeit abgesehen“, heißt es weiter.

Ob der Tag der Deutschen Einheit absichtlich als Tatzeit gewählt wurde, war zunächst unklar. Laut Vize-Generaldirektorin Haak gab es im Sommer Fälle von Vandalismus im Kolonnadenhof des Neuen Museums. Drohungen hätten die Museen nicht erhalten. Gemälde wurden nicht beschädigt, allerdings Rahmen in der Alten Nationalgalerie. Immer wieder stellt sich die Frage, wie deutsche Museen gegen Kriminelle geschützt sind. Die Goldmünze „Big Maple Leaf“ mit einem Wert von 3,75 Millionen Euro wurde in der Nacht zum 27. März 2017 aus einer Vitrine gestohlen und mit Schubkarre und Rollbrett abtransportiert. Die Beute ist bis heute verschwunden und wurde vermutlich zerstückelt und verkauft.

Die Museumsinsel und vor allem der dort befindliche Pergamonaltar sind schon länger Gegenstand kruder Verschwörungserzählungen. So hatte zum Beispiel der Vegan-Unternehmer und Verschwörungsideologe Attila Hildmann in den vergangenen Monaten mehrfach Falschbehauptungen über den Pergamonaltar und sogar Aufrufe zu dessen Zerstörung verbreitet. Der Altar sei der „Thron Satans“ und das Pergamon-Museum das „Zentrum der globalen Satanisten-Szene und Corona Verbrecher“ schrieb Hildmann in einer Nachricht in seinem Telegram-Kanal, die auch von dem Sänger und Verschwörungsideologen Xavier Naidoo weiterverbreitet wurde.

Ebenfalls ist in der Nachricht von angeblichen Menschenopfern die Rede, die in dem Museum gemacht würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die unweit von der Berliner Museumsinsel wohnt, wird von Hildmann als „Stasi-Satanistin“ beschimpft und mit den dort angeblich stattfindenden, frei erfundenen Ritualen in Verbindung gebracht. In seinem Telegram-Kanal hat Hildmann die Nachricht mittlerweile gelöscht. In einer weiteren, ebenfalls gelöschten Nachricht verbreitete Hildmann im August einen Aufruf, das Pergamon-Museum zu zerstören.

Dadurch würde die Menschheit „auf einen Schlag frei“. Hildmann veranstaltete im Sommer mehrfach Demonstrationen auf der Museumsinsel. Auch am 3. Oktober gab es Proteste der verschwörungsideologischen Szene in Berlin. Auch in weiteren Chatgruppen der rechtsextremen und verschwörungsideologischen Szene wurden in den vergangenen Monaten solche Botschaften verbreitet. (rnd/dpa//fr)

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