1. Startseite
  2. Hintergrund

„Eine monumentale Aufgabe“

Erstellt:

Von: Susanne Ebner

Kommentare

Auch die Absicherung der Westminster Hall ist eine organisatorische Herausforderung. ANDERSEN / POOL / AFP
Auch die Absicherung der Westminster Hall ist eine organisatorische Herausforderung. ANDERSEN / POOL / AFP © afp

Seit Tagen sind im Zentrum von London Tausende Polizeikräfte im Einsatz, die Proben für das Wochenende laufen auf Hochtouren. Anlässlich der Trauerfeier für Elizabeth II. steigt die Terror-Gefahr

Mit ihren gelben Warnwesten und der Aufschrift „Police“ auf dem Rücken sind Einsatzkräfte der Londoner Polizei im Zentrum der Metropole aktuell omnipräsent. Immer zu zweit patrouillieren sie durch die Straßen und geben Besucherinnen und Besuchern auch zu Dingen Auskunft, die nicht zwangsläufig zu ihrem Aufgabengebiet gehören: Wo befindet sich das Ende der kilometerlangen Schlange? Wo müssen sich Menschen einreihen, wenn sie Königin Elizabeth II. die letzte Ehre erweisen wollen?

Seit dem Tod der Queen und der damit einhergehenden „Operation London Bridge“ sind die Beamt:innen der Metropolitan Police in Aktion – und der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Anlässlich der Trauerfeier am 19. September in der Kathedrale Westminster Abbey muss die Behörde den größten Einsatz aller Zeiten bewältigen. „Es ist eine massive Herausforderung für die Met Police und für mich persönlich“, sagte der erst vor wenigen Wochen neu ernannte Polizeichef Mark Rowley.

War das Sicherheitsrisiko in den vergangenen Tagen hoch, steigt es am kommenden Montag weiter. Das ist zu spüren. Über dem Zentrum der Stadt kreisen Militär-Hubschrauber, bewaffnete Polizisten mit Ferngläsern positionieren sich auf Dächern der Häuser über dem Regierungsviertel. Stets überwacht durch etliche Kameras, drängen sich Massen von Menschen durch die Stadt.

Laut Medienberichten sind über 10 000 Polizist:innen auf den Straßen unterwegs sowie 1500 militärische Einsatzkräfte, darunter Fallschirmjäger, Mitglieder der Royal Navy sowie Personal der Royal Air Force (RAF). Die britischen Geheimdienste, der Inlandsdienst MI5 sowie das „Government Communication Headquarters“ GCHQ sind involviert, genauso wie die Anti-Terror-Polizei.

Die Beerdigung der Monarchin ist der heikelste Tag, weil sich dann nicht nur Millionen Menschen in der Innenstadt aufhalten werden, sondern auch die etwa 2000 Gäste der Trauerfeier in der Westminster Abbey, darunter Hunderte Würdenträger, Monarchen sowie Staats- und Regierungschefinnen und -chefs. Dazu zählen US-Präsident Joe Biden, der kanadische Premierminister Justin Trudeau sowie EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Russland, Belarus sowie Syrien, Venezuela und Afghanistan sind laut Medienberichten nicht zum Staatsbegräbnis eingeladen worden.

„Viele Staatsoberhäupter an einem Ort, das ist eine gefährliche Sicherheitslage“, betonte Timothy Miller, ehemaliger Agent des US-Geheimdienstes. Die Sicherheitsbehörden haben eine „monumentale Aufgabe“ vor sich. Die „größte Sorge“ sei laut Sicherheitsexperte Simon Morgan die Gefahr von Terroranschlägen. Die Bevölkerung wurde deshalb dazu aufgerufen, wachsam zu sein. Der Appell erinnert an die durch Theresa May im Jahr 2016 eingeführte Kampagne „See it, Say it, Sorted“, „Nimm es wahr, melde es und es wird geregelt“, die man in Großbritannien aus Bahnhöfen und Zügen kennt.

Wie hundert Staatsbesuche

Die Besuche der Politiker:innen sollen aber nicht nur sicher, sondern auch reibungslos verlaufen. Ein Beamter verglich dies mit der Organisation von hundert Staatsbesuchen auf einmal. Die Gäste sind dazu angehalten, Linie und nicht Privatjet zu fliegen, aus logistischen Gründen. Um alle Gäste am Montag pünktlich zur Kathedrale zu bringen, sollen Staatschefs von einem geheimen Treffpunkt im Westen der Hauptstadt aus mit Luxusbussen nach Westminster Abbey gefahren werden.

Um den Überblick über solche Operationen zu behalten, wurde unter der Aufsicht des britischen Außenministeriums ein Hauptquartier namens „The Hangar“ eingerichtet. Mehr als 300 Beamte wurden vergangene Woche in dem Moment, als der Tod von Königin Elizabeth II. bekannt wurde, von ihren üblichen Arbeitsplätzen hierher versetzt. Gearbeitet wird seitdem rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag.

Nächtliche Einsätze sind auch nötig, um die Zeremonie zu üben, damit am Montag, dem wichtigsten Tag, alles glattläuft. Und so marschierten in den letzten Tagen vor Sonnenaufgang immer wieder Soldaten in traditionellen Uniformen durch die Straßen des Regierungsviertels. Zuletzt wurde der Marsch anlässlich der Trauerfeier zu Ehren der Queen geprobt. Dabei muss auch der Ablauf mit den Pferden exakt geplant werden, damit es nicht zu gefährlichen Überraschungen kommt.

Auch interessant

Kommentare