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Eine Hommage an den Schöpfer

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Von: Birgit Holzer

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Die Ausstellung zeigt tausende Stücke, geordnet nach Farben.
Die Ausstellung zeigt tausende Stücke, geordnet nach Farben. © Birgit Holzer

Mode ist längst ein Thema in Pariser Museen. In den ehemaligen Arbeitsräumen von Christian Dior befindet sich nun die Galerie Dior – sie zeigt das Leben und die Werke des Couturiers und seiner Nachfolger.

Der Zauber beginnt schon am Eingang. Neben der modernen Wendeltreppe, die drei Stockwerke hinaufführt, scheinen hinter einer verglasten Vitrine kleine Roben und Accessoires in der Luft zu schweben. Die 452 Miniatur-Kleider und insgesamt 1422 Taschen, Hüte und Schuhe sind nach Farben geordnet, beginnend mit weiß über rosa, pink, orange, rot und gelb, weiter oben dann grün, blau und violett und ganz oben schließlich silbergrau. Es ist der effektvolle Anfang einer Schau zum Leben und Werk von Christian Dior und seinen sechs Nachfolgern als Kreativdirektoren in dem von ihm gegründeten Modehaus, das heute nicht mehr eigenständig ist, sondern zum Universum des Luxusgüter-Konzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) gehört.

Als Dauerausstellung auf 2000 Quadratmetern und in 13 Sälen würdigt die Galerie Dior einen der renommiertesten Namen der Pariser Haute Couture. Sie erzählt von seinem Streben nach Perfektion, Eleganz und Verzauberung des Publikums. „Modeschöpfer verkörpern einen der letzten Zufluchtsorte des Wunderbaren. Sie sind auf eine Weise Meister der Träume...“, so drückte er selbst es in seinen Memoiren „Dior und Ich“ aus. Das Zitat ziert eine der Wände.

Aufgewachsen als Sohn eines Großindustriellen in der Normandie, schloss Christian Dior zunächst eine Ausbildung im diplomatischen Dienst ab, bevor er eine Galerie eröffnete, finanziell unterstützt von seinem Vater. Als dessen Unternehmen im Zuge der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmeldete, arbeitete Dior als Illustrator und fertigte Modeskizzen an. Jahre später engagierte ihn der vermögende Textilfabrikant Marcel Boussac für die Gründung eines Haute-Couture-Hauses: 1946 entstand das Unternehmen Christian Dior S.A.

Sein erstes Atelier richtete er in einem eleganten Stadtpalais in der Avenue Montaigne, Nummer 30, nahe der Champs-Élysées ein. Dort befindet sich heute die Galerie Dior, die diese Geschichte anhand etlicher Dokumente, Fotos, Skizzen und Videoausschnitte nachzeichnet. Gleich Diors erste Kollektion im Februar 1947 schlug ein, Journalist:innen rühmten sie als „New Look“: die schmale Taille, die weiten, schwingenden Röcke und großzügige Verwendung wertvoller Materialien – all das stand nach entbehrungsreichen Kriegsjahren für die Lust, aus dem Vollen zu schöpfen. Er wolle, so Dior, „die Frauen nicht nur schöner, sondern glücklicher“ machen.

Diors berühmte Kundschaft

Er wurde zu einem der einflussreichsten Couturiers der Welt und erwies sich zugleich als geschickter Geschäftsmann, der früh auch Parfüms anbot. Zu Dior kamen berühmte Kundinnen wie die Schauspielerinnen Marlene Dietrich, Grace Kelly oder Elizabeth Taylor, was Bilder und Videos in der Schau bezeugen.

Diese geht über die reine Darstellung vom Leben und Schaffen des Designers hinaus. Sie zeigt die ehemaligen Arbeits- und Anprobierräume, eine Schneiderin näht sogar vor Publikum, vor allem aber werden die Entwürfe Diors und seiner Nachfolger Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, John Galliano, Raf Simons und Maria Grazia Chiuri teils spektakulär in Szene gesetzt. Blüten hängen von einem abgedunkelten Raum, in dem die Kleider wie Funken aufblitzen. Ein anderer Saal, ganz in weiß, zeigt nur weiße Entwürfe, ein weiterer ist ganz schwarz, während Lichter die Skyline von Paris nachzeichnen. Schließlich werden auf drei Ebenen Ballroben präsentiert und zugleich Glitzersternchen an Wände und Decken projiziert, während im Hintergrund klassische Musik läuft.

Schon länger hat die Haute Couture als Thema Eingang in Pariser Museen gefunden. Neben der Galerie Dior gibt es Dauerausstellungen über das Werk von Yves Saint Laurent und Pierre Cardin,zudem zeigt das Modemuseum im Palais Galliera wechselnden Schauen. Auch der Louvre, das Centre Pompidou oder die Cinemathek befassten sich mit Mode als nicht wegzudenkendem Teil von Paris, seiner Kultur und Anziehungskraft, als Stoff, der zum Träumen bringt.

Manche Stücke sind aufwändig in Szene gesetzt.
Manche Stücke sind aufwändig in Szene gesetzt. © Birgit Holzer

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