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Ein Update für Vakzine

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Von: Christoph Höland

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Impfen mit Aussicht: Ob eine Auffrischung gegen Omikron nötig sein wird, ist noch unklar.
Impfen mit Aussicht: Ob eine Auffrischung gegen Omikron nötig sein wird, ist noch unklar. © JOHN MACDOUGALL/AFP

Hersteller Biontech und Moderna passen ihre Impfstoffe an die neue Virusvariante Omikron, eine schnelle Zulassung wird es aber nicht geben.

In Deutschland und in vielen anderen Ländern grassiert die Omikron-Variante – vor der bisherige Impfstoffe nur begrenzten schützen. Als erste Hersteller haben Biontech und Moderna angepasste Vakzine angekündigt. Doch bei den Impfstoffen der neuen Generation ist das Wettrennen einiges gemächlicher als noch vor anderthalb Jahren.

Mehrere Impfstoffhersteller hatten bei der Entdeckung der Omikron-Variante Ende November angekündigt, angepasste Vakzine zu entwickeln. Ende vergangener Woche kündigten Biontech und Pfizer gemeinsam an, im März liefern zu können. Moderna will dann die Zulassung beantragen.

Während die Anpassung bei mRNA-Impfstoffen vergleichsweise schnell geht, stellt das Zulassungsverfahren eine größere Hürde dar: Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) visiert diese erst für April oder Mai an, wie vergangene Woche der EMA-Impfstrategie-Chef Marco Cavaleri sagte. „Wir wünschen uns eine schnelle Zulassung“, kritisierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) prompt gegenüber der Wirtschaftswoche.

Forschungsstand

Britische Forschende haben Hinweise darauf gefunden, dass die Wirkung der Corona-Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca gegen Omikron schwächer ausfällt als gegen die Delta-Variante. Eine Auffrischungsimpfung hebt den Schutz vor symptomatischer Infektion wieder an, berichtet die UK Health Security Agency. Daraus folgert Gesundheitsminister Karl Lauterbach: „Frühe Boosterimpfung scheint sinnvoll, wahrscheinlich notwendig.“

Die UK-Health-Gruppe hatte bei 581 symptomatischen Infektionen Omikron nachgewiesen. Zeitgleich gab es mehr als 56 000 Delta-Infektionen. dpa

Der Grund für die Verzögerung: Die EMA hat zwar schon im vergangenen Jahr ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für angepasste Impfstoffe auf den Weg gebracht, angewandt wurde es bislang aber nicht. Nun würden Details des Verfahrens konkretisiert, erklärte Rolf Hömke, beim Pharmaverband VFA Sprecher zu Forschungsthemen. „Das kann zur Konsequenz haben, dass die Studienergebnisse später vorliegen und bewertet sind, als erste Kontingente an lieferfähigem Impfstoff bereitstehen“, sagt Hömke. Die Verspätung sieht er gelassen. Die Bevölkerungen brauche die Bestätigung, dass es sich um auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüfte Produkte handele: „Dafür ist das EMA-Zulassungsverfahren da“.

Die Vakzine von Biontech und Moderna bieten einen ordentlichen Schutz vor schweren Erkrankungen. Doch so gut wie gegen den Wildtyp und frühere Mutationen des Coronavirus wirken sie nicht, zeigen Studien. Ob verbesserte Impfstoffe nötig sind, ist allerdings auch der Weltgesundheitsorganisation unklar. Eine Empfehlung, Vakzine anzupassen, haben die zuständigen WHO-Gremien bisher nicht ausgesprochen.

Einige Impfstoffhersteller priesen zuletzt eine passable Wirkung ihrer Produkte gegen Omikron an. Der Totimpfstoff von Valneva etwa ist zwar nicht auf die neue Variante gemünzt, aber laut Hersteller gegen Omikron zu 87 Prozent wirksam. Valneva hofft auf eine europäische Zulassung im ersten Quartal 2022.

Der ebenfalls auf mRNA-Technologie setzende Hersteller Curevac plant bislang trotzdem kein Omikron-Update. Derzeit werde noch geprüft, ob ein speziell auf die Omikron-Variante ausgerichteter Impfstoff nötig ist, erklärte eine Sprecherin des Tübinger Unternehmens.

Nachdem ein erster Curevac-Impfstoff am Zulassungsverfahren gescheitert war, arbeitet Curevac schon länger an einem neuen mRNA-Vakzin. Dessen Immunreaktion gegen Omikron werde gerade „mit Hochdruck“ bei Labortests überprüft, sagte die Sprecherin.

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