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Ein Stecker muss reichen

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Von: Damir Fras, Alisha Mendgen

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Schluss mit Kabelsalat.
Schluss mit Kabelsalat. © picture alliance / Zoonar

Die EU einigt sich auf einen Standard für einheitliche Ladekabel.

Das nervtötende Kabelwirrwarr in Schubladen und Taschen hat bald ein Ende: In der EU soll von Mitte 2024 an ein einheitlicher Ladekabel-Standard für zahlreiche mobile Endgeräte wie Handys und Tablets gelten. Die Unterhändler:innen des Europaparlaments, der EU-Kommission und der EU-Staaten einigten sich am Dienstag darauf, dass künftig allein die USB-C-Ladebuchse verwendet wird. Damit geht ein mehr als zehn Jahre währender Streit zu Ende.

Das Europaparlament konnte durchsetzen, dass der neue Standard für mehr Geräte als gedacht verwendet wird. Die Liste umfasst Handys, Tablets, Laptops, Digitalkameras, Kopfhörer, Headsets, tragbare Videospielkonsolen, tragbare Lautsprecher, E-Reader, Tastaturen, Computermäuse und Navigationsgeräte.

Die EU-Staaten erwirkten im Gegenzug, dass die neuen Regeln erst in zwei Jahren gelten. Für Laptops soll das einheitliche Ladekabel sogar erst in 40 Monaten kommen. Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im Europaparlament, Anna Cavazzini (Grüne), zeigte sich darüber enttäuscht. Es sei schade, „dass die Verbraucherinnen und Verbraucher erst in zwei Jahren ihre Geräte mit nur einem Kabel laden können“, sagte sie.

Aus Sicht der deutschen Verbraucherschützer:innen ist die Einigung eine gute Entscheidung. „Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die geplante Vereinheitlichung der Ladekabel“, sagte die Referentin für Ressourcenschutz im Verbraucherzentrale Bundesverband, Elke Salzmann. Ein Allzweckkabel spare nicht nur Ressourcen und verringere Elektroschrott, es erleichtere Verbraucherinnen und Verbrauchern auch das Leben.

Wenn Hersteller zudem verpflichtet würden, ihre Geräte ohne Ladekabel anzubieten, sollten die Kostenersparnisse weitergegeben werden, forderte Salzmann. Nach den Regeln soll es möglich sein, Geräte und Kabel separat zu kaufen. Das dürfte die Menge an gekauften, aber nicht genutzten Kabeln erheblich verringern. Die EU schätzt, dass Konsumentinnen und Konsumenten pro Jahr bis zu 250 Millionen Euro weniger für diese Produkte ausgeben werden.

Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) rechnet mit einer erheblichen Reduzierung des Elektroschrotts. Ihr Ministerium habe sich „erfolgreich dafür eingesetzt, dass neben Smartphones viele weitere Produktgruppen wie Tablets, Kameras, Kopfhörer und anderes in diese Regelung einbezogen sind“, sagte Lemke.

Die Verringerung von Abfall ist ein Ziel, das Lemke auch mit ihrem Projekt „Recht auf Reparatur“ verfolgt. Sie will dafür sorgen, dass Groß- und Kleingeräte künftig repariert und somit länger genutzt werden können. Außerdem macht sich die Grüne für eine Akkutauschpflicht stark.

Die Bemühungen, einheitliche Ladegeräte und Ladekabel in der EU durchzusetzen, gehen auf das Jahr 2009 zurück. Der damalige EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) kündigte ein universelles Ladegerät für Handys an. Führende Hersteller sagten damals zwar zu, eine gemeinsame Lösung entwickeln zu wollen. Doch die Hoffnung, dass schon im Sommer 2010 neue Geräte mit einheitlichem Anschluss auf den Markt kommen würden, verflog schnell. 2014 verlangte das EU-Parlament, einheitliche Ladegeräte für Mobiltelefone und Tablets zu entwickeln. Doch auch diese Forderung lief ins Leere.

Mittlerweile gibt es einen einheitlichen Standard für die Netzteile. Auch die Zahl der verschiedenen Anschlussbuchsen ist von mehreren Dutzend auf nur noch drei gesunken. Für Android-Smartphones werden inzwischen hauptsächlich USB-C-Anschlüsse verwendet. Micro-USB-Buchsen, früher Standard bei Android-Mobiltelefonen, kommen aus langsam der Mode. Apple setzte bis zuletzt noch auf einen eigenen Anschluss.

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