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Ein paar Millionen im Ausland?

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Von: Susanne Ebner

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Bernie Ecclestone bei seiner Ankunft vor dem Westminster Magistrates Court.
Bernie Ecclestone bei seiner Ankunft vor dem Westminster Magistrates Court. © dpa

In London beginnt der Prozess gegen Ex-Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.

Bernie Ecclestone machte seinem Ruf als früherer Formel-1-Chef alle Ehre. Dreimal fuhr sein weißer Range Rover mit dem personalisierten Nummernschild am Montagmorgen am Gericht vorbei. Erst dann bahnte sich der 91-Jährige im dunkelblauen Dreiteiler seinen Weg durch die Journalistenmenge zum Westminster Magistrates‘ Court in London.

Der Grund für das Medienaufgebot: Ecclestone hat auch im gehobenen Alter wieder einmal Ärger mit der Justiz. Der umstrittene Manager ist wegen Betrugs angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, Vermögen im Ausland in Höhe von mehr als 400 Millionen Pfund (471 Millionen Euro) gegenüber den britischen Steuerbehörden unterschlagen zu haben.

Haftstrafe ist möglich

Weil er „Probleme mit dem Hören“ habe, wie seine Anwältin Clare Montgomery erklärte, erlaubte Richter Paul Goldspring Ecclestone, im Gerichtsaal außerhalb des gläsernen Kastens zu stehen, im welchem sich Angeklagte normalerweise aufhalten müssen. Der Brite plädierte in der nur wenige Minuten dauernden ersten Anhörung auf nicht schuldig. Danach durfte er den Gerichtssaal auf Kaution ohne Auflagen verlassen.

Laut Staatsanwaltschaft soll Ecclestone einen Trust zugunsten seiner drei erwachsenen Töchter, der 67-jährigen Deborah, der 38-jährigen Tamara und der 33-jährigen Petra nicht ordnungsgemäß angegeben haben. Die britische Finanz- und Steuerbehörde HMRC wirft ihm vor, dass er selbst von dem nicht deklarierten Vermögen im Ausland profitieren wollte. Theoretisch ist eine Strafe von bis zu zehn Jahren Haft möglich.

Reich und berühmt wurde der Brite seit den 1970er Jahren durch die Übernahme der Werbe- und Fernsehrechte der Formel 1. Bis zu seinem Rücktritt als Chef der Formelserie 2017 machte er diese zu einem globalen und milliardenschweren Unternehmen. Seine Kritiker:innen bezeichneten ihn jedoch als gerissen und betonten, dass er es mit den Gesetzen nicht immer genau genommen habe.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass sich Ecclestone in einem Prozess verantworten muss. 2013 stand er wegen des Verkaufs von Formel-1-Rechten an das Investmentunternehmen CVC Capital Partners (CVC) vor einem Gericht in München. Der Vorwurf damals: Er habe Bestechungsgelder bezahlt, um seinen Job zu behalten. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 100 Millionen US-Dollar aber eingestellt. Ecclestone gilt als unschuldig. „Es ist erledigt und abgehakt, also ist alles in Ordnung“, sagte er damals.

Überdies hat er mit umstrittenen Äußerungen im britischen Fernsehen immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Erst im Juni bezeichnete er Wladimir Putin im Rahmen eines Interviews als „erstklassigen Menschen“, der so gehandelt habe, „weil er dachte, dass es das Beste für Russland“ sei – im Blick auf den Krieg in der Ukraine.

Ob Ecclestone gegen das Gesetz verstoßen hat, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Das Verfahren soll am 19. September im Southwark Crown Court fortgesetzt werden. Jenes Gericht, in welchem sich Boris Becker Anfang des Jahres wegen Betrugs verantworten musste.

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