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Ein Gipfel der Sprachlosigkeit

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Von: Daniela Vates

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Annalena Baerbock und das Auslaufmodell G20.
Annalena Baerbock und das Auslaufmodell G20. © dpa

Sergej Lawrow verlässt das G20-Treffen auf Bali vorzeitig, weil es angeblich nicht besprechen gibt. Außenministerin Baerbock ruft daraufhin die G19 aus.

Ein freundliches Foto gibt es mit dem schwierigen Gast: Ind Außenministerin Retno Marsudi ist Gastgeberin des G20-Treffens auf Bali. Ein Amtskollege nach dem anderen kommt auf dem roten Teppich an. Auch Sergej Lawrow aus Russland ist angereist. Händeschütteln, Lächeln.

„Wann beenden Sie den Krieg?“ ruft ein deutscher Journalist. „Warum beenden Sie nicht den Krieg?“, fragt ein weiterer. Genug gelächelt. Marsudi weist Lawrow den Weg nach rechts. Der Gipfel soll beginnen.

Die Außenminister von 20 Industrie- und Schwellenländern sind zusammengekommen. Um Gesundheit, Digitalisierung und nachhaltige Energieversorgung soll es eigentlich gehen. Aber Russland hat die Ukraine angegriffen, der Krieg hat sich auf die Tagesordnung gedrängt. Schon im Vorfeld hieß es im deutschen und im US-Außenministerium, Russland solle auf Bali keine Bühne bekommen. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock wie auch ihr US-Kollege Antony Blinken lassen wissen, dass es für sie keine bilaterale Treffen mit Lawrow geben werde, das übliche wichtige Beiwerk der Gipfel. Um leere Plätze bei Tisch zu vermeiden, ersetzt die indonesische Regierung das übliche Abendessen vor dem Gipfel durch einen Stehempfang. Es gibt keines der üblichen „Familienfotos“ mit allen Minister:innen. Auch keine Abschlusserklärung.

Aber zu politischen Gesprächen kommt man am Freitag dennoch an einem Tisch zusammen. Lawrow wird zwischen seinen Kollegen aus Mexiko und Saudi-Arabien platziert. Gastgeberin Marsudi mahnt zu Beginn: „Unsere Verantwortung ist es, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden.“ Sie spricht von der Notwendigkeit, Brücken zu bauen.

Lawrow hält seine Rede, dann steht er auf und geht. Drinnen antwortet ihm Baerbock als Vorsitzende der G7-Außenminister:innen: Deutliche Worte, „dass wir den Bruch des internationalen Völkerrechts nicht akzeptieren“, hat sie angekündigt. Lawrow hört sie nicht mehr. Vor der Tür erzählt er seine Variante der Geschichte: Der Westen dränge der Ukraine seine Waffen auf, es gebe wohl nichts zu besprechen. Eines aber scheint angekommen: „Alle haben uns aufgerufen, diese Operation zu beenden“, sagt er auch.

Und diese Einigkeit schildert auch Baerbock nach der Sitzung: „Der Appell aller 19 Staaten war sehr deutlich: Dieser Krieg muss ein Ende haben“, sagt sie. Das klingt wuchtig, aber es gibt eine Einschränkung: Die Mehrheit der Staaten sehe Russland in der Verantwortung für die Beendigung des Kriegs. Auch China, Indien und Südafrika, die sich bei der UN-Abstimmung über die Verurteilung des russischen Angriffs enthalten haben, gehören zu den G20.

Zur zweiten Gipfelrunde, in der über Ernährungssicherheit gesprochen wird, fehlt Lawrow dann. Baerbock spricht von den G19 – das ist die neue Erzählung.

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