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Schoko-Eier mit einer bösen Überraschung

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Von: Harald Stutte

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Die Ferrero-Fabrik in Arlon wurde von der belgischen Polizei geschlossen.
Die Ferrero-Fabrik in Arlon wurde von der belgischen Polizei geschlossen. © dpa

Handelsexperte Thomas Roeb kritisiert Ferrero für den Umgang des Konzerns mit einem Salmonellenausbruch. Für Foodwatch belegt der Fall, dass Hersteller gesetzlich zu Transparenz verpflichtet werden müssen.

Dem Süßwarenkonzern Ferrero droht ein dauerhafter Imageschaden. Verbraucherschützer:innen und Handelsfachleute bescheinigen dem italienischen Traditionsunternehmen eine schlechte Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit dem Salmonellenverdacht bei einigen Produkten.

„Weil es sich zunächst um Einzelfälle gehandelt hat, lag es für Ferrero nahe, die Vorfälle nicht an die große Glocke zu hängen“, sagte Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Doch spätestens nachdem die belgische Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hatte und ein Werk geschlossen worden war, war es an der Zeit, die Kommunikationsstrategie zu ändern“, betonte Roeb. „Sonst besteht die Gefahr, dass soziale Netzwerke die Deutungshoheit über solche Vorfälle übernehmen.“ Das Unternehmen könne dann mit seiner „Salamitaktik“ nur noch reagieren. Dann entstehe ein enormer Imageschaden.

Auch am Mittwoch reagierte Ferrero Deutschland nicht auf Presseanfragen. Für die Verbraucherschützer:innen von Foodwatch stellen sich ganz grundlegende Fragen: „Schon die Tatsache, dass kurz vor Ostern Weihnachtsprodukte zurückgerufen werden, ist doch entlarvend“, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler dem RND. „Wir brauchen eine gesetzliche Transparenzpflicht.“

Foodwatch fordert, dass Hersteller und auch Behörden dazu verpflichtet werden, Informationen wie im Fall Ferrero sofort öffentlich zu machen. „Zudem bedarf es eines wirksamen Unternehmensstrafrechts mit abschreckenden Sanktionen“, unterstrich Winkler. Es habe nicht nur das System der Überwachung versagt, auch die Rückverfolgbarkeit funktioniere nicht.

Mitten im lohnenden Ostergeschäft muss Ferrero nun zahlreiche Produkte zurückrufen – selbst in Neuseeland ordneten die dortigen Behörden jetzt an, alle in Belgien hergestellten Überraschungseier, Schoko-Bons und Kinder-Mini-Eggs vom Markt zu nehmen. Grund für den Rückruf ist eine mögliche Verunreinigung mit gefährlichen Bakterien. Auslöser waren mehrere Salmonellenfälle, durch die einige Kinder in anderen Ländern bereits im Krankenhaus behandelt werden mussten. Eine Woche nachdem dem Werk im belgischen Arlon die Produktionslizenz vorübergehend entzogen worden war und die Staatsanwaltschaft gegen Ferrero ermittelte, stellt sich die Frage, ob die zu restriktive Informationspolitik des im italienischen Alba ansässigen Mutterkonzerns das bisherige Ausmaß des Schadens noch vergrößert.

Momentan habe „die lückenlose Aufarbeitung des Sachverhalts höchste Priorität“, hieß es in einer der wenigen Mitteilungen von Ferrero Deutschland. „Selbstverständlich rechnen wir mit Einbußen in unserem Ostergeschäft.“

Offenbar wusste Ferrero von dem Problem bereits seit mehreren Monaten und hatte zunächst intern versucht, die Quelle für die erhöhte Salmonellenkonzentration zu finden und das Problem zu beheben. Wie Ferrero France mitteilte, sei bei einer Kontrolle am 15. Dezember 2021 ein von Salmonellen befallener Filter am Ausgang von zwei Rohstofftanks gefunden worden. Die betroffenen Materialien und Fertigprodukte seien blockiert und nicht ausgeliefert worden. Nach dem Vorfall habe Ferrero den Filter entfernt.

Eine Verunreinigung mit Salmonellen kann insbesondere für Kleinkinder, Schwangere und geschwächte oder ältere Menschen gefährlich werden. Die vom Rückruf betroffenen Süßigkeiten von Ferrero sollten daher auf keinen Fall verzehrt werden. Symptome einer Salmonellenerkrankung sind plötzlicher Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, allgemeines Unwohlsein und mitunter auch Erbrechen.

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