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Duo fürs Schaufenster

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Von: Markus Decker

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Außenministerin Annalena Baerbock (hier zu Besuch im Niger) kommt in jüngsten Meinungsumfragen auf 53 Prozent Zustimmung.
Außenministerin Annalena Baerbock (hier zu Besuch im Niger) kommt in jüngsten Meinungsumfragen auf 53 Prozent Zustimmung. © IMAGO/photothek

Die Grünen Baerbock und Habeck sind die beliebtesten politischen Spitzenleute. Fachleute überrascht das nicht.

Die Zahlen verwundern niemanden: Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist jüngsten Umfragen zufolge derzeit der beliebteste Politiker Deutschlands, gefolgt von der ebenfalls grünen Außenministerin Annalena Baerbock. Der sozialdemokratische Kanzler Olaf Scholz rangiert in den Rankings auf Platz drei. Der ARD-Deutschlandtrend etwa registrierte für Habeck zuletzt 54 Prozent Zustimmung, für Baerbock 53 und für Scholz 51 Prozent. Die Zustimmung zu den Personen spiegelt sich in der Zustimmung zu ihren Parteien: Während die SPD hinter CDU und CSU zurückfällt, legen die Grünen zu.

Aber warum? Fachleute sind sich einig: Es hat – besonders vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – mit der Vermittlung politischer Botschaften zu tun. Und mit Geschlossenheit.

Hubert Kleinert, ein Weggefährte des ehemaligen grünen Außenministers Joschka Fischer und heute Professor für Politikwissenschaft an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung, sagt: „Die Beliebtheit von Robert Habeck und Annalena Baerbock ist in erster Linie das Ergebnis besserer Kommunikation. Olaf Scholz will zwar den Eindruck vermitteln, als wisse er, wo es hingehen soll. Aber seine Botschaft war in den letzten Wochen oft nicht wirklich klar, während die Grünen es schaffen, eine klare Botschaft zu vermitteln.“

Habeck vermöge es zudem, der Öffentlichkeit innere Bedenken mitzuteilen. Das tat er beispielsweise bei der Debatte über ein Energie-Embargo. Über Baerbock wiederum sagten jetzt viele, die anfangs kritisch gewesen seien: „Donnerwetter, die kann das!“ Außenminister seien ohnehin fast immer populär.

Kleinert, der 1983 als einer der ersten Grünen in den Bundestag einzog, sieht als weiteren Grund, dass die Partei heute „ein erstaunlich geschlossenes Bild“ abgebe – und etwa bei den Waffenlieferungen an die Ukraine niemand aufbegehre, obwohl die Grünen aus der Friedensbewegung kämen. Die SPD hingegen, in der sich führende Köpfe gegen Waffenlieferungen sträuben, wirke „diffus und unklar“. Die Ampel-Koalition insgesamt gebe „ein eher durchwachsenes Bild“ ab.

Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts MenteFactum, sieht das ähnlich. „Habeck ist eine ganz besondere Spezies von Politiker.“ Er habe „einen anderen Stil, Politik zu gestalten. Man merkt, wie er mit sich ringt.“ Baerbock profitiere von dem vorherigen Irrglauben, dass sie mit der Aufgabe nicht fertig werde.

Bei beiden hätten die Deutschen eine gewisse Sicherheit, was sie wollten, so Schöppner. „Bei Scholz weiß man nicht, was er will.“ Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), die personelle Nummer drei der Ampel, sei „ein bisschen in seinen ideologischen Fängen verankert“. Lindners Positionen träfen „nicht so ganz den Zeitgeist“.

Ein Letztes komme hinzu, glaubt Schöppner. In einer komplizierten Welt könnten Bürger zunehmend schlecht zwischen richtig oder falsch unterscheiden. Somit spiele persönliche Identifikation eine größere Rolle. Hier böten Habeck und Baerbock, die nicht wie Parteisoldaten aufträten, mehr Möglichkeiten.

Abgesehen davon, dass die Grünen mit Ex-Bundesfamilienministerin Anne Spiegel den ersten Rücktritt zu verzeichnen hatten, betont Schöppner freilich, dass sich die Wahrnehmung auch wieder verändern könne. Der Krieg in der Ukraine werde irgendwann vorüber sein. Dann träten Fragen der sozialen Sicherheit stärker in den Vordergrund – und damit, wer hierauf bessere Antworten liefere.

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck kommt sogar auf 54 Prozent Zustimmung.
Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck kommt sogar auf 54 Prozent Zustimmung. © IMAGO/Willi Schewski

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