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Düstere Prognosen

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Von: Christoph Höland

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Auch die Wachstumsziele Chinas geraten in Gefahr.
Auch die Wachstumsziele Chinas geraten in Gefahr. © imago images/VCG

Der russische Angriff auf die Ukraine bremst die Weltwirtschaft aus. Der Währungsfonds spricht von „tragischen“ Folgen und korrigiert seine Konjunkturprognose nach unten.

Auf die „Wadi Al-Arab“ hat man in Ägypten sehnsüchtig erwartet: 60 000 Tonnen Weizen hat der Schüttgutfrachter aus der Ukraine unlängst an den Nil gebracht. Womöglich war es die vorerst letzte Lieferung aus dem Land, dass binnen Tagen von einer Kornkammer zu einem Kriegsgebiet geworden ist. Doch Engpässe bei der Lebensmittelversorgung sind bei weitem nicht das einzige Problem, dass auf Ägypten und die Weltwirtschaft zukommt, warnt der internationale Währungsfonds (IWF). Er befürchtet „massive“ wirtschaftliche Folgen, nicht zuletzt außerhalb Europas.

Vor Journalist:innen war es Kristalina Georgiewa am späten Donnerstagabend aber wichtiger, zunächst über die Ukraine zu sprechen: „Russlands Invasion“ sei dort Auslöser für eine massive humanitäre und wirtschaftliche Krise, erklärte die IWF-Chefin. Eine schwere Rezession in der Ukraine ist aus IWF-Sicht unvermeidlich. „Selbst wenn die Kriegshandlungen sofort aufhören, werden Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung massive Kosten verursachen“, sagte Georgiewa – der zufolge der IWF die ukrainische Währung schon jetzt mit Milliardensummen stützt.

Doch die Folgen des Krieges bleiben nicht auf die Ukraine beschränkt, wie Georgiewa betonte. Russland rutsche, bedingt durch die „beispiellosen“ Sanktionen, in eine schwere Rezession samt hoher Inflation und „stark sinkendem“ Lebensstandard für den Großteil der Russinnen und Russen. Nachbarstaaten der Ukraine und Russlands müssen sich laut Georgiewa auf sinkende Handelseinnahmen, ausbleibende Überweisungen von in Russland tätigen Landsleuten sowie Kosten durch die Aufnahme von Flüchtlingen einstellen.

Wie stark die Konjunktur einbricht, konnten die Fachleute beim IWF noch nicht beziffern. Fest steht laut Georgiewa aber, dass der IWF seine globale Konjunkturprognose im April absenken wird, und dass die Folgen der Invasion für die Weltwirtschaft „tragisch“ sein werden. „Erst erleben wir mit der Pandemie eine Krise wie keine andere. Und jetzt geschieht noch schockierenderes“, so Georgiewa.

Denn teurere Energie- und Rohstoffimporte treffen ihr zufolge auf eine Weltwirtschaft, die bereits unter den Folgen der Pandemie, der hohen Inflation sowie leerer öffentlicher Kassen leidet. Nun würden die steigenden Preise für geringere Kaufkraft und damit für eine sinkende Wirtschaftsleistung sorgen, prognostizierte die IWF-Chefin.

Und dann ist da noch das Kapital, dass in Krisen für gewöhnlich in sichere – also wohlhabende – Häfen flieht. Die Finanzierung staatlicher Kredite und privater Investitionen in ärmeren Staat erschwert das, warnte Georgiewa.

„Einen echten Schock“ prognostiziert Georgiewa dem afrikanischen Kontinent: 42 von 54 Staaten dort seien Energieimporteure, die oft kaum die Mittel für staatliche Energiesubventionen hätten. Außerdem stiegen die Lebensmittelpreise. Zudem betonte Georgiewa, dass einige Staaten auf wichtige Einnahmen aus dem Geschäft mit russischen Touristen verzichten müssen.

Verschont bleibt auch Asien nicht. Teurere Lebensmittel und Energie sind dort ebenfalls absehbar. Das Ziel der chinesischen Führung, 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum, hält Georgiewa nun für „schwer erreichbar“. Und Indien dürfte Georgiewa zufolge ebenfalls stärker gegen die Inflation ankämpfen müssen. Oft genug geht das mit steigender Arbeitslosigkeit einher.

In Südamerika dürften die steigenden Preise laut Georgiewa ein besonders großes Problem sein: Die Länder dort rängen immer noch stark mit den Folgen der Pandemie, zugleich sei die Inflation besonders hoch. Ob die höheren Lebensmittelpreise dortigen Exporteuren helfen, ist Georgiewa zufolge unsicher. Denn dem IWF zufolge ist auch die globale Düngerversorgung in Gefahr, weil russische Exporte ausbleiben und sich Gas als Grundstoff zur Düngerherstellung so massiv verteuert.

Ob es unter dem Strich Profiteure der aktuellen Eskalation geben könnte, deutete Georgiewa nur an. Es dürften die Staaten seien, die viele Energieträger exportieren und in denen Lebensmittelimporte eine eher geringe Rolle spielen – also höchstens eine Handvoll der 193 UN-Staaten auf der Erde.

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